Der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz
Heiner Wilmer: Draht nach Rom
Foto: Vatican Media/Romano Siciliani/kna
Auf gute Zusammenarbeit: Papst Leo empfängt Heiner Wilmer im November 2025.
Möglichst bald will der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz nach Rom fliegen. Dort will er für einen Reformvorschlag werben: Die Bischöfe wollen, dass nicht nur Priester, sondern auch Frauen und nichtgeweihte Laien in Messen predigen dürfen. Doch das muss der Vatikan erlauben. Eine erste Bewährungsprobe für Heiner Wilmer. Denn der Hildesheimer Bischof wurde bei der Vollversammlung der Bischöfe in Würzburg wohl vor allem gewählt, um keinen neuen Streit zwischen dem Vatikan und der deutschen Kirche aufkommen zu lassen, sondern die Beziehung weiter zu beruhigen, die durch den Synodalen Weg in die Krise geraten war.
Wilmer zeigt, dass er sein Amt anders angehen will als seine Vorgänger. Sein erstes Statement nach der Wahl begann er mit einem Zitat aus dem Weihnachtsevangelium: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade.“ Er sagte, dieser Vers sei für ihn Kompass: „Gott Raum geben und gemeinsam am Frieden bauen.“ Bei konkreten Reformforderungen gab er sich zurückhaltend. Anders als Georg Bätzing, der ein Treiber des Reformprojektes Synodaler Weg war.
„Wir sitzen alle im gleichen Boot“
Die Diskussionen dieses Weges haben Spuren in der Bischofskonferenz hinterlassen. Bei der Vollversammlung predigte Kardinal Rainer Maria Woelki über die Berufung des Apostels Matthias: „Allerdings wird dann nicht einfach abgestimmt und eine potenziell unterlegene Minderheit hat sich dann dem Ergebnis der Wahl unterzuordnen.“ Das darf man als Kritik am Synodalen Weg verstehen, bei dem Woelki zur unterlegenen Minderheit gehörte.
Wilmer bemühte sich, Signale des Miteinanders zu senden. Im ZDF-Interview sagte er über seine Bischofskollegen: „Wir sitzen alle im gleichen Boot. Alle haben den großen Willen, die frohe Botschaft des Evangeliums und die Frische des Glaubens zu verkünden.“ Wilmer kennt durch seine Zeit als Generaloberer seines Ordens die römischen Gepflogenheiten. Er kennt Dorf und Metropole, katholische Volkskirche und Diaspora. Er ist intellektuell und abwägend. Deshalb hoffen die Bischöfe, dass er sie wieder stärker zusammenbringen und den Entspannungsprozess mit Rom fortsetzen kann.
Und Wilmer fängt nicht bei Null an. Denn Bätzing hat gut vorgearbeitet und den Weg zu einem konstruktiven Miteinander mit dem Vatikan gebahnt. Zwar werfen ihm Kritiker vor, einen Keil zwischen den Vatikan und die deutsche Kirche getrieben zu haben. Doch diese Kritik vernachlässigt die Entwicklung der vergangenen drei Jahre. Im November 2022 waren die deutschen Bischöfe zum Ad-limina-Besuch in Rom. Es kam zu einem Gespräch mit führenden Kardinälen über den deutschen Sonderweg.
„Wie denkwürdig war jene Begegnung mit den Spitzen der römischen Kurie, bei der viele von uns damals den Atem anhalten mussten“, erinnerte Fuldas Bischof Michael Gerber als stellvertretender Konferenz-Vorsitzender in Würzburg und lobte, Bätzing sei „wachsendes Vertrauen in der römischen Kurie gelungen“. Mit seinem Verhalten beim Synodalen Weg habe Bätzing „nicht gespalten, wie einige in diesen Tagen behaupten, sondern den gesamten Komplex zusammengehalten“.
Parallel zur Vollversammlung der Bischöfe waren die Spitzen des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) in Rom. Präsidentin Irme Stetter-Karp sagte, das Anliegen, Rom besser zu verstehen und in Rom besser verstanden zu werden, komme voran. Inzwischen unterstelle niemand im Vatikan mehr den deutschen Laien-Katholiken, dass sie die Kirche spalten wollten. Umgekehrt sei im ZdK die Erkenntnis gewachsen, dass persönliche Begegnungen in Rom oft wichtiger seien als das Verschicken von Beschlusspapieren.
Im November hatte das ZdK die Satzung für die neue Synodalkonferenz von Laien und Bischöfen verabschiedet. Das taten nun auch die Bischöfe. Auch über die Satzung wird Wilmer in Rom sprechen. Aber schon im Entstehungsprozess hatten die Bischöfe den Text mit römischen Stellen diskutiert. Es ist also davon auszugehen, dass kein Veto kommt und die Synodalkonferenz im November ihre Arbeit aufnehmen kann.
„Der Heilige Geist lebt auch im Widerspruch“
In ihr sitzen die 27 Ortsbischöfe, 27 Vertreterinnen und Vertreter des ZdK sowie weitere 27 Mitglieder, die noch benannt werden müssen. Welche Kompetenz die neue Konferenz haben wird, ist noch unklar. Die Bischöfe hoffen, dass gemeinsame Stellungnahmen zu politischen Fragen größere Schlagkraft bekommen. Aber auch um pastorale Fragen soll es gehen, sicher auch um weitere Reformen. Zudem könnte die Konferenz in Fragen der überdiözesanen Finanzen mitreden, etwa bei der Finanzierung der Hilfswerke, von Verbänden und überdiözesanen Einrichtungen.
Offen ist, ob die bisherigen Kritiker – die (Erz-)Bischöfe aus Köln, Regensburg und Passau – sich doch auf das Experiment einlassen, wenn aus Rom kein Widerstand mehr kommen sollte. Kölns Erzbischof Woelki jedenfalls sagte dem Domradio über Wilmer: „Er hat auch von mir alle Unterstützung, die ich ihm geben kann.“ Wilmer wiederum erwartet nicht, dass sich alle unterschiedlichen Auffassungen in Luft auflösen: „Der Heilige Geist lebt nicht nur im Konsens, sondern auch im Widerspruch.“