Jubiläum eines Berufstandes
Ein Traumberuf mit Grenzen
Foto: kna/Harald Oppitz
Der Berufsstand der Pastoralreferenten und -referentinnen feiert Jubiläum im Bistum Limburg. Seine Zukunft sieht gut aus. Derzeit gibt es genug Bewerber und Bewerberinnen.
Eigentlich wollte Monika Stanossek in den 1970er-Jahren einfach nur aus Interesse Theologie studieren. Im Studium in Würzburg hat sie dann gehört, dass es auch einen Beruf dazu gibt, den der Pastoralreferenten und -referentinnen. „Es war aber noch gar nicht klar. Was ist das für ein Beruf? Welche Chancen hat er? Welche Grenzen? Ich dachte aber: Das könnte etwas für mich sein“, sagt die Pastoralreferentin im Ruhestand. 1982 startete sie in der Pfarrei Maria Hilf in Frankfurt ihre Ausbildung. Damit gehört sie zu den frühen Pastoralreferentinnen im Bistum Limburg.
Vor 50 Jahren wurde der Beruf in der Diözese eingeführt. Das Zweite Vatikanische Konzil und die Würzburger Synode haben die Grundlage gelegt. Das Erzbistum München-Freising ließ als Erstes den neuen Beruf zu. Typisch für Pastoralreferenten und Pastoralreferentinnen ist, dass sie in der Theologie so gut ausgebildet wie Priester, aber nicht geweiht sind. Sie können in Pfarreien oder in der kategorialen Seelsorge arbeiten, wie etwa in Krankenhäusern oder Gefängnissen. Aktuell sind rund 115 Pastoralreferentinnen und -referenten in der pfarrlichen Seelsorge tätig, weitere 20 in der Kategorialseelsorge. Hinzu kommen 30 in verschiedenen Einrichtungen und Leitungsfunktionen auf Regional- und Bistumsebene.
„Mit der Einführung der Pastoralreferenten und -referentinnen wurde die Taufwürde jedes Christen hervorgehoben. Die neue Berufsgruppe bot die Chance, Kirche anders zu denken“, sagt Elmar Honemann, Diözesanreferent für Pastoralreferenten und -referentinnen im Bistum Limburg. Neue Strukturen hätten sich noch entwickeln müssen. „Es gab etwa keinen Ausbildungsplan. Sie lernten ihren Beruf ganz praktisch in den Gemeinden.“ Honemann erklärt weiter: „Es gab anfangs viele Unklarheiten und auch Widerstände. Pfarrer und auch andere Gläubige verstanden anfangs den Sinn nicht. Heute sind Pastoralreferenten und Pastoralreferentinnen wesentliche Bestandteile des Kircheseins in Deutschland.“
"Es gab anfangs viele Unklarheiten und auch Widerstände"
Im Bistum Limburg durften pastorale Mitarbeitende viele Jahre als Pfarrbeauftragte wirken und in den Gemeinden Verantwortung übernehmen. Mit dem Prozess der Pfarreiwerdung und der neuen Struktur, die zur Zeit von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst 2011 begann, wurde die Regelung nicht weitergeführt. Es wurden neue Pfarreien gegründet, die von einem Pfarrer geleitet werden müssen. „Dies führte zu großen Enttäuschungen bei den Menschen in den Gemeinden“, sagt Honemann. In Arbeitsfeldern der kategorialen Seelsorge, etwa im Krankenhaus oder einer kirchlichen Einrichtung, können Pastoralreferenten und -referentinnen auch heute Leitungsfunktionen übernehmen.
Für Pastoralreferentin Monika Stanossek waren die ersten Jahre in ihrem Beruf sehr spannend. Es gab in der Pfarrei bereits einen Kollegen. „Wir mussten uns als Team erst finden. Es gab keine festen Rollen und Aufgabengebiete. Der Pfarrer hat mich aber sehr unterstützt. Da hatte ich Glück. Von meinem Kollegen konnte ich mir viel abschauen“, erzählt sie. Ihre gute Zeit in Frankfurt-Gallus hat Stanossek motiviert. Sie konnte sich in vielen Bereichen ausprobieren, in der Kinder- und Jugendarbeit sowie in der Katechese. Auch in die Gottesdienste brachte sie sich ein. „Ich durfte predigen. Das war einige Jahre sogar offiziell erlaubt. Wir Laien müssen uns die Freiräume nehmen, die uns zustehen“, sagt die Pastoralreferentin.
