Gemeindezusammenlegungen im Bistum Görlitz

Veränderung kann auch heilsam sein

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Bild der barocken Stiftskirche St. Marien in Neuzelle
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Foto: Michael Burkner

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Die barocke Stiftskirche St. Marien ist Zentrum der Pfarrei Neuzelle.

Seit ihrer Rückkehr nach Brandenburg betreuen Zisterzienser die Pfarrei Neuzelle. Die Neustrukturierung der Gemeinden betrifft auch die Gläubigen im hohen Görlitzer Bistumsnorden. Diakon Markus Michael Riccabona gibt einen Überblick über die Situation.

barocke Stiftskirche St. Marien in NeuzelleGut sichtbar thront die Stiftskirche von Neuzelle über der Oderniederung  und lässt so keinen Zweifel daran, dass sie seit Jahrhunderten das katholische Zentrum der Region ist. Bis 1817 bestand hier eine Zisterzienserabtei. Später betreute der Neuzeller Pfarrer die Diaspora-Katholiken der Umgebung. In der DDR wurden hier Priester ausgebildet. 2018 kehrte der Zisterzienserorden nach Neuzelle zurück, als Mönche aus dem österreichischen Stift Heiligenkreuz ein Priorat errichteten. Zukünftig wird von Neuzelle aus erneut eine große Fläche seelsorglich betreut werden. Denn der „Plan 2030“ sieht Gemeindezusammenlegungen im ganzen Bistum Görlitz vor.

Gegenwärtig gehören sieben Zisterzienser zum Kloster Neuzelle. Sie leben im eigentlich viel zu kleinen Pfarrhaus und möchten im kommenden Jahr auf den Bernhardshof im Ortsteil Treppeln umziehen. Die Pfarrseelsorge leitet Pater Isaak Maria Käfferlein. Pater Konrad Ludwig ist Pfarrvikar und Pater Malachias Hirning Wallfahrtsseelsorger. „Wir hoffen, dass wir in einem Jahr weitere Verstärkung aus Heiligenkreuz bekommen“, sagt Markus Michael Riccabona mit Blick auf die wachsenden Aufgaben. Der Diakon folgte den Zisterziensern 2019 aus Österreich nach Brandenburg und arbeitet hauptamtlich in Pfarrei und Kloster.

Eisenhüttenstadt & Guben – alte und neue Filiale

Eisenhüttenstadt ist den Zisterziensern bereits gut bekannt, gehört die Stadt mit bisher zwei Kirchen doch seit 2019 zur Pfarrei Neuzelle. Die Kirche Heilig Kreuz im Stadtteil Schönfließ wurde am 19. Juni von Bischof Wolfgang Ipolt profaniert. „Eisenhüttenstadt erlebte in den vergangenen Jahren eine starke Abwanderung und hat die Hälfte seiner Einwohner verloren. Viele junge Familien sind weggezogen“, erklärt Riccabona. Zuletzt seien in Schönfließ drei bis sechs Gläubige zur wöchentlichen Werktagsmesse gekommen. Zudem hätte die Kirche generalsaniert werden müssen. Beim letzten Gottesdienst hätten die Schönfließer trotz großer Traurigkeit Verständnis für die Profanierung gezeigt. „Der Abschied war nachvollziehbar und kam nicht aus heiterem Himmel“, sagt Riccabona. Das benachbarte Wohnheim St. Martin für Menschen mit Behinderung prüfe nun eine künftige Nutzung des Gebäudes. Den etwa vierhundert Katholiken von Eisenhüttenstadt bleibt die Kirche Herz Jesu, in der jeden Samstag der Vorabendgottesdienst gefeiert wird.

Diakon Riccabona selbst ist vor allem in Guben tätig. Seit Arthur Żuk im Herbst als letzter Pfarrer die Stadt verlassen hat, ist er der Seelsorger vor Ort und leitet Andachten, Wort-Gottes-Feiern, Katechesen und das Gemeindebüro. Ruhestandspriester Uwe Aschenbrenner unterstützt ihn dabei. „Die Gemeinde wurde schon lange auf die Veränderung vorbereitet“, sagt Riccabona. Während etwa die Sakramentenvorbereitung künftig in Neuzelle stattfinden wird, möchte Riccabona den Religionsunterricht weiter in Guben anbieten. „Wir müssen wegkommen von der Versorgungskirche“, sagt er. Kreuzwegandachten und den Rosenkranz könnten auch Gläubige leiten. Mit den polnischsprachigen Katholiken, die in der Grenzstadt etwa die Hälfte der rund 1500 Gemeindemitglieder ausmachen, sollen zukünftig alle zwei Monate deutsch-polnische Gottesdienste gefeiert werden. „Bei der Erstkommunion haben wir damit gute Erfahrungen gemacht und hoffen, die polnischsprachigen Gubener so in die Gemeinde integrieren zu können“, sagt Riccabona.

Gottesdienst zur Profanierung der Kirche Heilig Kreuz in Schönfließ
Viele Schönfließer sind zum Profanierungsgottesdienst der Kirche Heilig Kreuz gekommen.
Foto: Pfarrei Neuzelle

Beeskow – zukünftige Filiale

35 Kilometer westlich von Neuzelle liegt Beeskow. Noch lebt hier Pfarrer Hans Geisler und leitet trotz Ruhestandsalter die Gemeinde mit ihren etwa 650 Katholiken. „Priester sein ist kein Job, sondern eine Berufung. Wenn es gesundheitlich möglich ist, bleibe ich, bis ich 75 bin“, erklärt er. Danach soll auch Beeskow Teil der Pfarrei Neuzelle werden. „Die Gläubigen wissen, dass es zu tiefen Veränderungen kommen wird. Ich erlebe aber keinen Ansturm oder Protest“, sagt Geisler. Sorge bereite ihm aber die Zukunft der kleinen Filialkirche St. Maria in Storkow-Hubertushöhe. 1998 am Ufer des Storkower Sees in Form eines Fisches gebaut, sei sie „Anziehungspunkt“ und „touristischer Magnet“. „Wir bekommen positive Resonanz, auch von Menschen, die nicht gläubig sind, aber die Stille des Ortes schätzen“, erzählt Geisler. Doch 60 Kilometer von Neuzelle entfernt, werden regelmäßige Gottesdienste schwierig werden. „Vielleicht hat die Kirche keine langfristige Zukunft. Aber es wäre schade um diesen Raum der Stille“, findet Geisler.

Porträtbild von Diakon Markus Michael Riccabona
Diakon Markus Michael Riccabona

Gemeindezusammenlegung – ein heilsamer Umzug

Diakon Riccabona hat in den vergangenen Jahren Erfahrung mit Gemeindezusammenlegungen gemacht. Was würde er anderen in ähnlicher Situation raten? „Ganz wichtig ist es, früh mit gemeinsamen Treffen der Gremien und der Gläubigen zu beginnen und klar zu kommunizieren, was wann sein wird“, sagt er und sieht dabei auch etwas Positives: „Es ist ein bisschen wie bei einem Umzug. Man muss ausmisten und überlegen: Was hat sich überlebt? Was läuft in der anderen Teilgemeinde besser? Und was können wir zukünftig gemeinsam machen? Diese Fragen können auch heilsam sein.“

Michael Burkner