Nachgefragt

Fehlt nun woanders das Geld?

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Neuer Altar in der Sankt Hedwigs-Kathedrale Berlin
Nachweis

Foto: Walter Wetzler

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Am 250. Jahrestag der ursprünglichen Kirchweihe feierte Erzbischof Heiner Koch in der „Baustelle Hedwigskathedrale“ die Weihe des neuen Altars.

Das Erzbistum gibt so viel Geld für den Umbau der Kathedrale aus, dass die Gemeinden zu kurz kommen, beklagte sich kürzlich eine Leserbriefschreiberin. Der TAG DES HERRN hat bei der Bistumsleitung nachgefragt: Stimmt das so?

„Die Katholiken in Berlin sind eine sehr kleine Herde und da hätte uns eine bescheidenere Sanierung der Sankt Hedwigs-Kathedrale gut zu Gesicht gestanden“, schrieb eine Berliner Leserin dem TAG DES HERRN in der vergangenen Woche. „Die gewaltigen Kosten für diesen Umbau müssen nun aufgebracht werden“, heißt es weiter in ihrem Leserbrief. „Das hat unter anderem zur Folge, dass die Zuschussmittel für die Pfarreien reduziert werden, dringend benötigtes pastorales Personal nicht eingestellt wird und die Gemeinden aufgefordert sind, ,überflüssige‘ Liegenschaften zu verkaufen.“ 
Der TAG DES HERRN hat bei der Bistumsleitung nachgefragt: „Führen die Ausgaben für die Kathedrale tatsächlich zu Kürzungen der Zuweisungen für die Gemeinden?“

Die Hälfte der Baukosten sind Fördergelder

Das Gegenteil sei der Fall, teilt Stefan Förner, der Pressesprecher des Erzbistums, mit. Einem Beschluss des Diözeanvermögensrats von dieser Woche zufolge sollen die sogenannten „Schlüsselzuweisungen“ noch in diesem Jahr erhöht werden. 
Förner weist zudem darauf hin, dass es sich bei der Umgestaltung und Sanierung der Sankt Hedwigs-Kathedrale samt Sanierung und Teilneubau des Bernhard-Lichtenberg-Hauses um eine Fördermaßnahme handele. Ein Drittel der veranschlagten Gesamtkosten in Höhe von 60 Millionen Euro werde von Bund und Land getragen. Zehn Millionen hätten die anderen deutschen Bistümer dazugegeben. Das Erzbistum selbst habe jahrzehntelang Rücklagen für die „dringend nötige Sanierung“ gebildet.
 

Modell der umgebauten Sankt Hedwigs-Kathedrale
Holzaufschnitt der umgestalteten Hedwigskathedrale nach dem Entwurf von Leo Zogmayer.
Foto: Erzbistum Berlin

Allerdings hatte das Erzbistum auch schon mehrfach bestätigt, dass der Kostenplan von 60 Millionen Euro nicht eingehalten werden könne. Die Preise für Rohstoffe und damit auch die Materialkosten seien in Folge des Ukrainekrieges deutlich gestiegen. Auch die allgemeine Preissteigerung führe zu höheren Kosten. Davon betroffen sei vor allem der Neubau des Bernhard-Lichtenberg-Hauses, das zukünftig zusammen mit der Kathedrale das Herzstück des neuen Katholischen Forums Sankt Hedwig Mitte bilden soll. 
Die Frage, wie viel teurer das Bauvorhaben dadurch werde, konnte das Erzbistum zuletzt noch nicht abschließend beantworten. „Aktuell geht die Projektsteuerung von einer Kostensteigerung von zehn Prozent aus“, hieß es zur Grundsteinlegung des Bernhard-Lichtenberg-Hauses Mitte Juni. Heißt: Die Mehrkosten betragen vermutlich etwa sechs Millionen Euro.

Erzbistum: „keine Abstriche bei Personal“

Dennoch trifft laut Bistumsleitung die Kritik, wonach Mitarbeiter für die Seelsorge aus Geldnot nicht eingestellt werden könnten, nicht zu. „Stellen in den Pfarreien werden ausgeschrieben und besetzt, es sei denn, es gibt keine Bewerberinnen und Bewerber“, schreibt Pressesprecher Stefan Förner. Er weist auch auf die zusätzlichen Stellen für Sozialarbeiter in Pfarreien hin, die schon seit Jahren geschaffen und nach und nach auch besetzt werden. 
Die vorgesehene Immobilienentwicklung für das Erzbistum sei ein Unterstützungsangebot an Pfarreien, Konzepte für die künftige Nutzung von Liegenschaften zu entwickeln. „Sie reagiert auf einen von den Pfarreien geäußerten Bedarf und gilt auch für das Erzbistum selbst“, betont Förner. 
In einem Brief, den Erzbischof Heiner Koch dazu Anfang des Jahres an die Pfarreien schrieb, heißt es dazu: „Um die Handlungsfähigkeit im Kernbereich kirchlicher Tätigkeit zu erhalten, muss unbedingt erreicht werden, den Einsatz von Kirchensteuermitteln für den Betrieb und die Erhaltung von Immobilien auf deutlich weniger eigengenutzte Flächen zu konzentrieren.“

Informationen im Netz:
hedwigs-kathedrale.de/umgestaltung/bautagebuch
erzbistumberlin.de/immobilien
 

Dorothee Wanzek