Von „goldener Mitte“ bis zum „Goldenen Kalb“

Goldige Redewendungen

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Goldbarren
Nachweis

Foto: jingming pan/Unsplash.com

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Gold ist nicht immer das, was glänzt.

Sich eine goldene Nase verdienen, jedes Wort auf die Goldwaage legen oder „um das Goldene Kalb tanzen“: Viele Redewendungen drehen sich um das Edelmetall. Was bedeuten sie und wo kommen sie her? Eine kleine – auch biblische – Auswahl.

 

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Dinge oder Menschen können auf den ersten Blick glänzend erscheinen, ohne wirklich wertvoll oder verlässlich zu sein. Die Redewendung warnt davor, sich nur auf den äußeren Schein zu verlassen. Sie stammt aus dem Mittelalter, als Gold für Reichtum und Beständigkeit stand. Damals wurden oft minderwertige Metalle vergoldet, um wertvoller zu wirken. 

Morgenstund hat Gold im Mund

Menschen sind morgens oft besonders produktiv. Die bekannte Redensart soll schon zwischen dem 15. und dem 16. Jahrhundert entstanden sein. Möglicherweise bezieht sie sich auf den lateinischen Satz „Aurora habet aurum in ore“, was sinngemäß bedeutet, dass der Morgen wertvoll wie Gold ist. Er bezieht sich auf Aurora, die römische Göttin der Morgenröte. Sie wird traditionell mit Gold in Kleidung und Haar abgebildet. 

Sich eine goldene Nase verdienen

Die „goldene Nase“ steht sinnbildlich für außergewöhnlichen Reichtum, den sich jemand durch geschäftlichen Erfolg oder einen finanziellen Glücksfall erarbeitet. Die Redewendung entstand im 20. Jahrhundert und bezieht sich auf den hohen Wert von Gold. 

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

Das Sprichwort drückt aus, dass Worte zwar wertvoll sein können, aber in manchen Situationen Schweigen die bessere Wahl ist. Zum Beispiel, um Konflikte zu vermeiden. Die Redewendung stammt aus der Antike und wurde in vielen Kulturen mit Weisheit und Zurückhaltung in Verbindung gebracht. Bereits in philosophischen Lehren wurde betont, dass Stille oft mehr aussagen kann als unüberlegtes Reden.

Die goldene Mitte

Die Redewendung beschreibt einen ausgewogenen, vernünftigen Weg zwischen zwei Extremen. Wer die „goldene Mitte“ findet, entscheidet sich für einen gemäßigten Ansatz, der weder übertrieben noch zu zurückhaltend ist. Der Begriff stammt aus der Antike und wurde von Aristoteles als Idealzustand beschrieben. In seiner Ethik lehrte er, dass Tugend in der Mitte zwischen zwei Extremen liegt – beispielsweise zwischen Leichtsinn und Feigheit oder zwischen Geiz und Verschwendung. 

Gold wert sein

Gold gilt seit Jahrtausenden als eines der wertvollsten Metalle. Es ist selten, beständig und begehrt, was es zu einem Symbol für höchste Wertschätzung macht. Dinge oder Menschen, die „Gold wert“ sind, besitzen demnach einen unschätzbaren Wert. 

Um das goldene Kalb tanzen

Wenn sich alles nur noch um Macht und Geld dreht, wenn Reichtum, die Gier nach Geld, der einzige Lebenszweck ist, dann bezeichnet man das manchmal als einen „Tanz um das Goldene Kalb“. Dieses Goldene Kalb spielt eine Rolle in der berühmtesten Goldgeschichte der Bibel (2. Buch Moses). Während Moses auf dem Berg Sinai mit Gott redet und die Steintafeln mit den Zehn Geboten erhält, werden seine Leute, die aus Ägypten herausgezogenen Hebräer, unten am Fuß des Berges ungeduldig. Wo bleibt der Anführer? Wann sollen sie weiterziehen, und wohin? Ein Schutzgott muss her, ein sichtbarer Retter, auf den sie sich verlassen können. Sie machen sich ein Kalb aus Gold – aus den bereitwillig gespendeten goldenen Ohrringen ihrer Frauen und Mädchen – und bringen ihm Opfer dar. 

Jedes Wort auf die Goldwaage legen

Da Gold so kostbar ist, achteten schon die Menschen in biblischen Zeiten genauestens auf dessen Gewicht. Goldwaagen waren schon damals äußerst präzise. Deshalb nutzt Weisheitslehrer Jesus Sirach diese Waagen für ein Sinnbild. Offensichtlich war er vom Geschwätz seiner Mitmenschen genervt. Ihnen schreibt er ins Stammbuch: „Du wägst dein Silber und Gold, bevor du es aufbewahrst; warum wägst du nicht auch deine Worte auf der Goldwaage?“ Der Spruch setzte sich durch und wird bis heute als Redensart gebraucht.

Gold, Weihrauch und Myrrhe

Viel tragen wollten die drei Weisen aus dem Morgenland nicht, als sie aufbrachen und dem Stern folgten. Er würde ihnen zeigen, wo der Messias geboren ist. In Betlehem angekommen, überreichen sie dem neugeborenen Jesus ihre symbolträchtigen Geschenke: Gold als Zeichen des wahren Reichtums; Weihrauch, ein weißes Baumharz, das im Jerusalemer Tempel als Rauchopfer dargebracht wurde; und Myrrhe, ein Balsam aus Baumharz, das als heiliges Salböl gilt. 

Die goldene Stadt 

Das Neue Jerusalem (oder auch Himmlisches Jerusalem), das der Visionär Johannes am Ende aller Zeiten sieht, ist aus reinem Gold errichtet. Die soll von gleißendem Licht strahlen, aus glasartigem Gold und von würfelförmiger Gestalt sein. (Neutestamentliches Buch der Offenbarung 21)

Anja Sabel