Glaubens- und Taufkurs
Die Tür steht offen
Fotos: Markus Bien
Noch ein letztes Mal trafen sich in der Leipziger Propstei einige der Frauen und Männer, die sich in den vergangenen zehn Monaten beim ersten dekanatsweiten Glaubenskurs auf Taufe, Firmung, Erstkommunion oder Konversion vorbereitet hatten.
„Ihr kennt uns nun. Sprecht uns immer an, wenn Ihr Fragen habt.“ Mit diesen Worten von Pfarrer Christoph Baumgarten, die in ihrer Schlichtheit alles, aber keine floskelhafte Höflichkeit bedeuteten, endete im Juni nach zehn Monaten der erste dekanatsweite Tauf- und Glaubenskurs in Leipzig.
ABSOLUT EMPFEHLENSWERT
Als Kind wurde Hermann Löffler aus Leipzig nicht getauft. Eltern und Großeltern waren jeweils gemischt-konfessionell. „Ich sollte später selbst entscheiden, welcher Konfession ich angehören möchte“, sagte er. Warum es die katholische Kirche wurde? „Die Sakramente und die Liturgie sind mir näher“, erklärte Löffler. Doch der Denkprozess des 32-Jährigen erstreckte sich über mehrere Jahre und „endete hier im Kurs“, sagte er schmunzelnd. „Ich bin später eingestiegen, wusste aber von Anfang an, dass ich die Taufe empfangen möchte.“ Den Glaubenskurs könne er absolut weiterempfehlen.
Baumgarten, Pfarrer in St. Bonifatius Leipzig-Süd, war maßgeblich beteiligt am Erfolg dieses „Pilotprojekts“. Die Idee zum Kurs sei gekommen, weil sich immer mehr Erwachsene mit Interesse an Glauben und Taufe gemeldet hätten, sagte Dominikanerpater Simon Hacker, Kaplan an der Leipziger Propsteikirche und der zweite hauptamtliche Kursleiter. „Alle einzeln zu betreuen, wäre viel zu aufwendig gewesen, und das Gruppenerlebnis hätte auch gefehlt“, so Hacker. An Ostern 2025 hätte es allein in den Gemeinden im Leipziger Osten elf Taufen gegeben, sagte Carlo Arena, der zusammen mit Regina Nothelle und Johanna Weber das ehrenamtliche Leitungstrio bildete.
Der Plan, die Interessierten in Leipzig in diesem Jahr erstmals dekanatsweit zentral zu einer möglichen Taufe oder einer Konversion zu führen, scheint aufgegangen zu sein: Insgesamt 25 Erwachsenentaufen, Firmungen oder Konversionen fanden über Ostern im Stadtgebiet statt. „Und dabei haben wir den Kurs nur intern beworben“, sagte Arena, gebürtiger Italiener und lange Zeit Leiter der Ökumenischen Bahnhofsmission in Leipzig. „Wir spüren das Interesse der Jugend.“ Auch die Mischung aus haupt- und ehrenamtlichen Leitern habe sich bewährt. Im September startet der nächste Kurs, für den möchten die Verantwortlichen nun jedoch richtig „trommeln“.
An einem Dienstagabend im Juni trafen sie sich zum letzten Mal in der Propstei. Zehn Teilnehmer waren noch einmal gekommen – fünf Frauen, fünf Männer, die meisten augenscheinlich noch unter 40 oder nur leicht darüber. Im Durchschnitt waren es wohl 20 bis 25 Teilnehmer, anfangs sogar bis zu 40. Zu Kursbeginn im September 2025 hatte es auch stets den Charakter eines lockeren Treffens, ohne Anmeldung, gemäß des Kursmottos „Die Tür steht offen – Einführung in den katholischen Glauben“.
Regina Nothelle führte die Gruppe in einem Rückblick noch einmal durch die Monate. „Es war eine ganze Menge, was wir zusammen erlebt haben“, sagte die Lehrerin, die vielfältig an ihrer Propsteigemeinde engagiert ist. Dienstag für Dienstag stand ein anderes Thema auf dem Plan. Ausgangspunkt: Was will ich? Dann: Wer war Jesus? Wie liest man die Bibel? Was ist die Kirche, wozu ist sie nötig? Warum nennen wir die Welt Schöpfung? Wie sehen unsere Gottesbilder aus?
