Nachruf
Vier Glasen für Winky Will
Foto: Marco Heinen
Die Hornblower sangen „Rolling Home“ und „Sailor’s Farewell“ für Günter Will.
Bei der Marine gibt es die Nachrichtenübermittlung mittels Flaggen. Die Flaggenschwenker heißen Winker. Günter Will, den alle in der Gemeinde Tarp einfach Winky oder Winky Will nannten, war mal so einer. Seine Militärlaufbahn beendete er als Kapitänleutnant. Am 6. September starb er im Alter von 85 Jahren in Lütjenburg, wohin er erst im Frühjahr mit seiner Frau gezogen war. Am 25. Oktober sind es fast 100 Menschen, die Winky Will im ihm gewidmeten Gottesdienst ein letztes Adieu sagen wollen – für all das, was er in den Gremien und weit darüber hinaus für die Gemeinde getan hat. Die beiden Messdienerinnen, Schwestern Anfang 30, gehören zu den Jüngsten im Raum. Sie sind von Kiel und Schafflund gekommen, zögerten nicht, nach Jahren erstmals wieder Dienst am Altar zu tun. Weil Winky Will immer gut zu Kindern und Jugendlichen war.
Der „rheinische Katholik“ kam Mitte der 1960er Jahre ins schleswig-holsteinische Tarp, als dort noch viele Soldaten mit ihren Familien lebten. St. Martin war eine reine Garnisonskirche. Den Bundeswehrstandort gibt es nicht mehr. Die Kirchengemeinde wird älter, schrumpft. Mehr als zwei Dutzend Menschen kommen selten zur Vorabendmesse. Überlegungen, die Kirche aufzugeben und künftig in der evangelischen Kirche weiterzumachen, werden breit unterstützt, sagt der Gottesdienstbeauftragte Günter Schlink. Er ist jetzt der Aktivposten der Gemeinde und auch schon älter.
Winky Wills für diesen Tag geplante Seebestattung wurde wegen Sturms verschoben, wie Angehörige sagen. Sie fuhren noch schnell nach Tarp rüber, sind überrascht, welche Rolle er dort spielte. Aber Winky hat „auch nie ‘von Reklame gemacht“, so Schlink. Pastor Lech Rybak, seit wenigen Jahren in der Pfarrei, sagt später, er habe viel Neues über den freundlichen Herrn, der immer am Rand der zweiten Reihe saß, gelernt.
Von einem „guten Kameraden“ spricht Peter Nommensen vom Shanty-Chor. Winky war Gründungsmitglied; der Chor singt nun für ihn. Am Schluss wird viermal geglast; vier Glockenschläge, die auf Schiffen den Wachwechsel ankündigen. Alle beschreiben Winky als Macher, der alles mögliche organisierte, Reisen, Ausflüge. Wenn Not am Mann war, immer war Winky auch finanziell großzügig, sagen sie. Nur viel Aufhebens davon, das hat er nie gemacht. Cilli Bohr-Bandel kannte ihn 40 Jahre. Sie und ihr Mann saßen oft mit Wills nach der Messe in der von Winky initiierten „St. Martin’s Klause“ neben der Sakristei. „Er war sehr beliebt, das muss man sagen. Er fehlt uns überall.“
Drei Reden von Weggefährten: von Günter Schlink, von Günter Thye, der Winky durch die Militärseelsorge verbunden war, und von Gerhard Beuck von der Europa-Union, einem Bürgerbündnis für Europa. Bei der Städtepartnerschaft Tarps mit Otepää in Estland war Winky Will treibende Kraft. Drei Skizzen eines Engagierten mit dem Herz am rechten Fleck. In der Klause fragt Cilli später mit traurigen Augen, wann der Artikel erscheint. Sie weiß, alles hat seine Zeit. Nur der Herrgott weiß, wann sie gekommen ist.