Bischof Kohlgraf: Wir gestalten den Wandel unserer Kirche
Bistum Mainz plant Neustrukturierung im Bildungs- und Tagungsbereich
Mit Plänen zur Neustrukturierung des Bildungs- und Tagungsbereichs reagiert das Bistum Mainz auf die Umbruchsituation der katholischen Kirche in Deutschland und die eigenen sinkenden finanziellen Möglichkeiten. Es stehen Veränderungen bei sechs Schulen und drei Tagungshäusern an.
Das Bistum Mainz plant, die Trägerschaft bei insgesamt fünf der 18 katholischen Schulen nicht mehr selbst fortzuführen. Bei einer Schule soll das Konzept verändert werden. Drei Tagungshäuser sollen geschlossen werden, die übrigen gleichzeitig gestärkt werden.

Erste Gespräche hat es schon gegeben, mit der Veröffentlichung der Pläne tritt das Bistum jetzt in Verhandlungen mit den politisch Verantwortlichen über die Übernahme der Trägerschaften der Schulen.
Veränderungen im Bereich Schule
Aktuell finden für folgende vier Schulen Gespräche zur Übernahme der Trägerschaft statt:
- Liebfrauenschule Bensheim
- Hildegardisschule Bingen
- Martinus-Grundschule in Mainz-Gonsenheim
- Ketteler-Kolleg und -Abendgymnasium in Mainz
Für das Theresianum in Mainz soll eine eigene Trägerkonstruktion geschaffen werden, wie sie zum Beispiel bereits für die Maria Ward-Schule in Mainz oder die Edith Stein-Schule in Darmstadt besteht.
Bei der Grund- und Realschule plus, Weißliliengasse Mainz, ist geplant, den Realschulzweig auszubauen und von einer zweizügigen zur dreizügigen Schule zu erweitern. Der Grundschulzweig wird verkleinert und ab dem Schuljahr 2022/23 keine neuen Schülerinnen und Schüler mehr aufnehmen.
Veränderungen im Bereich Tagungshäuser
Es ist geplant, das Haus am Maiberg in Heppenheim zum 31. Dezember 2022 zu schließen. Der renommierte Arbeitsschwerpunkt sozialpolitischer und sozialethischer Bildung soll erhalten bleiben, aber an die Akademie Erbacher Hof in Mainz angeschlossen werden. Außerdem soll dieser Zweig dezentral fortgeführt werden, um weiterhin in den Bundesländern Hessen und Rheinland-Pfalz präsent zu sein. Geprüft wird etwa die Einrichtung einer Außenstelle „Akademiearbeit im Bistum Mainz - Schwerpunkt sozialpolitische und sozialethische Bildung“ im Gebäude „Katholisches Bildungszentrum nr30 Darmstadt“ sowie die Entwicklung neuer, dezentraler Veranstaltungsformen an den unterschiedlichen regionalen Zentren des Bistums.
Das Haus St. Gottfried in Ilbenstadt soll ebenfalls Ende 2020 schließen. Trotz Steigerung der Belegzahlen in den letzten Jahren, lässt sich das Haus, das vor allem für Jugendpastoral, Erwachsenenbildung, Familienpastoral und kirchenmusikalische Ausbildung zur Verfügung steht, nicht wirtschaftlich führen. Es ist vorgesehen, dass die Pfarrei in Ilbenstadt die Räumlichkeiten vorerst weiter nutzen kann, bis für die Gemeinde eine geeignete Lösung gefunden ist, und die Folgenutzung des Hauses St. Gottfried geklärt ist.
Auch das Kardinal Volk-Haus auf dem Rochusberg in Bingen soll Ende 2022 geschlossen werden. Das Exerzitien-Kursprogramm soll bis Mitte 2022 in gewohnter Weise laufen. Das Kloster Jakobsberg bei Ockenheim soll gemeinsam mit den Missionsbenediktinern zu einem spirituellen Zentrum des Bistums Mainz mit Schwerpunkten im Bereich von Exerzitien, Kirchenmusik und generationenübergreifender Bildungsarbeit ausgebaut werden. Ein weiteres spirituelles Zentrum soll das Kloster Engelthal bei Altenstadt sein.
Für den Bildungs- und Tagungsbereich erwartet das Bistum mit der Umsetzung der Maßnahmen jährliche Einsparungen in Höhe von rund 15 Millionen Euro sowie zusätzlich nicht getätigte Investitionskosten etwa für den Gebäudeerhalt oder Erweiterungen im Ganztagsschulbereich und nicht mehr benötigte Pensionsrückstellungen.
Kohlgraf: „Kirche ein Gesicht geben, das in diese veränderte Zeit passt“
„Es sind schmerzhafte Einschnitte, die wir auf verschiedenen Ebenen des Bistums vornehmen müssen“, betont Bischof Kohlgraf. Eine Neustrukturierung sei jedoch unvermeidlich. Und auf lange Sicht sei es ein verantwortungsvoller Weg: „Wir gestalten den Wandel unserer Kirche. Wir gestalten die Zukunft unseres Bildungs- und Tagungsbereichs zu einer Zeit, in der wir noch gestalten können. Und nicht erst dann, wenn uns fehlende finanzielle Mittel dazu zwingen.“ Damit will Bischof Kohlgraf eine „stabile Perspektive“ schaffen.
Bentz: „Bistum Mainz steht zu pluraler Bildung und hochwertiger Bildung“
Weihbischof Udo Markus Bentz, der auch Ökonom des Bistums Mainz ist, macht deutlich, dass der Haushalt des Bistums Mainz bereits seit mehreren Jahren defizitär ist: „Im aktuellen Haushaltsjahr 2020 rechnen wir mit einem negativen Ergebnis von rund 32 Millionen Euro (bei einem Gesamtvolumen von 357 Millionen Euro). Hinzu kommen die Risiken der Corona-Krise, die den ersten Berechnungen zufolge die Einnahmesituation noch einmal um zehn bis 15 Prozent verschlechtern wird.“ Um dauerhaft eine solide Haushaltsplanung zu gewährleisten, müsse das Bistum schrittweise 20 bis 25 Prozent seiner Ausgaben einsparen. Bis zum Jahr 2030 bedeute das ein Einsparvolumen von mehr als 50 Millionen Euro pro Jahr.
Bentz macht deutlich, dass insbesondere der Schulbereich zu den größten Posten im Bistumshaushalt gehört: „Von den erwarteten Kirchensteuereinnahmen in Höhe von 232,6 Millionen Euro gehen im laufenden Wirtschaftsplan für das Jahr 2020 insgesamt 68,2 Millionen Euro in den Bereich Schulen, Hochschulen und Religionsunterricht.“
„Um den Bereich unserer Schulen und Tagungshäuser in gewohnt stabiler und professioneller Weise führen zu können, müssen wir unser Engagement auf ein Maß beschränken, das wir uns auch in Zukunft noch leisten können“, sagt Bentz.
Das sei schmerzhaft, denn: „In den Schulen und Häusern, die auf Zukunft hin nicht mehr vom Bistum verantwortet werden, wird eine sehr gute Arbeit von engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geleistet. Deshalb bleibt es unser erklärtes Ziel, diese Arbeit in einem neuen Rahmen zu sichern und eine dauerhafte Kontinuität unter veränderten Bedingungen zu schaffen.“ (mbn/jul)