Anstoß 08/2026
Jede Kniebeuge ein kleines Ostern
Pressereferentin Bistum Erfurt
Die Kniebeuge, bevor ich mich in die Kirchenbank setze, war einmal ein schneller Akt. Zack runter und in der gleichen Geschwindigkeit wieder hoch. Nun geschehen meine Kniebeugen spürbar bedächtiger und nicht selten mit der bangen Frage, wann ich wieder oben bin.
Als Bischof Ulrich Neymeyr vor wenigen Wochen in einer Predigt auch von der Kniebeuge sprach, war ich sofort im Thema. Jenseits der physischen Fakten eröffnete er mir einen neuen Blick. „Der wichtigste Moment der Kniebeuge ist nicht das Absinken, sondern der Weg zurück nach oben. Es ist ein kleiner, alltäglicher Sieg über die Schwerkraft. Jede Kniebeuge ist eine Miniatur der Auferstehung.“ Das mit der Schwerkraft ist mir nur allzu gut bekannt; jede Kniebeuge als ein kleines Ostern zu sehen, eine neue Perspektive.
Auch wenn ich mich nach einer Kniebeuge wieder allein hochhieven muss, im übertragenen Sinn muss ich es nicht. Das Schwere, Belastende ist manchmal sehr niederdrückend. Das zu bewältigen und es aus eigener Kraft zu schaffen, unmöglich. „Das ist das christliche Versprechen: Wir dürfen fallen, wir dürfen gebeugt sein, aber wir sind dazu berufen, wieder aufzustehen“, heißt es in der genannten Predigt. Mit Gottes Hilfe. Auch das immer wieder ein kleines Ostern.