Alles selbstgemacht

Jesuskind im Schaufenster

Image
Selbstgebaute Weihnachtskrippe
Nachweis

Fotos: privat

Caption

Elisabeth Witkowskis Krippe im Schaufenster eines ansonsten leerstehenden Demminer Ladengeschäfts. Die Figuren sind 50 Zentimeter groß.

Die Hansestadt Demmin ist um eine Weihnachtsattraktion reicher. In einem Schaufenster zeigt eine Krippe die Geburt Jesu. Gestalterin Elisabeth Witkowski will die Demminer an ihrer Weihnachtsvorfreude teilhaben lassen.

Maria mit dem Jesuskind im Arm, an ihrer Seite Josef mit seinem Stab. Caspar, Melchior und Balthasar bringen ihre Gaben dar, auch ein Hirte mit seinem Hund und einigen seiner Schafe ist noch da. Das Schaufenster eines leerstehenden Geschäfts in de Mühlenstraße am Geselliusplatz, zwischen einem Blumenladen und einem Konditor, ziert seit dem 1. Advent eine detailreiche Weihnachtskrippe.
Dahinter steckt die begeisterte Krippenfigurenbauerin Elisabeth Witkowski. „Früher war dort ein Schuhverkauf“, erzählt die 72-Jährige. Schon als sie das verwaiste Schaufenster vor vier Jahren zum ersten Mal sah, hatte sie die Idee, es als Ausstellungsraum zu nutzen. Also machte sie den Besitzer ausfindig, schlug ihm vor,  eine Krippe darin aufzustellen. „Er war sofort einverstanden, stellt die Fläche seitdem jedes Jahr kostenlos bereit, berechnet nicht einmal die für die Beleuchtung anfallenden Stromkosten.“

Figuren sind einen halben Meter hoch

Elisabeth Witkowski
Elisabeth Witkowski

Dass die zwei Meter breite Ladenzeile von der Weihnachtsszene gut ausgefüllt wird, liegt auch an der Größe der Figuren. „50 Zentimeter sind die Figuren hoch. Sie anzufertigen, kostet viel Zeit, aber dafür kann viel dargestellt werden“, sagt sie. Denn dank des Drahtkörpergerüstes sind die Gliedmaßen allesamt beweglich, die Figuren können stehen, liegen, sitzen oder knien. „Stabilität verleihen ihnen ihre bleiernen Füße.“
Die Haare sind aus echter Schafwolle. Bei der Haut handelt es sich um Duvetine, eine Samt-Imitation, den sie in der Schweiz bestellt. „Er ist wirklich schweinisch teuer, aber er ist gut dehnbar und schmiegt sich so schön an das Skelett aus Draht.“ Auch das kleine Weihrauchfässchen, das die Balthasarfigur hält, kommt aus der Schweiz. Elisabeth Witkowski sammelt auch alte Pelzkragen. „Die kann man prima färben und einarbeiten“, sagt sie. Alle Tiere und Figuren hat sie eigenhändig erstellt. „Beim Krippenstall hat mir mein Mann geholfen. In der Arbeit steckt all meine Liebe und Begeisterung.“

Hobby verhilft ihr aus Tiefs, verleiht ihr Kraft

Ihr Handwerk lernte sie vor über 15 Jahren in Erfurt, bei der Theologin Jutta Brutscheck, die Lernwilligen Kurse für die Herstellung biblischer Erzählfiguren anbot. „Es ist eine richtige Kunst, mit ganz bestimmten Techniken, die in den 1960er Jahren von Schweizer Hausfrauen erfunden und entwickelt wurden“, sagt Elisabeth Witkowski. Seit 2005 fährt sie mindestens einmal im Jahr nach Erfurt, um einen Krippenbaukurs zu besuchen. Ihre Fertigkeiten haben sich seit den Anfängen natürlich verbessert. „Heute sehen meine Figuren schon etwas anders als bei meinen Anfängen. Aber das Schöne ist: Man lernt nie aus.“ 

Taufe Jesu mit Puppen dargestellt
Blick in die Zukunft: Der erwachsene Jesus wird von Johannes getauft.

Denn auch der Figurenbauerin geht es nicht nur um das Ergebnis. Natürlich freue sie sich, wenn die Figuren am Ende gelungen seien. Aber ihr Hobby bedeute ihr viel mehr. „Wenn ich mal ein seelisches Tief habe, dann nähe ich ein neues Kleid für einen Hirten. Das gibt mir so viel neue Kraft und Energie“, sagt Elisabeth Witkowski. Oder sie betrachtet einfach ihre etwas kleineren, 30 Zentimeter hohen Figuren, die fast überall in ihrer Wohnung verteilt stehen. „Dabei finde ich meine Ruhe und Frieden. „Ich bin so dankbar, dass ich dieses Hobby für mich gefunden habe.“

Die Weihnachtsbotschaft lebendig halten

Die Art und Weise, wie die Demminer Elisabeth Witkowskis Krippe wahrnehmen, zeugt von der Hektik, die an Weihnachten herrscht. „Ich habe es mal eine Weile beobachtet. Viele Leute laufen vorbei, sind sichtbar im Stress, schauen gar nicht nach rechts und links“, berichtet Witkowski. Von einem generellem Desinteresse würde sie aber nicht sprechen. „Es gibt Menschen, die innehalten und die Krippe mal in Ruhe in Augenschein nehmen.“ Vor allem abends, wenn das Schaufenster und die Christbäume darin beleuchtet werden. Genau das ist ihr Ziel, sagt Witkowski. „Das Schaufenster mit der Krippe soll für die Menschen ein Augenblick der Freude, der Ruhe und des Verweilens sein.“

Detail der Krippe
Eine weitere Krippe von Elisabeth Witkowski. Sie zeigt die Geburt Jesu im Stall.

Auch eine Art Bildungsauftrag schwingt mit. „Ich bin gebürtige Demminern und katholisch. Als Christen möchten wir ja in der Stadt sichtbar sein. Deshalb haben wir auch ein Schild angebracht, auf dem wir alle Demminer herzlich im Namen unserer katholischen Gemeinde Maria Rosenkranzkönigin grüßen, eine besinnliche Adventszeit und friedvolle Weihnachten wünschen“, sagt Elisabeth Witkowski, deren Sohn Thomas seit 2021 Bürgermeister der
Kleinstadt im vorpommerschen Landkreis Mecklenburger Seenplatte ist. „Es ist auch meine Intention, die Menschen, bildlich gesprochen, zur Krippe zu führen oder sie wenigstens dran denken zu lassen, was Weihnachten ist, worauf wir uns an Weihnachten eigentlich freuen.“
Apropos Freude: Schon als sie im Oktober mit der Vorbereitung der Figuren für ihre Krippe begann, stieg bei Elisabeth Witkowski der Vorfreude-Pegel. „Da ist in mir eine solche innere Freude auf Weihnachten entstanden, darauf, dass Christus geboren wird. Es war so ein ‚Wow‘-Effekt.“
Bis zum 6. Januar soll die Krippe mit der Weihnachtsszene noch das Schaufenster schmücken. „Danach stelle ich die drei Könige zum Nebenaltar unserer Pfarrkirche. So hat meine Gemeinde auch noch etwas davon. Ihr sei auch klar, dass die Figuren nicht jedermanns Sache seien. „Sie gefallen vielleicht nicht jedem, manchen fehlen die Gesichter. Aber die Haltung, die eine Figur einnehmen kann, die kann jede Emotion ausdrücken, alles aussagen. Dann sind sie auch ohne aufgemalte Gesichter lebendig.“

Stefan Schilde