"Gefragte Frauen": Lara Eckert

Die Frau für viele Bühnen

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Lara Eckert ist 23 und vielseitig: Privat hört sie Heavy Metal, aber öffentlich singt sie sanfte Töne. Vom Umgang mit Hunden lernt sie viel über Menschen. Um unabhängig zu sein, arbeitet sie hart. Beim Kerzenanzünden denkt sie an ihre Großmutter.



Lara Eckert mag den großen Auftritt und die vielen verschiedenen Tonarten des Lebens.


Lara Eckert, womit anfangen? Mit den zwölf Klausuren, die sie gerade geschrieben hat? Mit den Auftritten als Sängerin, der kleinen Hundepension, dem Job im Fitnessstudio oder dem für eine Firma in Frankfurt? Oder mit der Ausbildung zur Hundetrainerin, mit dem Reiten? Andere haben zu Lara gesagt: „Du musst Dich mal entscheiden!“ Sie hat geantwortet: „Ich muss gar nichts.“
Fangen wir an mit dem Traum, das ist ein Tagtraum, der von einem glänzenden Abend handelt. Da sitzt sie, Lara Eckert aus Bad Soden-Salmünster, auf einem schwarzen Flügel in einem schwarzen Abendkleid und singt. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, das ja, aber für Lara kommt es auf was anderes an: Die Frau, die da singt, ist selbstbewusst.

„Still waters“: Gitarre und Gesang mit viel Herz

Dieses Selbstbewusstsein ist Laras Ziel, und daran arbeitet sie hart und ist schon weit gekommen. Als 13-jährige ist sie zuerst als Sängerin aufgetreten, sie traut sich was. „Da setze ich Herzblut rein“, sagt sie: „Gitarre und Gesang mit viel Herz“, zwischen Pop und Country. Die Auftritte zum Beispiel bei Hochzeiten machen ihr Spaß, es geht ihr um so viel mehr als die Gage: „Das ist alles so emotional, und die Paare sind so dankbar.“ Um die Kunden zufrieden zu stellen, singt sie auch auf Deutsch, was sonst nicht so ihr Ding ist, zum Beispiel den Song von „Revolverheld“, „Ich lass für Dich das Licht an“.   
Sie singt bei kirchlichen Trauungen, bei nicht religiösen Trauungen, wofür sie eben gebucht wird. Manchmal hat sie auch schon vermittelt. Da wollte der Pfarrer ausschließlich Kirchenlieder mit Orgel, und die Braut kam aufgelöst zu ihr. Sie wollte Lieder, mit denen sie mehr verbindet – einen Song, zu dem die Verliebten zuerst getanzt haben, Romantik für „den schönsten Tag im Leben“. Lara konnte das gut verstehen und hat dann geholfen, einen Kompromiss zu finden.  
Der eigene Song, der ihr bisher die meiste Aufmerksamkeit gebracht hat, „Still waters“ („Stille Wasser“), handelt aber von einer unglücklichen Liebe. Lara war damit beim Kulturabend des Ökumenischen Kirchentags (ÖKT) in Frankfurt vertreten, ihr Lied wurde unter Hunderten ausgewählt.

„Teils Business, teils Tiere“: Ausbildung als Hundestrainerin

Um sich deshalb eine steile Karriere als Musikerin auszumalen, ist Lara Eckert viel zu realistisch. Sie hält gern viele Eisen ins Feuer. Sehr ernsthaft betreibt sie ein Studium der Internationalen Betriebswirtschaft in Fulda. Aber noch mehr hängt ihr Herz an den Hunden. Sie macht eine Ausbildung zur Hundetrainerin und kann sich gut vorstellen, auch später im Leben zwei Jobs zu haben. „Teils Business, teils Tiere“ – da wird sie eine Balance finden, meint sie, denn vom Sternzeichen her sei sie eine Waage.
An den Hunden fasziniert die Tierfreundin, dass die Tiere „so viel zurückgeben und einen nie beurteilen“. Bei der Arbeit mit ihnen gehe es im Wesentlichen um Kommunikation: „Der Hundetrainer ist ein Menschentrainer.“ Viele Menschen betrachteten den Hund als Kind und nicht als Tier: „Wenn der Hund bellt, springt der Herr.“ Dagegen setzt sie klare Regeln und Grenzen, geduldiges Üben, aber niemals Schreien und Gewalt. „Der, der schreit, ist schwach.“ Sie hingegen ist streng mit den Tieren, aber liebevoll. Sie lernt viel: „Es ist eine Reise zu sich selbst.“

