Lukas Hennecke ist der jüngste Pfarrer im Bistum Erfurt
„Für mich ist es eine Stärkung im Alltag, an Gott glauben zu können“
Foto: Julia Reinard
Die Wanderschuhe als wichtiger Teil der Predigt – Pfarrer Lukas Hennecke verbindet Alltagserfahrung mit der Bibel.
„Letztes Mal“, das stand im Juli oft auf Bildern, die Lukas Hennecke gepostet – also in den sozialen Medien veröffentlicht – hat. Da war er noch Jugendkaplan in Leinefelde und wurde mit vielen Abschiedsfesten und -gesten verabschiedet. Das letzte Mal im Kreis der Ministranten – seinen „Minis“, das letzte Treffen der Oberminis, die letzte Prozession, der letzte Gottesdienst. Denn seit dem 1. August widmet er sich anderen Aufgaben.
Der bisherige Kaplan teilt seine Arbeit durch Beiträge bei Instagram. Er hatte den Kanal vor einigen Jahren aufgesetzt, weil „mein Umfeld einen anderen Eindruck von meiner Arbeit hatte als ich selbst“, sagt Hennecke. Seitdem fotografiert er Details und Treffen, filmt Vorbereitungen oder Ereignisse bei seiner Arbeit. Mit der Zeit habe er durch Instagram eine andere Zielgruppe als in den Gemeinden erreicht. Deshalb nutzt er den Kanal bis heute. Nur der bisherige Name „kpl.lukas“ soll sich ändern. Denn inzwischen arbeitet der gebürtige Eichsfelder als Pfarrer in der Gemeinde St. Josef in Mühlhausen.
„Der Wechsel war dran“, sagt Hennecke mit kraftvoller Stimme. Fünf Jahre lang war er Jugendkaplan. Zuvor hatte er studiert und ein Jahr in der Benediktinerabtei in Jerusalem verbracht. Dort fand er seine Berufung: „Für mich ist es eine Stärkung im Alltag, an Gott glauben zu können.“ Das möchte er gern weitergeben.
Wanderschuhe und Maria
Bei seiner ersten Sonntagsmesse in der neuen Pfarrei, die am Kirchort St. Marien Bad Langensalza stattfand, sprach er genau darüber: Er hielt Wanderstiefel hoch und sagte, dass er mit diesen Schuhen während seiner Zeit in Israel eine Wanderung unternommen habe. Er sei kein großer Wanderer und der Weg habe ihn schon bald erschöpft. Er habe umkehren wollen. In dem Moment, als er nicht mehr weitergehen wollte, seien es die anderen gewesen, die ihm hinaufgeholfen hätten. Diejenigen, die vor ihm gingen, hätten ihm nämlich von der tollen Aussicht berichtet, die sie dort oben sähen. Einmal und immer wieder – bei jedem neuen Ausblick. Auf diese Weise sei er von ihnen „hinaufgezogen worden“, sagt Hennecke.
So sei es auch mit der heiligen Maria, die hinaufgezogen wurde von Gott. Maria – Patronin der Langensalzaer Kirche, die nach ihrer Himmelfahrt zeige, wie schön es dort oben ist. Sie motiviere auf diese Weise, ja, sie ziehe die Gläubigen zu sich hinauf.
Am Ende dieser Predigt klatschten die Besucher Beifall. Im Anschluss waren sie begeistert: „Die Predigt war toll! Nicht so lang, dafür lebhaft“, sagte eine Besucherin. Vom „passenden“ und „erfrischenden Einstieg“ sprachen andere.
Auch Kirchortrat Gunther Wurschi klang beim anschließenden Gemeindefest begeistert: Das Bild von Maria hätte ihn berührt. Obendrein war er positiv überrascht von den vielen Gottesdienstbesuchern. Durch die volle Kirche fühlte er sich „ein bisschen an Weihnachten“ erinnert. Er habe unter ihnen junge Menschen gesehen, die lange nicht bei einer Messe waren und gehört, dass sie gern wiederkämen, wenn die Messen so blieben.
