Taufbewerbertreffen in Dresden 2026
„Okay Jesus, ich gebe dir eine Chance“
Fotos: Norbert Büchner
David Hofmann (hinter dem Bischof und unteres Bild) lud seine Freundin Lina Jerowsky (links) in einer Lebenskrise ein, sich mit ihm auf die Suche nach Gott zu machen.
41 Männer und Frauen aus dem Bistum Dresden-Meißen waren mit ihren Begleitern gekommen. Bischof Heinrich Timmerevers hatte die Bewerber um Taufe, Konversion und Wiederaufnahme in die katholische Kirche nach Dresden eingeladen. Zunächst hatten die Bewerber das Wort. So wie es am Schluss der Bischof mit Papst Benedikts Worten zusammenfasste, zeigte sich: „Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt.“
Nicht nur altersmäßig war es eine bunte Gruppe. Menschen mit Wurzeln in Deutschland, aber auch Vietnamesen, Ukrainer, Russen, ein Engländer und zwei Pakistani waren aus allen Regionen des Bistums Dresden-Meißen gekommen. Pfarrer Stephan George, Moderator der Gesprächsrunde, stellte fest, dass vor allem die Großstädte und jungen Menschen in diesem Jahr besonders stark vertreten seien.
Spannend waren die unterschiedlichen Geschichten, die Einzelne erzählten. Von der schlichten Erkenntnis „Vierzig Jahre war ich in der Wüste unterwegs, jetzt stehe ich am Jordan!“ über die frappierende Aussage: „Ich bin Gott begegnet und seitdem glaube ich!“ bis hin zu geradezu logisch hergeleiteten Beweggründen. Gregor Uhlig aus Dresden zitierte Werner Heisenberg, der gesagt habe: „Der erste Schluck aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch. Aber am Grunde des Bechers wartet Gott...“, und er ergänzt: „Ich bin Naturwissenschaftler und habe erfahren, dass man Gott mitdenken muss, sonst gelingt es nicht, die Welt hinreichend zu erklären.“
Ganz anders hat Anton Wagner zu Gott gefunden, nämlich über die Musik. Während man bei ihm zu Hause „eher Ostrock“ hört, interessierte sich der heute 16-Jährige mehr für klassische Musik. Er lernte Klavier spielen, fand so zu Bach. In der Hofkirche hörte er Schütz und Heinichen: „Und das ist einfach himmlisch!“ Von der Musik fand er zu den Texten und von dort zu dem, was dahintersteht.
Etwa so alt wie er ist die Tochter der Familie Ehrlich aus Hohenstein-Ernstthal. Sie hatte ihre Freundin zur Pfarrjugend und auch nach Hause mitgenommen. Gemeinsam waren sie in Altötting beim Adoratio-Kongress. Nun wollte sich die Freundin auf den Weg zur Taufe machen. War es Zufall, war es Fügung? Jedenfalls meldete sich ein anderer Jugendlicher mit ähnlichen Fragen. Als die Familie ihn einlud, fragte er, ob er noch einen Freund mitbringen dürfe. So hat Familie Ehrlich nun eine Gruppe von drei Jugendlichen, die sich jede Woche einmal bei ihnen treffen und sich so auf den Weg zur Taufe gemacht haben.
Viele in der Runde haben durch ihre Partner den je eigenen Weg zu Gott gefunden, eine durch die Arbeitskollegen bei der Caritas. Kathrin Sandner ist mit einem Belgier verheiratet, der von Haus aus Katholik ist, aber wenig praktizierte. Ihre drei Kinder waren bei der Frohen Herrgotts-stunde und haben Fragen gestellt, die den Vater zum Nachdenken brachten. Mitten in dieses Nachdenken kamen die Sternsinger und luden alle zum Familiengottesdienst ein. Das war die Initialzündung. Inzwischen sind die Kinder in der Kirche wie selbstverständlich zu Hause und die Mutter auf dem Weg zur Taufe.
Paul Beutner ist, wie viele im Saal, atheistisch oder regelrecht antichristlich aufgewachsen. Irgendwann, bei der Suche nach Sinn und Tiefe, kam er zu dem Punkt: „Okay Jesus, jetzt gebe ich dir eine Chance!“ Inzwischen, so sagte er auf Nachfrage, merkt er, dass Gott ihm eine Chance gegeben hat.
Auch David Hofmann, der jetzt in Dresden lebt, ist atheistisch aufgewachsen. Aber seine Urgroßmutter hat ihm von Gott und Jesus erzählt. Irgendwie hat das verfangen. Als er vor zwei Jahren in einer „tiefen Krise“ war, spürte er plötzlich: „Jesus ist die Antwort!“ Auch seiner Freundin Lina Jerofsky ging es damals nicht gut. Er hat sie angesprochen: „Ich glaube, ich suche – kommst du mit?“ Seitdem sind sie zusammen auf dem Weg zum Glauben.
Bevor ein gemeinsamer Gottesdienst gefeiert wurde, bei dem die Taufbewerber das Glaubensbekenntnis überreicht bekamen und vom Bischof durch Handauflegung gesegnet wurden, kamen noch die Betreuer zu Wort. Die meisten von ihnen haben erfahren, dass sie nur wenig „machen“ können, und vielmehr selbst von den Bewerbern beschenkt werden. Sie seien Zuschauer beim Wirken Gottes.
„Katholisch ist nicht so oder so – sondern umfassend“, beschrieb der Jesuit Pater Stefan Taeubner, der im Bistum die Seelsorge für Vietnamesen betreut, den Glaubenskurs. Immer wieder müsse man auf die Herkunft, auch die religiöse, der Begleiteten eingehen. Pfarrer Thomas Hajek aus Leipzig betonte das Zusammenwirken von Priestern und Laien. Regina Nothelle ergänzte, dass die Begleitung ein Geschenk sei, „dass man nicht alle Tage bekommt“. Dompfarrer Norbert Büchner erzählte von einem Schild auf seinem Schreibtisch – „Hebamme im Einsatz“. Neun Monate, hatte einer seiner Vorredner berichtet, dauere bei ihm ein Glaubenskurs. „Ich denke da eher an Elefanten – die sind rund zwei Jahre schwanger!“ Schnell sei für Büchner immer problematisch, man müsse Zeit zum Wachsen lassen. „Gott hat Zeit – mit uns und für uns!“