Ausstellung in Meppen über Polizeiarbeit früher und heute
Der Pranger und vorschnelle Urteile
Foto: Petra Diek-Münchow
Was erwartest du von der Polizei in einer Demokratie? Das können die Gäste der Meppener Ausstellung auf bunte Zettel schreiben.
Der verhüllte Kopf steckt in einem engen Loch, die Hände rechts und links ebenfalls. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurden Menschen so an einen „Schandpfahl“ gebunden – gedemütigt, beleidigt, mit fauligem Obst beworfen. In einer Ecke der Meppener Ausstellung „Auf den Spuren der Wahrheit. 2000 Jahre Verbrechensaufklärung“ gibt eine solche Installation nur eine Ahnung davon, wie das damals ausgesehen haben könnte. Aber wer einen Moment stehenbleibt und die Texttafel dazu liest, könnte vielleicht ins Grübeln kommen. Findet jedenfalls Museumsleiterin Lisa Schadow. „Stellen wir nicht heute auch Leute an den Pranger?“, gibt sie zu bedenken. Beurteilen und verurteilen wir nicht oft zu schnell? Und wie fühlt sich das dann für die Betroffenen an? Schadow hofft, dass die Betrachter an dieser Stelle ihr eigenes Handeln vielleicht „mal überdenken“.
Der Fall vom "roten Franz"
Das Exponat ist nur eines von 50, die in acht Themenbereichen durch die Geschichte polizeilicher Ermittlungsarbeit führen. Entstanden ist die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim. Sie will mit ganz unterschiedlichen Schaustücken zeigen, wie sich die Methoden der Kriminalistik von der Antike bis in die Gegenwart entwickelt haben. Und wer mag, kann dabei selbst auf Spuren- und Tätersuche gehen. Denn ein fiktiver Mordfall zieht sich an mehreren Stationen durch die Ausstellung. Um den zu lösen, müssen die Gäste Hinweise suchen und auswerten.
Der Rundgang durch die acht interaktiv gestalteten Themenfelder beginnt im vierten Jahrhundert nach Christus – mit dem ältesten bekannten Mordfall im Emsland am „Roten Franz“. Um 1900 war seine Leiche im Bourtanger Moor gefunden worden. Direkt daneben hat das Team einen Tatort aus den 1920er-Jahren inszeniert. Zu jener Zeit hat die Ermittlungsarbeit laut Schadow einen „riesigen Sprung nach vorn gemacht“. Spuren mussten ab jetzt genauer gesichert und dokumentiert werden. In den Jahren danach hat die Polizei die Methodik immer weiterentwickelt – bis hin zur DNA-Analyse.
Sühnekreuz als steinernes Zeugnis
„Wir haben jeden Bereich in einer bestimmten Zeitepoche angesiedelt, um das zu erklären“, sagt Lisa Schadow. Da gibt es zum Beispiel Zeitungsausschnitte über historische Kriminalfälle zu lesen oder ein Polizeibüro der Siebzigerjahre noch mit Schreibmaschine und alphabetisch geordneten Aktenschränken zu sehen. Ein paar Schritte geht es um Urteil und Strafe – mit einem Blick in eine karge Gefängniszelle des 19. Jahrhunderts. Und auch ein Sühnekreuz steht in der Ausstellung – ein steinernes Zeugnis für Schuld und Wiedergutmachung. Seit dem 14. Jahrhundert wollen sie an Menschen erinnern, die durch Mord, Totschlag oder Unfall zu Tode gekommen sind.
An mehreren Stellen der Ausstellung können die Gäste aktiv mitmachen. Wie am Ende, als es in anderer Art als beim Pranger erneut um Stichworte wie Respekt und Urteilen geht. Denn da werden die Betrachter gefragt, was sie heute von der Polizei in einer Demokratie erwarten. Und die meisten antworten nicht etwa mit Sätzen wie „Verbrecher fassen“ oder „Mordfälle lösen“, sondern sie richten den Fokus auf Gerechtigkeit und Würde. "Fairness allen gegenüber", steht zum Beispiel auf einem Blatt Papier. Auf bunten Zetteln fordern die Besucherinnen und Besucher dazu auf, Grundrechte zu wahren und Macht nicht zu missbrauchen, Menschen nicht zu schnell wegen ihrer Herkunft und ihres Aussehens zu beurteilen. Und das gilt nicht nur für die Polizei.
Die Ausstellung im Archäologischen Museum in Meppen (An der Koppelschleuse 19a) ist noch bis 12. Januar dienstags bis samstags zwischen 14 und 18 Uhr sowie sonntags von 11 bis 18 Uhr zu sehen. Eintritt zwischen zwei Euro für Kinder und sieben Euro für Familien.
Eingebettet ist die Ausstellung in ein Rahmenprogramm mit Lesungen, Filmen und Aktionen auch für Kinder und Jugendliche. Dazu gehört unter anderem am 8. Oktober um 18 Uhr ein Vortrag der Historikerin Jaqueline Meurisch über die Rolle der Polizei im nationalsozialistischen Herrschaftssystem. Am 5. November liest Autorin Irmela Schröck um 18 Uhr aus ihrem ersten Band ihrer Haselünner Krimi-Reihe „Tod im Kino“. Und am 27. November ab 18.30 zeichnet Christof Haverkamp, Historiker und Pressesprecher des katholischen Gemeindeverbandes in Bremen, die Geschichte von Bruno Fabeyer nach. Dieser galt Mitte der 1960er Jahre als einer der meistgesuchten Kriminellen Deutschlands – mit Bezügen ins Emsland.
Weitere Infos und Anmeldung unter Telefon 05931 6605 oder per E-Mail unter info@archaeologie-emsland.de