Das würde gut passen, denn Pfarrer Hennecke hat einen Draht zu jungen Menschen. Ein Grund ist sicher, dass er mit 31 Jahren selbst noch jung ist. Doch wenn man die Jugendlichen fragt, mit denen er in den Kirchorten von Leinefelde zu tun hatte, kommen viele weitere Aspekte zum Vorschein: „Er ist immer mit einem Lächeln in den Raum gekommen und man hatte sofort gute Laune, wenn man ihn sah“, sagt beispielsweise die 15-jährige Paula Wierzbowski. Außerdem habe er immer geholfen, wenn man als Messdiener nicht wusste, was zu tun ist. Die Jugendlichen loben Henneckes „offene, freundliche Art“. Berenike Breitenstein schätzt auch seine Fähigkeiten im Umgang mit sozialen Medien. Darüber sei man gut mit ihm ins Gespräch gekommen. Sie hätten auch gemeinsam Content gemacht. Emilio Kulle sagt: „Er versucht immer, den bestmöglichen Kompromiss zu finden.“
Der 15-Jährige aus Beuren war darüber hinaus von Henneckes Antworten auf seine Glaubensfragen beeindruckt. So sehr, dass er ihn bat, sein Firmpate zu werden. Weil Hennecke da schon wusste, dass er die Stelle wechselt, habe er zugesagt und Emilio zur Firmung begleitet. In der Zeit dachte er sich für seinen Schützling etwas Unvergessliches aus: Emilio spielt gern Orgel. Deshalb organisierte Hennecke ein Treffen mit dem Organisten des Erfurter Doms, Silvius von Kessel, der ihm die Domorgeln erklärte und ihn spielen ließ.
Natürlich fotografierte und filmte Hennecke dort. Er tut das auch vor der Messe, vor einem Gespräch zu einem Jubiläum, wenn er einen neuen Kirchort besucht, wenn er mit Menschen zusammenkommt und sie damit einverstanden sind. Deshalb steht bei seinen Bildern und Filmen zur Zeit oft „Erstes Mal“: Erste Predigt, erste ökumenische Veranstaltung, erste Kirmes in Mühlhausen.
Natürlich werde sich für ihn als Pfarrer in Mühlhausen manches ändern. So kämen Finanzthemen und Verwaltungsangelegenheiten hinzu. Dazu habe ihm sein Vorgänger Andreas Anhalt viel erklärt, wofür er dankbar sei, sagt Hennecke. Zudem ist Mühlhausen nicht wie die katholische Heimatregion des gebürtigen Leinefelders, sondern stark ökumenisch geprägt. Das ändere die Arbeit ebenfalls.
Selbstständigkeit fördern
Andererseits bringt er erfolgreich Erprobtes mit. So lobten seine bisherigen „Minis“, dass sie viel selbstständig organisieren durften und sollten. Hennecke möchte das fortführen und trifft damit – zumindest in Bad Langensalza – auf Gegenliebe.
Selbständiges Handeln wünscht sich nämlich der Kirchortrat Bad Langensalza auch. Sie hätten bisher viele Dinge selbst erledigt und würden das gern fortführen, sagt Kirchortratsmitglied Wurschi. Bei der ersten gemeinsamen Messe hat das schon mal gut geklappt: Die Gemeinde brachte Liederwünsche ein und am Ende der Messe fand eine Kräutersalz-Weihe statt – vorgeschlagen von der Gemeinde, durchgeführt vom neuen Pfarrer. Hennecke schätzt dieses Engagement: „Es hat mich gefreut, dass es Leute gibt, die das in die Hand nehmen.“ Fotos von Kirche und Messe postete er später bei Instagram. „Erstes Mal“, natürlich – er freut sich auf viele weitere davon.