Ora et labora im Haus Hoheneichen Dresden
Zwischen Beet und Gebet
Foto: Geneviève Hesse
Während des Arbeits-Teils der Ora-et-Labora-Woche wurde der Garten des Exerzitienhauses Hoheneichen in Form gebracht.
Auf gelben Yogamatten liegen zehn Menschen auf dem Boden des großen Meditationsraums im modernen Holzgebäude des Exerzitienhauses Hoheneichen in Dresden. Die Yoga- und Meditationslehrerin Angelika Evers korrigiert behutsam einige Dehnhaltungen. An der Stirnwand hängt eine große, beleuchtete Pantokrator-Ikone von Christus, vor der sich alle kurz verneigt haben, als sie den Raum betraten.
Es ist erst 6.45 Uhr morgens. Dennoch ist etwa die Hälfte der Teilnehmer des Ora-et-Labora-Kurses – lateinisch für „bete und arbeite“ – zur halbstündigen körperlichen Einstimmung auf den Tag gekommen. Anschließend werden die Yogamatten wieder zusammengerollt und hinter einem weißen Vorhang verstaut. Spätestens halb acht sind alle da und sitzen – je nach körperlicher Verfassung – auf Knieschemeln, im Schneidersitz oder auf Stühlen, um knapp eine halbe Stunde in Stille zu meditieren.
Zu Beginn gibt der jesuitische geistliche Begleiter Herbert Rieger einige Anregungen für die Meditation. Nach dem Vaterunser hört man nur noch das Vogelzwitschern, das durch die hohen Fenster in den Meditationsraum dringt. Anschließend geht die Gruppe bedächtig zum Frühstück, das ebenfalls im Schweigen eingenommen wird.
Der Labora-Teil des Kurses umfasst jeweils zwei Stunden am Vormittag und am Nachmittag. Nach jeder Arbeitseinheit im Garten gibt es eine halbe Stunde Zeit, um zur Ruhe zu kommen oder sich umzuziehen. Dann versammeln sich alle erneut zu einer halben Stunde Meditation vor der Christusikone, bevor die liebevoll zubereiteten vegetarischen Mahlzeiten locken. Jeden Abend wird in der kleinen Kapelle mit der gläsernen Dachspitze im Gottesdienst viel gesungen.
Zum Erfolgsrezept des Ora-et-Labora-Kurses gehört zweifellos auch Hausmeister Alexander Malsam. Motivierend und geduldig bespricht er jeden Morgen die Arbeiten mit den Hobbygärtnern. Wer die Sonne schlecht verträgt, erhält eine Aufgabe im Schatten. Wer nicht mehr lange knien kann, um Unkraut zu jäten, darf mit einer elektrischen Heckenschere arbeiten oder sich am Häcksler nützlich machen. Wie in jedem Sommer müssen außerdem die vielen duftenden Lavendelsträucher abgestützt werden. Wer eine sportliche Herausforderung sucht, darf auch Steine schleppen.
Viele Teilnehmer sind im rüstigen Rentenalter. Einige suchen eine sinnvolle Betätigung, andere genießen einfach eine Woche mit preiswerter Kost und Logis in der schönen Villa am Elbhang. Alle eint die Freude darüber, den weitläufigen Park gemeinsam wieder schön hergerichtet zu haben. Für manche ist das dreimal tägliche kontemplative Sitzen die größere Herausforderung als die Gartenarbeit. Bei anderen treten im gemeinsamen Arbeiten ungewohnte oder belastende Gefühle zutage. Gespräche bietet das dreiköpfige Leitungsteam an, insbesondere Pater Herbert Rieger, der zugleich Psychotherapeut ist.
In der Abschlussrunde wird deutlich, dass alle den strukturierten Tagesrhythmus zwischen Beet und Gebet als große Bereicherung erlebt haben: den Wechsel zwischen dem Blick nach innen – Ora –, dem tätigen Wirken nach außen – Labora – und den morgendlichen Yoga-Übungen, die den Körper auf die Gartenarbeiten vorbereiten und beweglich halten.
Der nächste Ora-et-Labora-Kurs findet vom 1. bis 6. November statt.
Infos & Anmeldung: www.haus-hoheneichen.de/programm