Pilgerherberge in Frenswegen
Ein neuer Platz für eine Pause
Foto: Petra Diek-Münchow
Noch im Bau: Ulrich Hirndorf (l.) und Bernd Overhoff freuen sich auf die neue Pilgerherberge.
Nur ein paar Schritte braucht es vom Hauptgebäude des Klosters Frenswegen bis zur Baustelle für die geplante Pilgerherberge. „Wir sind wegen der kalten Temperaturen im Winter ein bisschen in Zeitverzug, aber jetzt geht es gut voran“, sagt Pastor Ulrich Hirndorf. Mit seinem katholischen Kollegen Bernd Overhoff begutachtet der lutherische Studienleiter des ökumenischen Tagungshauses (siehe auch „Zur Sache“) den Fortschritt des Projektes. Bis Ende des Jahres sollen die zwei Gebäude fertig sein. Die Eröffnung ist pünktlich zum Start in die Pilgersaison für Frühjahr 2027 angedacht.
Was Pilgerinnen und Pilger in den zwei Häusern erwartet, erklären Hirndorf und Overhoff mit einem Blick auf die Bauzeichnung. Im größeren Gebäude wird es sechs Einzel- und zwei Doppelzimmer mit insgesamt zehn Betten geben – dazu eine Selbstversorgerküche mit Aufenthaltsraum, eine Remise für Fahrräder und Möglichkeiten zum Wäschewaschen.
Kapelle für Gebet und Einkehr
Nebenan entsteht mit der Lucas-Kapelle ein kleiner Ort für Gebet, Besinnung und stille Einkehr. Eingebettet wird der Komplex auf dem 3000 Quadratmeter großen Grundstück in einen Pilgergarten mit Wildwiese, Streuobst, Staudenbeeten sowie Kloster- und Heilpflanzen. Hirndorf hat schon Bilder im Kopf, wie es dort im Sommer aussehen könnte. „Wer mag, kann hier nach seiner Tour noch spazieren gehen, eine Pause machen, zur Ruhe kommen, vielleicht bei einem Kräuter-Seminar mitmachen oder sich einfach an die lange Tafel in der Küche setzen und plaudern.“
Hirndorf hatte die Idee zu der Pilgerherberge schon Ende 2023 entwickelt, weil er glaubt, dass die zu der spirituellen und ökumenischen Ausrichtung der Stiftung Kloster Frenswegen passt: mit den drei Aspekten von Begegnung, Besinnung und Bildung. „Das erfüllen wir auch in der Herberge“, sagt er. Die Gäste, ob sie einer Religion angehören oder nicht, können mit all dem, was sie aus ihrem Leben mitbringen, hier gut ankommen. „Vielleicht wollen einige ihre Seele baumeln lassen, vielleicht steigt bei anderen von innen etwas hoch, vielleicht suchen sie den Austausch mit Weggefährten.“ Hier soll alles einen Ort haben.
Und dieser Ort hat auch einen historischen Hintergrund. Hirndorf und Overhoff sind froh, dass ein Grafschafter Kaufmann das denkmalgeschützte Gehöft gekauft und der Stiftung überlassen hat – damit es langfristig im Sinne der Gründer genutzt werden kann. Nach den Recherchen von Hirndorf stammen Teile des Gebäudes noch aus der Zeit von etwa 1750. Im 19. Jahrhundert bis in unsere Zeit hinein hatten Landwirte den Hof gepachtet. Die Kernsanierung des ganzen Ensembles nimmt Rücksicht auf diese Geschichte und wird vermutlich etwa 1,2 Millionen Euro kosten. Zuschüsse gibt es dafür unter anderem vom Land Niedersachsen, dem Landkreis, der Stadt Nordhorn, dem Förderverein und der Klosterkammer.
Die Studienleiter sind überzeugt davon, dass die Pilgerherberge das Tagungshaus nebenan gut ergänzen kann. Nicht nur, weil „Pilgern seit Jahren voll im Trend“ ist, sondern weil viele Menschen in Verbindung damit auch Orte der Besinnung suchen. Sie wollen daher den Betrieb möglichst unkompliziert halten: 35 Euro soll die Übernachtung kosten, zu zahlen einfach an der Klosterkasse. Wer will, kann sich in der kleinen Küche eine Suppe kochen und ein Brötchen anrichten – oder hinübergehen in das Hauptgebäude des Klosters und dort gegen eine Gebühr an den Mahlzeiten teilnehmen.
Neue Pilgerwege in der Region
Auch inhaltlich soll das Konzept gefüllt werden. Mit einem Pilgerstempel, mit Pilgerstationen, mit neuen Fuß- und Radpilgerwegen in der Region. „Daran arbeiten wir gerade“, sagt Bernd Overhoff. Vor allem auch an einem Anschluss an den Jakobsweg in Richtung Santiago de Compostela. Die Lücke auf der Karte soll bald eine Tour ausgehend von den Niederlanden auf Schiermonnikoog bis nach Münster schließen. „Die Planer wollen uns zuliebe extra einen Schlenker zum Kloster Frenswegen einbauen“, sagt Hirndorf. Eine gute Nachricht.
Das 1394 als Augustiner-Chorherrenstift gegründete Kloster Frenswegen Nordhorn beherbergt ein ökumenisches Tagungs- und Gästehaus. Unter dem Dach einer 1974 geschaffenen Stiftung arbeiten dort sechs Kirchen zusammen: Reformierte und Lutheraner, Baptisten und Katholiken, Altreformierte und die Herrnhuter Brudergemeine. In dieser Form gilt das Konzept europaweit als einzigartig. Für das Programm zeichnet ein ökumenisches Studienleiterteam verantwortlich. Im Mai bietet dieses zum Beispiel „Pilgern mit dem E-Bike“ an. Infos dazu: www.kloster-frenswegen.de