Neueste Zahlen vorgestellt
Katholische Kirche schrumpft langsamer
Foto: kna/Niklas Hesselmann
307.000 Menschen traten im vergangenen Jahr aus der katholischen Kirche aus.
Rund 36,6 Millionen Menschen in Deutschland gehören einer der beiden großen Kirchen an. Das sind knapp 44 Prozent der Gesamtbevölkerung, wie aus den am Montag vorgestellten Statistiken der katholischen und evangelischen Kirche für Ende 2025 hervorgeht. Im Jahr zuvor waren es noch 37,75 Millionen und 45,2 Prozent.
Nicht erfasst bei den zum Teil noch vorläufigen Zahlen sind Christen, die orthodoxen oder freikirchlichen Gemeinden angehören. Laut Bundesinnenministerium waren dies 2023 rund 3,85 sowie knapp 0,9 Millionen.
Der neue Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, sprach mit Bedauern von einer hohen Zahl an Austritten: "Jeder Kirchenaustritt schmerzt." In der katholischen Kirche ging die Zahl der Austritte von gut 321.000 auf rund 307.000 zurück, in der evangelischen Kirche blieb sie mit etwa 350.000 nahezu konstant.
Insgesamt - also mit Blick auf Austritte, Todesfälle, Eintritte und Taufen - ging die Zahl der Katholiken um knapp 550.000 auf rund 19,2 Millionen zurück (minus 2,8 Prozent), das sind 23 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Mitgliederzahl der 20 evangelischen Landeskirchen ging um rund 580.000 auf 17,4 Millionen zurück (minus 3,2 Prozent) und somit auf 20,8 Prozent der Gesamtbevölkerung.
Taufen, Hochzeiten, Bestattungen
Ein leichten Anstieg gab es erneut bei den Eintritten in die katholische Kirche: 2.269 Menschen kamen neu hinzu (2024: 1.839), 5.443 wurden wieder aufgenommen (2024: 4.743). Die evangelische Kirche verzeichnete rund 16.000 Aufnahmen, ohne dies näher aufzuschlüsseln.
Während andere Länder wie etwa Frankreich und Belgien von steigenden Taufbewerberzahlen berichten, ist dieser Trend in Deutschland bisher nicht zu beobachten: In der katholischen Kirche ging die Zahl der Taufen zurück von gut 116.000 auf 109.000, in der evangelischen Kirche von 110.000 auf 105.000.
Darüber hinaus gab es mit knapp 19.500 auch weniger katholische Trauungen (2024: 22.500); auch die Zahl der Bestattungen ging zurück von 213.000 auf 203.500. Stabil blieben die Zahlen bei der Erstkommunion mit 152.350 (2024: 151.700) und der Firmung mit 105.300 (2024: 105.000). Dagegen stieg erneut der Gottesdienstbesuch von 6,6 auf 6,8 Prozent: 1,3 Millionen Katholikinnen und Katholiken besuchten im Schnitt am Wochenende einen Gottesdienst.
Wilmer: Kopf nicht in den Sand stecken
Bischof Wilmer dankte allen Ehrenamtlichen für ihre Arbeit. "Es sind rund 600.000, die dafür sorgen, dass Kirche mit ihren vielfältigen Angeboten überhaupt erst in der Gesellschaft ermöglicht wird. Trotz aller Umbrüche ermutige ich dazu, dass wir den Kopf nicht in den Sand stecken, sondern nach vorne schauen und gemeinsam - auch in ökumenischer Verbundenheit - nach Wegen suchen, wie Christsein heute in der Gesellschaft zu größerer Akzeptanz führen kann."
Wilmer zeigte sich auch dankbar für die Arbeit der Hauptamtlichen und die Seelsorge. "Es ist ein schönes Zeichen, dass der Gottesdienstbesuch erneut ganz leicht steigend Zuspruch findet. Und ich empfinde es als positives Zeichen, dass die Zahlen von Erstkommunion und Firmung stabil geblieben sind."
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) verwies darauf, dass kirchliche Angebote für viele Menschen weiterhin wichtig seien - etwa Gottesdienste, Seelsorge oder soziale Einrichtungen. Bundesweit engagierten sich Kirche und Diakonie unter anderem in Kindertagesstätten, Schulen und Beratungsstellen. Die Zahl der evangelischen Kita-Plätze sei zuletzt leicht gestiegen und habe 2025 bei rund 465.700 gelegen.
Mit Blick auf die Zukunft setzt die Kirche nach eigenen Angaben verstärkt auf neue Wege, Menschen mit dem christlichen Glauben in Kontakt zu bringen. Da immer weniger junge Menschen über ihr Elternhaus Zugang zu Kirche und Religion fänden, gewännen Glaubenskurse sowie Angebote für Erwachsene zunehmend an Bedeutung, so die EKD. Diese richteten sich sowohl an Getaufte als auch an Menschen ohne kirchliche Bindung.