Im Laufe der Jahre sei der Beruf selbstverständlicher geworden, erzählt sie. Dennoch hänge auch heute noch viel von der Persönlichkeit des Pfarrers ab, welche Bedeutung die Berufsgruppe im Gemeindeleben hat. „Wir sind immer die Zweiten. Bei mir hat es all die Jahre gut funktioniert und ich habe mich wertgeschätzt gefühlt. Von Kollegen und Kolleginnen habe ich auch gehört, dass sie ausgestiegen sind und in der kategorialen Seelsorge arbeiten, etwa im Krankenhaus“, sagt Stanossek. Überhaupt hatte sie sich mehr erhofft, als sie in den Beruf gestartet ist. „Wir hatten gedacht, es würde sich mehr ändern, insbesondere, was die Rolle der Frau in der Kirche betrifft“, erinnert sich Stanossek.
Mehr Aufgaben, weniger Gläubige
Heute hätten die pastoralen Mitarbeitenden Herausforderungen zu meistern, die sie noch nicht kannte, als sie gestartet ist. „Es gibt immer weniger Priester. Die Teams in den Pfarreien müssen immer mehr Aufgaben meistern“, sagt sie. Es kommen weniger Menschen in den Gottesdienst und weniger engagieren sich ehrenamtlich. Der Glaube hat weniger Relevanz im Alltag. Diese Entwicklung hat sich beschleunigt, beobachtet Stanossek: „Die Arbeit der Pastoralreferenten und -referentinnen ist im Wandel. In den Gemeinden müssen neue Arbeits- und Aufgabenformen gefunden werden.“
Auch wenn nicht alles so lief, wie sie es sich erhofft hat, war der Beruf als Pastoralreferentin ihr absoluter Traumberuf, betont Stanossek. „Ich hatte Kontakt zu Menschen aus allen Milieus und jeden Alters. Die Aufgaben waren sehr vielfältig. Ich habe Einzelseelsorge gemacht, Liturgie vorbereitet und im sozialen Bereich gearbeitet. Auch wenn ich mich manchmal geärgert habe, war die Berufswahl genau richtig für mich“, sagt Stanossek.
Viele junge Menschen denken heute wie Stanossek und möchten Pastoralreferent oder -referentin werden. Es gibt noch ausreichend neue Bewerber und Bewerberinnen, erklärt der Referent für diese Berufsgruppe, Honemann. Er ist zufrieden mit dem Interesse der angehenden Studierenden. „Wir sind gut aufgestellt“, sagt er. Dennoch: Ausgehend von 2018 rechnet er bis 2030 mit einem Rückgang an Bewerbern und Bewerberinnen um 40 Prozent. Das sei jedoch nicht ganz so schlimm, da die Gruppe der Pastoralreferenten, die in Rente geht, gar nicht so groß sei, erklärt er. „Wir erleben eine normale Wellenbewegung“, sagt Honemann.
Für die Zukunft der Kirche hält Honemann den Beruf der Pastoralreferentin oder des -referenten für sehr wichtig. „Es ist eine Chance für Menschen, die nicht Priester werden möchten. Pfarreien werden in den nächsten Jahren von gemischten Teams geleitet. Vielleicht gibt es irgendwann neue Berufsgruppen, die dazukommen – nicht als Konkurrenz, sondern als Erweiterung von Seelsorge, so wie es auch für die Berufsgruppe der Pastoralreferenten damals galt und heute weiterhin gilt. Pfarreiteams sollten dafür offen bleiben“, sagt er.
Zur Sache
Die Feier des Jubiläums findet am 6. September statt. Sie soll die Vitalität des Berufsprofils ausdrücken und steht unter dem Motto: „50 Jahre Pastoralreferent*innen im Bistum Limburg – Für alles Mögliche gut?!“. Auf die Begrüßung durch Bischof Georg Bätzing folgen verschiedene Workshop-Angebote. Das Abendgebet mit der Bistumsleitung im Limburger Dom wird von Pastoralreferenten und -referentinnen gestaltet.