Anfrage
Das Glaubensbekenntnis in der evangelischen Kirche
Nein, das Glaubensbekenntnis wurde nicht geändert. Es ist im Gegenteil eines der verbindenden Elemente zwischen den christlichen Kirchen. Allerdings gibt es viele verschiedene evangelische Kirchen und die Freiheit in der liturgischen Gestaltung ist verschieden groß. Deshalb ist ein frei formuliertes Glaubensbekenntnis keine wirkliche Überraschung.
Ohne es zu wissen, vermute ich: Es war kein lutherischer Radiogottesdienst. Denn bei den Lutheranern ist die Liturgie – ähnlich wie in der katholischen Kirche – recht klar formatiert. Wie bei uns gehört das Apostolische Glaubensbekenntnis, wir nennen es auch das kleine Credo, in der Regel dazu – so regelmäßig, dass die meisten Gottesdienstbesucher es auswendig können. Wie bei uns wird das sogenannte Große Glaubensbekenntnis selten und nur zu besonderen Festtagen gebetet.
Auch vom Ablauf her ist der lutherische Gottesdienst ähnlich wie bei uns. Allerdings wird das Credo nicht (wie bei uns) nach der Predigt gebetet, sondern direkt nach dem Evangelium. Ein evangelischer Pastor, den ich danach fragte, sagte mir: „Glaubensbekenntnis nach der Predigt? Nein, das würde meine Predigt zu hoch hängen!“ Außerdem sei der Gedanke doch ganz gut: Erst seinen Glauben zu bekennen und ihn dann in der Predigt zu verkünden.
Der zweite Unterschied ist natürlich der Satz: „Ich glaube, an den Heiligen Geist, die heilige katholische Kirche ...“. In der evangelischen Fassung heißt es: „ … die heilige christliche Kirche“. In dem sehr alten lateinischen Ursprungstext steht „sanctam Ecclesiam catholicam“ – catholicam im Sinne von allgemein, allumfassend. Allerdings entstand er lange vor den konfessionellen Spaltungen, nach denen katholisch eben insbesondere eine Konfession neben anderen bezeichnet.
Bereits 1970 hat deshalb die gemeinsame Arbeitsgemeinschaft für liturgische Texte eine ökumenische Fassung des Credo verabschiedet. Sie spricht wie die evangelische von der christlichen Kirche. Nicht wenige würden sich diese Formulierung auch in katholischen Gottesdiensten wünschen, um das konfessionelle Missverständnis zu vermeiden.