Pilgern im Norden
Kirche wächst unterwegs
Foto: Ralf Adloff
Gemeinsam auf dem Weg: In den Sommermonaten laden Wallfahrten und Pilgerwege im Erzbistum ein, neue Glaubenserfahrungen zu machen, wie hier bei der Wallfahrt zum Ansveruskreuz.
„Wo wir gemeinsam unterwegs sind, wächst Kirche, dort wird Glaube erfahrbar, und dort schenkt Gott uns neuen Mut“, schreibt Erzbischof Stefan Heße in seiner Einladung zu den Pilgerwegen nach Lübeck vom 24. bis 27. Juni 2026. Vor drei Jahren hatte der Erzbischof mit den Pilgerwegen, mit denen an die Lübecker Märtyrer erinnert wird, eine neue Tradition angestoßen. „Gerade bei uns im Norden, wo wir nicht auf eine lange Pilgertradition zurückblicken können, sind die unterschiedlichen Pilgerangebote wichtig, um neue Glaubenserfahrungen zu ermöglichen“, sagt Claus Everdiking, der verantwortlich für die Planung der Lübecker Pilgerwege ist.
Im vergangenen Jahr machten sich viele Pilgernde auf den Weg nach Lübeck. Und die Möglichkeiten des Pilgerns waren vielfältig, ob zu Fuß, mit den Fahrrad oder mit dem Zug. Auch in diesem Jahr sind Pfarreien, Gemeinden, Verbände und Gruppierungen wieder herzlich eingeladen, sich an den zentralen Pilgerangeboten zu beteiligen oder sich eigenständig auf den Weg nach Lübeck zu machen.
Neue Wallfahrtsorte und Pilgerwege im Norden
Dass das Pilgern heute einen so großen Stellenwert bei vielen Katholiken im Norden einnimmt, ist nicht selbstverständlich, denn dem Gebiet des heutigen Erzbistums war es nicht möglich, an vorreformatorische Wallfahrtsorte anzuknüpfen. Doch das hielt die Katholiken nicht vom Pilgern ab und sie schufen neue Pilgerwege und Wallfahrtsorte. So wurde nach dem Zweiten Weltkrieg am Grab des heiligen Märtyrers Ansverus bei Ratzeburg eine jährliche Wallfahrt initiiert, in Mecklenburg pilgerten die Gläubigen 1948 erstmals zum Doberaner Münster und später kamen weitere Wallfahrtsorte in den damaligen Dekanaten hinzu. Heute gibt es in den Sommermonaten in allen Regionen des Erzbistums zahlreiche Wallfahrten und Pilgerwege.
Und immer wieder kommen neue Angebote hinzu. In diesem Jahr wird es erstmals einen Ansgar-Pilgertag zum Jubiläum „Ansgar 2026“ geben. Anlass ist der 1200. Jahrestag der ersten Missionsreise des späteren heiligen Ansgar nach Norden. Gläubige aus allen katholischen Kirchengemeinden Schleswig-Holsteins treffen sich an der Ansgar-Memoria in Haddeby, um von hier aus gemeinsam den Ansgarweg zu gehen. Zur Mittagszeit findet ein gemeinsames Picknick auf der Wiese vor der Ansgar-Memoria statt. Der Tag endet mit einem Festgottesdienst im Schleswiger Dom.
Für viele Menschen im Erzbistum gehört heute das Pilgern zu ihrem Glaubensleben selbstverständlich dazu. So wie für Alexandra Avermiddig, die gerade ihre Weiterqualifizierung zur Pilgerbegleiterin beendet hat. „Pilgern im Norden, das bedeutet für mich auch Weite und Ruhe, denn die Wege sind hier längst nicht so überlaufen wie etwa der Jakobsweg rund um Santiago de Compostela“, sagt die Gemeindereferentin und Referentin in der Abteilung Kitas.
Alexandra Avermiddig bietet im Erzbistum vor allem Tagespilgertouren an wie das „Pilgern am Meer“ rund um Travemünde für Kitaleitungen, das „Stadtpilgern“ in Hamburg für Kitateams oder am 20. Juni ein „Mittsommernachtspilgern“ in Wacken für Gruppen und Einzelpersonen. „Gerade für Teams kann Pilgern sehr bereichernd sein. Etwas Neues zu sehen und dabei mit anderen in Bewegung zu sein, über andere Themen zu sprechen oder einfach mal zu schweigen“, erklärt die Pilgerbegleiterin.
Privat zieht es sie zum Pilgern noch weiter nordwärts. „Ich bin den Olavsweg von Oslo bis Lillehammer gelaufen und möchte ihn dieses Jahr von Lillehammer bis Trondheim zu Ende gehen, das sind etwa 450 Kilometer. Die Landschaft ist wunderschön und die Menschen sind sehr gastfreundlich“, so Alexandra Avermiddig. Doch ob nun in Norwegen oder im Erzbistum, eines ist für Alexandra Avermiddig beim Pilgern immer wichtig: „Beim Wandern ist das Ziel das Ziel. Beim Pilgern ist der Weg das Ziel.“
Termine für Pilgerwege und Wallfahrten 2026
21. Juni: Dreilützow – in den Walddom am Schloss Dreilützow
24. bis 27. Juni: Lübeck – Pilgerwege Lübeck
28. Juni: Teterow
29. August: Haddeby – Ansgar-Pilgerfahrt
6. September: Bad Doberan zum Münster
13. September: Ratzeburg – Ansveruswallfahrt
Pilgerwege im Norden
Wer allein oder in Gruppen pilgern möchte, dem bietet der Norden viele Möglichkeiten. Der Jakobsweg „Via Jutlandica“ startet in Deutschland bei Flensburg und führt nach Glückstadt, die „Via Scandinavica“ über Fehmarn in die Holsteinische Schweiz und weiter nach Lübeck. Von Bad Bramstedt aus führt die „Via Baltica“, von Estland und Polen kommend, über Usedom, zu den Hansestädten Rostock, Wismar, Lübeck und Hamburg.
Der „Mönchsweg“ verbindet Skandinavien mit Holstein, Niedersachsen und Bremen und ist ein Radpilgerweg. Der Pilgerweg „Mecklenburgische Seen“ bietet verschiedene Teilrouten an. Auf der Insel Rügen ist ein Netz an Pilgerwegen entstanden. Dort lädt der „Birgittenweg“ ein, auf den Spuren der Pilgerheiligen Birgitta von Schweden zu wandeln. Über den „Baltisch-Mitteldeutschen Weg“ erreicht man den ehemaligen Pilgerort Bad Wilsnack.
Das Pilgerkloster Tempzin ist eine historische Klosteranlage und war wichtiger Wallfahrtsort und Station auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Das Pilgerzentrum bietet regelmäßig ökumenische Pilgerwanderungen an. Der „Große Pilgerweg“ findet vom 24. Juli bis 2. August statt, beim „Kleeblatt-Pilgern" vom 25. bis 30. August kehren die Pilger jeden Abend ins Pilger-Kloster Tempzin zurück.
Infos: www.pilger-im-norden.de