Altbischof Leo Nowak feiert 95. Geburtstag

Das Bistum feiert Bischof Leo

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Altbischof Leo Nowak und Bischof Gerhard Feige
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Fotos Oliver Gierens

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Der ehemalige und der aktuelle Bischof gemeinsam am Altar: Altbischof Leo Nowak (rechts) und Bischof Gerhard Feige.

Zweimal volles Haus: Altbischof Leo Nowak hat seinen 95. Geburtstag gefeiert – das sorgte für eine volle Kathedrale und einen gut besuchten Empfang. Ministerpräsident Reiner Haseloff blickte schon auf das nächste Jubiläum.

Es muss schon ein besonderer Geburtstag sein, wenn Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Magdeburgs Ex-Oberbürgermeister Willi Polte (SPD) persönlich gratulieren. Beide gehörten zu den Ehrengästen beim Festgottesdienst in der Kathedrale St. Sebastian und beim anschließenden Empfang, mit denen das Bistum den 95. Geburtstag von Altbischof Leo Nowak gefeiert hat. 14 Jahre stand er zunächst dem Bischöflichen Amt, dann ab 1994 dem Bistum Magdeburg vor. Seit 2004 ist er im Ruhestand, doch dieser Begriff will nicht so recht auf ihn passen. Er hilft seitdem nicht nur im Bistum aus, wenn er gerufen wird, auch ist er Autor mehrerer Bücher, darunter „Un-ausrottbar. Das Prinzip Hoffnung für Christen & Nichtchristen“.

Ehrennadel Übergabe
Ministerpräsident Reiner Haseloff (rechts) verlieh dem Altbischof die Ehrennadel des Landes Sachsen-Anhalt.

„Zielvereinbarung“ 100. Geburtstag

Diesem Prinzip offenbar folgend, forderte Haseloff vom Altbischof augenzwinkernd eine „Zielvereinbarung“ ein. Die Urkunde für seinen 100. Geburtstag habe er schon vorbereitet, sagte Haseloff. Und er wolle sie ihm persönlich überbringen. „Bis 109 Jahre sind wir bei den Gratulationen schon gekommen, da ist noch Luft nach oben“, meinte der Regierungschef. Und er erwähnte die Kurse für Paare der internationalen christlichen Gemeinschaft „Marriage Encounter“, die Bischof Nowak in den 1980er Jahren auch im heutigen Bistum Magdeburg eingeführt habe. „Meine Frau und ich leben heute im Wesentlichen immer noch danach“, verriet Haseloff.
Der Ministerpräsident ging auch auf die aktuelle politische Situation ein. „Wir brauchen den Segen der Bischöfe, damit es friedlich weitergeht in unserem Land“, betonte er. Schließlich habe der Altbischof die Chance, dafür in seinem Ruhestand noch deutlicher und länger zu beten. Da dieser bereits fast alle Auszeichnungen des Landes „abgeräumt“ habe, wie Haseloff ironisch bemerkte, bliebe nur noch ein Preis übrig: die Ehrennadel des Landes Sachsen-Anhalt, die er dem Altbischof überreichte.

Blumenübergabe Bischof Leo
Blumen zum Geburtstag gab es nach dem Gottesdienst.

Vorreiter in Ökumene und Laienbeteiligung

Auch weitere Redner würdigten das Wirken Nowaks als erster Magdeburger Bischof nach der Reformation. Der Vorsitzende des Arbeitskreises christlicher Kirchen (ACK) in Sachsen-Anhalt, Jürgen Dittrich, hob seine Verdienste in der Ökumene hervor. Diese habe er in die Gemeinden getragen. „Sein Herz hat immer gebrannt für diese persönliche Begegnung“, sagte Dittrich.
Magdeburgs Ex-OB Polte würdigte Nowaks Unterstützung bei der Überwindung der SED-Diktatur, während Uta Stumpe vom Vorstand des Katholikenrats, der obersten Laienvertretung im Bistum, daran erinnerte, wie der Altbischof unter anderem beim „Pastoralen Zukunftsgespräch“ die Rolle der Laien gestärkt habe. „Was alle angeht, erfordert die Beteiligung aller“, habe Nowak damals gesagt. Das sei ein „geradezu prophetischer Ansatz“ auch für den heutigen „Synodalen Weg“ gewesen. Ebenso würdigte Stumpe, die selbst Lehrerin am Elisabeth-Gymnasium in Halle ist, die Gründung katholischer Schulen durch den Altbischof.
Dass er auch im vorgerückten Alter immer noch fit ist, führt das Geburtstagskind selbst auf eine Gottesgabe zurück. „Die Dinge, die uns mit großer Freude erfüllen, sind zumeist geschenkt“, sagte er in seiner Ansprache. „Wenn andere uns lieben, Vertrauen schenken, uns gut sind trotz unserer Eigenarten und Schwächen, dann müssen wir ehrlich gestehen: Das alles ist nicht unser eigener Verdienst, sondern eine Gabe und wenn wir so wollen: Ein Geschenk des Himmels!“ Sein Nachfolger und heutiger Bischof Gerhard Feige sieht noch einen anderen Grund. Er zitierte den evangelischen Theologen Albert Schweitzer, der einmal gesagt hat: „Du bist so jung wie deine Zuversicht, so alt wie deine Zweifel, so jung wie deine Hoffnung, so alt wie deine Verzagtheit.“ Dies erkläre seine geistige Frische und seinen Humor, sagte Feige.

Der Glaube überdauert alle Brüche

Bischof Nowak blickt zurück auf ein Leben, das durch viele gesellschaftliche Brüche, aber auch eine große Kontinuität gekennzeichnet war: seinen christlichen Glauben. Der Geehrte selbst machte dies in seiner Ansprache deutlich: Gerade 16 alt war er, als nach dem Zweiten Weltkrieg seine Heimatstadt Magdeburg in Trümmern lag. Auf die braune folgte die rote Diktatur mit ihrer betonten Gottlosigkeit. „Diese Erfahrung war ein Grund für mich, Priester zu werden“, erinnert sich Nowak. Seine Weihe empfing er 1956, war anschließend 16 Jahre Seelsorger an verschiedenen Orten, zum Teil mit regionalen Zusatzaufgaben, drei Jahre Referent für die Erwachsenenseelsorge und 15 Jahre als Leiter des Seelsorgeamtes, bis er zum Bischof ernannt wurde.
Doch auch die freie und demokratische Bundesrepublik sei nicht immer das Gelbe vom Ei, stellte Nowak fest. „Es gab und gibt wohl auch künftig keine vollkommene Welt“, so sein Fazit. Das, so machte er deutlich, sei aber kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen: „Vieles können wir ändern und besser machen“, rief er seinen Geburtstagsgästen zu. Schließlich seien Glaube, Hoffnung und Liebe die Markenzeichen christlichen Lebens. Die Kirche bekenne sich zu einer Art trotzigem Glauben, wenn es heißt: „Die Leiden dieser Zeit sind nicht zu vergleichen mit der künftigen Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll (Röm 8,18).“
Wer daran glaube, werde sich mit einer umwerfenden Hoffnung dafür einsetzen, dass wir nicht mit unserer Kunst am Ende seien, sagte Bischof Nowak: „Wir haben eine Botschaft, die auch dann bleibt, wenn unsere eigenen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.“ Dieser Glaube sei wie Balsam und Hoffnung für unsere schrecklich schöne Welt. „Und wenn Sie mich fragen“, so der Altbischof abschließend, „ich habe in meinen 95 Jahren keine bessere Nachricht gefunden.“

Oliver Gierens