Bibliothek des Klosters St. Marienstern

Einzigartiges Gedächtnis eines Frauenklosters

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Ein Mann erklärt eine farbprächtige Handschrift aus der Klosterbibliothek in St. Marienstern
Nachweis

Fotos: Rafael Ledschbor

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Christoph Mackert, Leiter des Handschriftenzentrums der Universitätsbibliothek Leipzig erläutert Merkmale einer farbprächtigen Handschrift aus der Klosterbibliothek in St. Marienstern.

Sie stehen noch am Anfang und freuen sich über einen vollständig erhaltenen Bestand: Wissenschaftler haben erste Forschungsergebnisse zur fast 800 Jahre alten Bibliothek des Klosters St. Marienstern bei Kamenz vorgestellt.

„Die Bibliothek von St. Marienstern ist ein Ausnahmeort“, erklärte Christoph Mackert, Leiter des Handschriftenzentrums der Leipziger Universitätsbibliothek. Er betonte, dass keine andere mittelalterliche Frauenklosterbibliothek in Deutschland so vollständig erhalten sei wie in Panschwitz-Kuckau: Seit fast 800 Jahren werden hier Handschriften und Archivalien am selben Ort gesammelt und bewahrt – eine einzigartige Quelle für die Klostergeschichte.

Vorher hatte das Wissenschaftler-Team aus Leipzig und Dresden bereits einzelne Handschriften aus dem Kloster St. Marienthal erschlossen. Jana Kocourek von der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek erläuterte, dass neben bibliografischen Daten auch Besitzvermerke erfasst werden. Sie liefern neue Einblicke in Buchzirkulation und Netzwerke der Zisterzienserklöster. In St. Marienstern sollen nun rund 100 Handschriften, Bücher, Urkunden und Briefe erstmals ausgewertet werden, um die Vernetzung mit anderen Klöstern und gesellschaftlichen Kreisen zu rekonstruieren.

Felix Schulze vom Handschriftenzentrum Leipzig untersucht den mittelalterlichen Bestand in der Klosterbibliothek mithilfe paläographischer Analysen. Dabei identifizierte er Arnold von Meißen, Kanoniker am Domstift, als Schreiber mehrerer liturgischer Bücher im 13. Jahrhundert. Seine charakteristische Handschrift findet sich auch in der Gründungsurkunde und weiteren frühen Texten. Besonders hob Schulze ein kunstvoll gestaltetes Lektionar um 1260 hervor mit einem Hinweis auf die zweite Äbtissin Agnes von Kamenz.

ein sehr altes Buch aus einer Klosterbibliothek

Die Handschriften aus St. Marienstern glänzen durch eine ungewöhnlich reiche Ausstattung – mit farbintensiven, textilartig anmutenden Ornamenten, expressiver Bildsprache und teils androgynen Figuren, erläutert Matthias Eifler vom Handschriftenzentrum. Beispiel ist das Prozessionalium von 1469 mit Besitzerinnenporträt und Nennung des Schreibers Johannes Beyer aus Bischofswerda.

Urkunden sind zentrale Quellen für die frühe Entwicklung und rechtliche Absicherung von Klöstern, betonte Victoria Smirnova von der Forschungsstelle für Vergleichende Ordensgeschichte an der TU Dresden. Sie belegen die enge schriftliche und wirtschaftliche Verflechtung vieler Frauen- mit Männerklöster.

Die Handschriften aus St. Marienstern offenbaren ein enges Zusammenspiel von Frömmigkeit, Kunst und klösterlichem Leben, sagt Christoph Mackert. Namen von Schreibern und Besitzvermerke machen Personen und Strukturen sichtbar, die sonst kaum greifbar wären. Das Kloster erscheint damit nicht nur als spirituelles Zentrum, sondern auch als Ort aktiver Kultur- und Wissensproduktion.

Äbtissin Gabriela Hess freut sich bereits auf weitere Ergebnisse, weil so auch die Geschichte der Bibliothek weiter erschlossen werde, und versprach weitere Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern.

// Maria Suchy