Ostergruß von Bischof Heinrich Timmerevers

Der Auferstandene steht hinter allem

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Symbolbild für Ostern – vom Dunkeln ins Licht
Nachweis

Bild: Esther Hermann



Stellvertretend für die Bischöfe im Tag des Herrn-Verbreitungsgebiet schreibt Bischof Heinrich Timmerevers, Bistum Dresden- Meißen, ein Ostergrußwort:

Porträtbild von Bischof Heinrich Timmerevers
Bischof Heinrich Timmerevers, Bistum Dresden-Meißen

Seit Aschermittwoch hängt in unserer Kathedrale ein Fastentuch, das man nicht „übersehen“ kann: Eva Petričs „Collective Heart“. Wo sonst Anton Raphael Mengs’ Altargemälde „Himmelfahrt Christi“ den Blick auf den Auferstandenen nach oben öffnet, ist nun das Werk der slowenischen Künstlerin zu sehen. Ein textiles Geflecht, ein Netz aus Spitzendeckchen, Bändern, Stofffragmenten – wie ein übergroßes Herz, zusammengenäht aus Stoffstücken, hinter denen viele Leben zu finden sind.

Stoffspitze ist ja nicht nur „Dekor“. Sie steht für mich vor allem für Arbeit, Geduld, Erinnerung. In diesem Tuch stecken Decken, die durch Generationen wanderten, Geschenke zu wichtigen Wegmarken des Lebens. Darunter findet sich beispielsweise ein rotes Deckchen, beschädigt – und gerade deshalb bewahrt, weil es ein kostbares Geschenk war. Oder ein Brautschleier, der von der Großmutter zur Enkelin spricht: vom Ja zum Leben, von Weitergabe, von Vertrauen. Und auch Spitzenbänder aus einer Geschäftsauflösung sind da – sie erzählen davon, dass Existenzen scheitern können und das Leben dadurch dennoch nicht wertlos wird. Viele Gemeindemitglieder haben Stücke gebracht, damit die Künstlerin sie in neuen Projekten weiterträgt. So wird das Tuch zu einem kollektiven Herzen: Menschen bringen sich selbst mittels ihrer Lebenserfahrungen mit ein – mit Freude, Verlust, Bruch und Hoffnung.
Außergewöhnlich ist: Wir lassen es in diesem Jahr über Ostern zumindest teilweise hängen. Ich habe darum gebeten, weil mir ein Gedanke wichtig geworden ist. Hinter all diesen „Decken unseres Lebens“ steht der Auferstandene. Christus ist nicht im Tod geblieben. Er ist uns voraus – und zugleich nahe: hinter unseren Tagen, hinter dem Gelungenen und hinter dem, was wehtut.
Die Osterevangelien erzählen, wie schwer es war, ihn zu erkennen: Verwechselt als Gärtner, unerkannt auf dem Weg nach Emmaus, erkannt erst am Tisch. Vielleicht braucht es genau das: ein Durchschauen. Spitze lässt Licht hindurch. Bitten wir den Herrn, dass wir im österlichen Licht durch die Stoffe unserer Biografie hindurch seine Gegenwart entdecken.