VON KINDERGRUPPEN GELERNT
Katrin Semdner aus Taucha war lang auf der Suche, wuchs in einem atheistischen Umfeld auf. Obwohl sie mit einem katholischen Belgier verheiratet ist, waren es die Kinder der 42-Jährigen, die sie zum Glauben brachten: „Mein zwölfjähriger Sohn hat mir Fragen gestellt, die ich nicht beantworten konnte. Er wollte in die Kirche hineinschnuppern“, berichtete sie. Als die Sternsinger sie einmal zum Familiengottesdienst einluden, ging es los. Ihre Kinder gingen in die Kindergruppen und wurden 2025 getauft. „Ich habe mich dann immer mehr damit befasst und in den Kindergruppen gesehen, wie Glaube funktioniert“, sagt Semdner. Nun ist sie ebenfalls getauft und vom Kurs in der Propstei nach eigenen Worten sehr begeistert gewesen.
Kurz vor Weihnachten 2025 dann das „Wochenende der Entscheidung“ im Dominikanerkloster St. Albert in Leipzig-Wahren. Denn ab Januar begann der zweite Teil und das hieß Verbindlichkeit. Die, die sich sicher waren, den Weg Richtung Taufe oder Konversion weiterzugehen, blieben. Es folgten Abende über das Geheimnis der Taufe, über die Firmung, über Sakramente allgemein und über die Feier der Eucharistie, erzählt anhand der Emmaus-Geschichte. Im Februar fuhr die Gruppe nach Dresden zur Feier der Zulassung mit Bischof Heinrich Timmerevers. Und dann in der Osternacht der Höhepunkt: Taufe, Firmung, Erstkommunion in den jeweiligen Gemeinden sowie am Ostermontag die Feier der Konversionen in der Propstei Leipzig.
Doch damit war der Kurs nicht beendet. Im April und Mai ging es noch einmal um das Bußsakrament und auch das eucharistische Geheimnis wurde vertieft behandelt, bevor Anfang Juni das Kursfinale mit einem Blick zurück auf das Erreichte anstand. „Zehn Monate – so lang, wie eine Schwangerschaft eben“, sagte mit einem Schmunzeln Carlo Arena. Ihm, wie allen Kursleitern merkte man an, wie sie für die Sache brennen, ihr Engagement war glaubwürdig und half den Teilnehmern, wie diese beim letzten Kurs berichteten.
Zum vorerst letzen Mal saßen sie nun zusammen und erzählten, was sich für sie seit Kursbeginn verändert und was sie weitergebracht hatte, aber auch, mit welchen Themen sie sich möglicherweise noch schwer tun – hier fällt zum Beispiel das Stichwort Beichte. Für Pfarrer Baumgarten war der Kurs auf Dekanatsebene ein „großes Geschenk und für das erste Mal ziemlich gut gelungen“. Er berichtete, dass Bischof Timmerevers ihren Kurs bereits der Bischofskonferenz vorgestellt hatte und dabei vom „Leipziger Modell“ sprach. Dabei sei er auf einiges Interesse anderer Oberhirten gestoßen.
Pater Simon sagte zum Schluss, er nehme für sich die vielen kleinen und großen Glaubenszeugnisse mit: „Ich spüre diese Sehnsucht bei euch, dass da noch mehr ist.“ Regina Nothelle empfand ähnlich: „Es war so bereichernd für mich, die Neugierde auf den Glauben zu erleben.“
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Was: „Die Tür steht offen – Einführung in den katholischen Glauben“,
Sieben Abende zu allgemeinen Glaubensthemen
(am 1. und 29. September, 6. und 20. Oktober,
3. und 24. November und 8. Dezember jeweils ab 19 Uhr) -
Wo: Propstei Leipzig, Nonnenmühlgasse 2
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Wie: kostenlos, keine Anmeldung nötig
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Teilnahme auch an einzelnen Abenden möglich
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Infos: glaubenskurs@propstei-leipzig.de