Würzburgs Bischof Franz Jung hilft in der Bahnhofsmission

Ein Oberhirte, der Brote belegt

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Bischof Franz Jung
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Foto: Alois Bierl

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Die Gäste freuen sich über den regelmäßigen Besuch von Würzburgs Bischof Franz Jung in der Bahnhofsmission

Der Würzburger Bischof Franz Jung hilft monatlich in der Bahnhofsmission. Er wischt Tische, verteilt Tee und hört den Menschen zu, die am Rand der Gesellschaft stehen. Für ihn eine „heilige Zeit, die nicht ausfallen darf“.

Zum Abschied muss sich Franz kräftig drücken lassen und Glückwünsche entgegennehmen. „Gratuliere zur Laufzeit, da sind wir schon stolz auf dich“, sagt der Mann an der Tür und legt ihm noch einmal beide Arme auf die Schulter, bevor er hinausgeht. Franz heißt mit Nachnamen Jung und ist Bischof von Würzburg. Vor ein paar Tagen hat er beim Residenzlauf in der Stadt für das Caritas-Team mitgemacht und dabei eine ordentliche Zeit erreicht. Stolz darauf ist ein Besucher der Bahnhofsmission, den Jung gerade mit einem Wurstbrot und einer Tasse Tee versorgt hat. 

Der Bischof übernimmt regelmäßig eine Nachmittagsschicht in der Bahnhofsmission. Seit sieben Jahren wischt er Tische ab, holt an Imbissständen Lebensmittelspenden ab, belegt Brote, hört sich an, wenn sich ein Besucher über den zu heißen Tee beschwert, oder setzt sich an einen Tisch, wenn jemand die eigene Lebensgeschichte erzählen oder einfach plaudern will. 

» Regelmäßig vier Stunden Dienst müssen einfach zu machen sein. «

„Für die Menschen, die zu uns kommen, ist das eine große Anerkennung, wenn sich ein Würdenträger nicht zu schade ist, etwas für sie zu tun“, sagt Johanna Anken. Sie leitet die Einrichtung am Würzburger Hauptbahnhof, in die Menschen kommen, „die ganz oft Ausgrenzung erfahren und auf die herabgeblickt wird“. Rund 75 000 Besuche zählt die Würzburger Bahnhofsmission jedes Jahr. Dass sie rund um die Uhr offen sein kann, dafür sorgen Anken und acht weitere Mitarbeiter. Hinzu kommen 45 Ehrenamtliche, ohne die der Betrieb nicht denkbar wäre. Zu denen zählt auch Bischof Franz Jung. 

Über seinem Hemd mit dem Priesterkragen trägt er die blaue Weste der Bahnhofsmission. Gerade reicht er einer Frau zwei Brotzeittüten über den Ausgabetresen. Den Auslöser, dass er hier steht, kann er noch genau nennen, es war der 10. Juni 2018, der Tag seiner Bischofsweihe: „Da wird ja der Kandidat unter anderem gefragt, ob er bereit ist, den Armen, Notleidenden und Heimatlosen zu dienen.“ Der neue Oberhirte wollte dieses Versprechen „auch in Taten umsetzen“.  Als er beim 120-jährigen Jubiläum der Würzburger Bahnhofsmission eingeladen war, „hat es Klick gemacht“. Auch wenn es für ihn nicht einfach ist, sich persönlich in einer sozialen Einrichtung einzubringen – er hat viele Verpflichtungen und der Terminkalender ist voll. „Doch vom Bischofshaus zur Bahnhofsmission sind es zu Fuß nur zehn Minuten, ich brauche für die Arbeit keine Spezialausbildung und regelmäßig vier Stunden Dienst müssen einfach zu machen sein.“

Bischof Franz Jung
Frisch geschmiert: Bischof Franz Jung packt Brottüten. Foto: Alouis Bierl

 

Seitdem weiß das Sekretariat des Bischofs, dass es einen Nachmittag im Monat für die Bahnhofsmission freihalten muss. „Gewissermaßen eine heilige Zeit, die nicht ausfallen darf“, sagt Jung. Eine Zeit, in der er „aus der eigenen Blase herauskommt“. Er freue sich jedes Mal auf die Kolleginnen und Kollegen, „viele ohne kirchlichen Bezug“, die sich engagieren. Gerade sei eine junge Frau dazugestoßen, „die etwas von dem vielen Guten, das sie erfahren hat, zurückgeben will. Das beeindruckt mich.“  

Ihm selbst hat sein Ehrenamt schlagartig die Augen geöffnet: „Nach meinem ersten Dienst in der Bahnhofsmission habe ich die Besucher plötzlich auch in der Stadt gesehen.“ An den Armen gingen die Blicke eben sonst oft vorbei und die meisten wollten aus Scham so unauffällig wie möglich sein. Nun dauern die Gänge des Bischofs durch die Stadt manchmal etwas länger, weil er die Bekannten aus der Bahnhofsmission grüßt – „und sie mich. Das ist schön.“

Seelsorge und Caritas gehören zusammen

Schwer fällt dem Bischof, dass er oft weniger helfen kann, als er möchte. Hin und wieder vermittelt er jemanden an einen gemeinnützigen Caritas-Betrieb. Nach jahrelanger Obdach- oder Wohnungslosigkeit, getrennt von der Familie und psychischen wie körperlichen Krankheiten verlangt das den Menschen aber oft mehr ab, als sie schaffen können: „Wenn man durch alle Netze gefallen ist, das bricht den Lebensmut von Menschen.“ Der Bischof hat heute „hohen Respekt“ davor, wenn es „jemandem in einer solchen Lage gelingt, überhaupt einen strukturierten Tagesablauf zu haben und regelmäßig in die Bahnhofsmission zu kommen“. 

Wenn er einmal im Monat hier Dienst tut, dann gibt er auch ein Beispiel für die von ihm selbst ausgegebene Leitlinie für das Bistum: Seelsorge und Caritas sind nicht voneinander zu trennen. Arnie, der am Tresen mit ihm plaudert und auch seinen Tee bekommen hat, sagt es so: „Das ist sehr gut, wenn der oberste Pfarrer weiß, dass es immer mehr Arme gibt, und sich um sie kümmert.“ Jedenfalls sei der Bischof „voll in Ordnung“, erzählt ein anderer Gast. Und eine Frau ergänzt, dass er „zu uns gehört“. So sehr, dass ihn Besucher der Bahnhofsmission auch einmal begeistert umarmen, wenn er beim Residenzlauf eine ordentliche Zeit erzielt hat. 

Alois Bierl