Pro und Contra: Katholiken auf Demonstrationen gegen rechts

Mit demonstrieren?

Image
Ordensschwester auf Demonstration gegen rechts
Nachweis

Foto: imago/Stefan Trappe

Caption

Für diese Ordensschwester ist es keine Frage, ob sie sich an Demonstrationen gegen rechts beteiligt. Für andere Christen ist das hingegen nicht so eindeutig.

In vielen Städten gehen Menschen seit einigen Wochen auf die Straße, um ihre Unterstützung für die Demokratie in unserem Land zu demonstrieren. An den Kundgebungen nehmen auch zahlreiche Katholiken teil. Manche sind aber auch unentschlossen: Sollte unser Platz als Christen unter den Demonstranten sein?

 

PRO

Portrait Dorothee Wanzek
Dorothee Wanzek

Ich bin mir sicher wie lange nicht mehr: bei diesen Demonstrationen sollten wir dabei sein, um unübersehbar zum Ausdruck zu bringen: Wir sind wachsam und wollen rechtzeitig verhindern, dass in unserem Land ein weiteres Mal mit demokratischen Mitteln ein menschenverachtendes System installiert wird. Um als Gegengewicht gegen die lauter werdende rechtsextreme Minderheit wahrgenommen zu werden, müssen wir uns mit anderen gesellschaftlichen Kräften zusammentun.
Dass darunter auch Mit-Demonstranten sein könnten, deren Werte und Überzeugungen wir nicht alle teilen, sollten wir in Kauf nehmen. Eine Grenze ist für mich, wenn sich Menschen in die Demonstrationszüge mischen, die auf das rechtsextreme Hassgeschrei, das sie anprangern, ihrerseits mit Hassgeschrei reagieren. Mit denen möchte ich auf keinen Fall verwechselt werden. Mir gefällt, wie Christen der Leipziger Innenstadtgemeinden sich ökumenisch auf die Demonstrationen einlassen, gemeinsam und gut vorbereitet. Sie informieren sich zum Beispiel, welche Gruppierungen die Kundgebung jeweils angemeldet haben – und stimmen ihre Strategie dann darauf ab. Angeregt haben sie sich auch über die Botschaften ausgetauscht, die sie auf Transparenten vor sich hertragen wollen. Eine Stunde vor Demo-Start treffen sie sich zum Gebet in der Nikolaikirche. Als sichtbare christliche Gemeinschaft wollen sie sich dann – ähnlich wie 1989 – dem großen Demonstrationszug anschließen. 
 

CONTRA

Portrait Oliver Gierens
Oliver Gierens

Aufgabe der Kirche ist es, von den letzten Dingen zu sprechen: Von Himmel und Hölle, von Erlösung und Heil. Parteipolitisches Klein-Klein sollte der Kirche ebenso fern sei wie die Versuchung, zu einer Art Lobbyverband mit Kreuz an der Wand zu mutieren. Leider sind manchem Bischof Klimawandel, Migration oder Sozialpolitik anscheinend wichtiger als die Verkündigung der Frohen Botschaft. Dabei sollte das Christentum nicht grundsätzlich unpolitisch sein, beispielsweise beim Schutz des Lebens an seinem Anfang und Ende oder in der Frage des Umgangs mit armen oder ausgegrenzten Menschen. Auch wenn Rechtsextreme über millionenfache „Remigration“ fabulieren, ist Protest vonseiten der Kirchen ohne Frage angemessen. Aber jedes Engagement muss sich vom Evangelium herleiten. Ist das bei aktuellen „Demos gegen Rechts“ noch der Fall? Schon die Wortwahl lässt aufhorchen: „Gegen Rechts“ meint eben nicht „gegen Rechtsextremismus“. Das ist kein sprachlicher Lapsus. Hier wird der Versuch unternommen, alles, was rechts von der Mitte steht, als rassistisch, fremdenfeindlich und sonst irgendwie anrüchig zu diskreditieren. Es geht den Initiatoren der bundesweiten Massendemos offenkundig darum, eine gesellschaftliche Diskurshoheit zurückzugewinnen, nachdem sogar  Bundeskanzler Scholz im „Spiegel“-Interview gesagt hat, man müsse „endlich im großen Stil abschieben“. Am Ende stehen also parteipolitische Spielchen im Vordergrund. Deshalb ist die Kirche gut beraten, sich aus diesen Demos herauszuhalten.