Anstoß 12/2026
Herzensdurst
Pastoralreferentin in Berlin
Die REFO wird von einer Gemeinschaft von etwa 60 Personen getragen, die gemeinsam als Kirche im Kiez nachhaltig Beziehung leben und den Kirchenraum für alle im Kiez öffnen. Der REFO Campus wird so seit 2011 neu belebt.
Heute sind wir eingeladen, von unserer pastoralen Praxis in fast 33 Jahren Seelsorge im sozialen Brennpunkt Nord-Neukölln zu erzählen. Das Motto der Tagung: „Gebet und Erblühen“. Die Atmosphäre in der Runde von etwa 30 Pastoren und Pastorinnen ist offen und sprüht vor Neugier. Sie wollen hören, was sich im Laufe so vieler Jahren an pastoralen Prioritäten entwickelt hat. Worauf kommt es an? Kalle und ich schmunzeln und bekennen heiter: „Wir sind katholisch. Und wir sind mit dem Heiligen Geist unterwegs.“ Die evangelischen und freikirchlichen Kollegen klatschen spontan Beifall. Sie lachen. Diese Kombi verbinden sie nicht gleich mit ihrer Vorstellung von „katholisch“. Es tut mir so gut, Hunger und Durst nach der Füllung mit Heiligem Geist, der Liebe ist und neues Leben bringt, kollegial zu teilen. Wie geht das, im Vertrauen auf die Liebe Gottes zu leben? Wie kann die Frohe Botschaft heute authentisch – mit Hand und Herz – in die Welt getragen werden?
Herrlich, dieses Drängeln am Herzen zu spüren, die Frohe Botschaft an andere weiterzugeben. Wie wunderschön, Erfahrungen miteinander zu teilen. Getrud von Helfta, eine der herausragendsten Frauen des Mittelalters, erlebte einen „Herzensdurst“ in ihrer Liebe zu Gott. Sie schreibt: „Du bist mein Herzensdurst. Du bist die völlige Sättigung meines Geistes. Je mehr ich dich trinke, um so mehr dürstet mich.“