Bistum Fulda: Informationsveranstaltungen in allen Dekanaten

Die Kirche im Dorf lassen

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Gremienstruktur
Nachweis

Karte: Bistum Fulda

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Künftig soll es 28 Pfarreien im Bistum geben. Wie sieht dann dort die Gremienstruktur aus? Darum ging es bei einer Informationsveranstaltung in Niederkalbach.

Welche Gremien wird es in den künftig 28 Pfarreien des Bistums Fulda geben? Zum Entwurf finden derzeit Informationsveranstaltungen in allen Dekanaten statt. Eine davon war für das Dekanat Neuhof – Großenlüder in Niederkalbach. Von Hans-Joachim Stoehr


Bei den Veranstaltungen auf Dekanatsebene geht es darum, umfangreiche Informationen zu vermitteln. Dies vor allem mit dem Ziel, dass sich die Gläubigen aktiv am Prozess der Umgestaltung beteiligen. In Neuhof kommen über 100 Männer und Frauen aus den Pfarreien des Dekanats zusammen. Domkapitular Thomas Renze, im Generalvikariat Leiter des Fachbereichs Pastoral – Bildung – Kultur, freut sich über diese große Resonanz. Er bittet um Verständnis, dass eine solche Präsentation Zeit in Anspruch nimmt. „Wir wissen, dass dies nach einem langen Arbeitstag eine Herausforderung für die meisten hier ist“, sagt er zu Beginn.


Strukturen ändern, wenn sie nicht mehr passen


Die bisherige Gremienstruktur stammt aus den 1960-er und 1970-er Jahren. „Und sie hat wertvolle Dienste geleistet“, betont Dr. Annette Stechmann. Sie leitet die Abteilung „Kirchliches Leben“. Aber Strukturen seien an eine bestimmte Zeit gebunden. „Sie sind kein Selbstzweck, sondern stehen im Dienst der Botschaft von Jesus Christus und ihrer Weitergabe an die Menschen.“ Wenn die Strukturen nicht mehr passten, dann müssten sie verändert werden.
Als Grundsatz für die neuen Gremienstrukturen nennen Renze und Stechmann die Teilhabe aller Getauften am Auftrag der Kirche. Alle hätten eine tauf-prophetische, priesterliche und königliche Würde. Das heißt: Alle Getauften sind zur Mitwirkung an der Sendung der Kirche berufen. Und die Kirche ist „synodal“. Papst Franziskus betont dazu, das Thema der Synodalität sei keine Mode, kein Slogan oder ein neuer Begriff. „Die Synodalität drückt das Wesen der Kirche, ihre Form, ihren Stil und ihre Sendung aus.“ 
Was wird nun neu in der Gremienstruktur der Pfarreien? Einer der Teilnehmenden äußert als Empfehlung bei der Versammlung: „Das Dorf in der Kirche lassen.“ Will sagen: Nah dran bleiben an den Leuten – er sieht die Gefahr, das zu verlieren bei immer größer werdenden Gebilden. Im Entwurf für die künftigen Gremien ist das berücksichtigt: Es gibt in jedem Kirchort einer Pfarrei – man könnte auch sagen in jedem „Dorf“ – einen Kirchortrat. In diesem Gremium sollen konkrete Projekte besprochen werden, von der Organisation von Festen über Besuchsdienste bis  zu ökumenischen Begegnungen. Welche Aktivitäten der Kirchortrat durchführt, das kann das das Gremium frei entscheiden.


Im künftigen Pfarreirat geht es um Strategie


Der Pfarreirat hingegen ist das Gremium der Pfarrei, in dem es mehr um strategische Fragen geht. Stechmann: „Wer ein strategisches Charisma – Talent – hat, der ist im Pfarreirat genau richtig.“ Es gehe darum, wahrzunehmen, in welcher Situation sich die Pfarrei befindet und als Folge, wie sich die Pfarrei im gesellschaftlichen Umfeld „aufstellt“. 
Der Verwaltungsrat der Pfarrei trägt die Gesamtverantwortung für das Vermögen der Pfarrei – wie bisher auch. In diesem Zusammenhang weist ein Teilnehmer der Veranstaltung darauf hin, dass die Summen, über die in diesen Gremien entschieden werden, künftig höher werden. Und dies habe wiederum Auswirkungen auf eine eventuelle Haftung durch die Mitglieder eines Verwaltungsrats.


Einmal im Jahr tagt der Gemeinsame Rat


Mindestens einmal im Jahr soll der „Gemeinsame Rat der Pfarrei“ zusammenkommen. Er besteht aus den Hauptamtlichen in der Pastoral und der Verwaltungsleitung, den Mitgliedern von Pfarreirat und Verwaltungsrat sowie je einem Vertreter aus den Kirchorträten. In ihm sollen Konzeptionen und Empfehlungen für den Pfarreirat entwickelt werden. Für den Verwaltungsrat wiederum soll ein Empfehlungsbeschluss für den Haushaltsplan erstellt werden.

www.pfarreientwicklung.bistum-fulda.de
 

ZUR SACHE

Zahlen zur Struktur


Die Fakten in Form von Zahlen zeigen die Veränderungen bis 2035 an. So wird es nach einer Projektion im Jahr 2035 im Bistum noch 266 000 Katholiken geben, Ende 2022 waren es 347 777. Die Zahl der hauptamtlichen Laien reduziert sich in diesem Zeitraum von 156 auf 97, die der aktiven Priester von 114 auf 60. Die Größe der 28 Pfarreien variiert dann (2035) zwischen 21 750 Katholiken in der größten und 4450 in der kleinsten. Derzeit sind es 29 400 Katholiken (Hanau/Maintal/ Bergen-Enkheim)) in der größten und 6000 (Ehrenberg/Hilders /Tann) in der kleinsten. Die Pastoralverbünde gibt es nicht mehr, wenn die 28 Pfarreien gebildet sind.

Hans-Joachim Stoehr