Ihre Großmutter war ihr größter Fan

Lara lernt gern dazu und verlangt sich viel ab: „Es geht immer noch mehr, ich steigere mich gern.“ In der unbeschwert wirkenden jungen Frau mit dem offenen Lächeln steckt viel Ehrgeiz. Gäbe es eine Ehrgeiz-Skala bis zwölf, wäre sie bei ... „elfeinhalb“, sagt sie lachend.
Die Studentin ist stark vom heimischen Frauenhaushalt geprägt: „Mein größtes Vorbild ist meine Mama. Sie zeigt mir, wie wichtig es ist, unabhängig und selbstständig zu sein.“ Mit ihrer Mutter und ihrer Großmutter hat sie zusammengewohnt. Dabei hat die Großmutter ihrer Enkelin die Tür zum Glauben offengehalten. Mit der Oma ging die kleine Lara zur Kirche, sie lernte, wie man sich bekreuzigt, wie man Kerzen anzündet und woran man dabei denkt, von der Oma bekam sie ihr weißes Gebetbuch, und vor jeder Klausur, die Lara zu schreiben hatte, zündete die Oma eine Kerze vor der Marienstatue an. So hält es die 23-Jährige jetzt selbst, denn ihre Großmutter ist im vergangenen Jahr gestorben. „Ich bete vor jeder Klausur. Ich bitte für die anderen und für mich selbst.“
Über das, was sie von der Oma gelernt hat, kann sie sich auch heute noch, nach deren Tod, mit der Oma verbinden. Gott kommt für sie ins Spiel, wenn die Verzweiflung groß ist. „In Tagen der Verzweiflung führt mich mein Weg in die Kirche.“ Das war so nach dem Unfalltod ihres besten Freundes. Gott ist für sie ein rettender Moment, eine Antwort auf die Frage: „Woran hältst Du Dich fest, wenn Dir sonst keiner mehr etwas geben kann?“
In einem Interview zum ihrem Auftritt beim ÖKT sagte sie; sie glaube definitiv an Gott. Das mache sie aber nicht automatisch zur Kirchgängerin: „Ich denke ganz anders über meine Kirche als meine Oma, obwohl wir beide katholisch sind. Ich glaube definitiv an Gott, aber ich müsste nicht jeden Sonntag in die Kirche gehen, um das zu beweisen.“ Für sie ist der Begriff „privat“ wichtig im Bezug auf den Glauben. Vieles spiele sich im Privaten ab, nicht alles wolle sie nach außen zeigen, zum Beispiel in der Kirche oder auf dem Friedhof. Für diese Äußerungen hat sie schon viel Zustimmung bekommen.

Sie tritt für sich und ihre Ansichten ein

„Stark für sich selbst sein“, das gehört zu ihrem Credo. Aufzutreten ist sie gewöhnt, nicht nur als Sängerin, unter anderem in der heimischen Kirchenband, sondern auch bei der Bad Sodener Passion. Kleine Rollen waren das, zum Beispiel war sie Mitglied des Hohen Rats. Eine große Gemeinschaft hat unter den „Passionisten“ geherrscht.
Als 1,58 Meter große Frau muss sie sich manchmal wehren, wenn jemand in ihr eine „Kleine“ sieht und meint, über sie hinweggehen zu können. Das lässt sie nicht zu. Sie tritt für sich und ihre Ansichten ein. Dafür sind die Musikauftritte, zuletzt in Bad Orb, die beste Schule. Sie kann mit Widrigkeiten umgehen, wenn die Technik nicht funktioniert, wenn manche im Publikum desinteressiert sind, wenn es einen Riesenregenschauer gibt. Lara Eckert kommt da durch. Sie spricht die Leute an, scherzt, sie möchte, dass alle eine gute Zeit haben: „Ich freue mich, wenn andere sich freuen.“

Von Ruth Lehnen

Gefragt, gesagt:

„Nicht allein“
In der Rubrik „Gefragt ...gesagt“ geben die „gefragten Frauen“ möglichst spontan Antworten.
Durch wen oder was sind Sie zum Glauben gekommen?
Lara Eckert: Durch meine Oma.
Was gibt Ihnen Ihr Glaube?
Mein Glaube gibt mir Halt, wenn ich das Gefühl habe, sonst hält mich nichts mehr.
Haben Sie schon mal daran gedacht, aus der Kirche auszutreten?
Ja, weil ich den Unterschied zwischen der Institution und meinem Glauben, der privat ist, wahrnehme. Das ist eine Option, die existiert.
Welche Veränderung wollen Sie als Frau in der Kirche noch erleben?
Frauen sollten Priesterinnen und Päpstinnen werden dürfen. Erstens zur Abwechslung und zweitens, weil ich nichts von Regeln halte, die sich nie verändern. Aber bis das passiert, bin ich nicht mehr am Leben.
Welches war das schönste Erlebnis im Zusammenhang mit Ihrem Glauben?
Nicht ein schönes Erlebnis, aber ein wichtiges. Als ich plötzlich in einer schlimmen Situation wusste: Ich bin nicht allein.
Ihre liebste Bibelstelle?
Lukas 4,4: „Jesus antwortete ...: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“
Ihr Rat an Frauen auf der Suche?
Sei mit Dir selbst zufrieden, so wie Du bist.

Zur Person:

  • Lara Eckert ist 23 Jahre alt und kommt aus Bad Soden-Salmünster.
  • Als Singer/ Songwriterin hat sie im Jahr 2010 mit eigenen Songs und Auftritten angefangen. Ihr Lied „Still Waters“ hat sie beim Kulturprogramm des Ökumenischen Kirchentags in Frankfurt gesungen.
  • Lara studiert in Fulda Internationale Betriebswirtschaftslehre.
  • Sie liebt Tiere und macht derzeit eine Ausbildung zur Hundetrainerin.
  • Lara sagt: „Wir sind eine Familie mit starken Frauen und mein größtes Vorbild ist meine Mama. Sie zeigt mir, wie wichtig es ist, unabhängig und selbstständig zu sein. Von meiner Oma habe ich die Liebe zur Musik geerbt
Ruth Lehnen