Kloster St. Marienthal in Ostritz

Ein Ort des Gebetes, der weiter bestehen soll

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Porträtbild von Schwester Petra Articus
Nachweis

Fotos: Ruth Weinhold-Heße

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Mutter Petra im Kreuzgang des Klosters. Seit 8. Februar 2025 steht sie den Zisterzienserinnen in St. Marienthal als Äbtissin-Administratorin vor.

Die finanzielle Lage des Klosters St. Marienthal bleibt kritisch. Die Betriebskosten müssen die Zisterzienserinnen selbst erwirtschaften. Dafür haben sie sich im letzten Jahr mehr nach Außen geöffnet und Veränderungen angestoßen. Eine Zwischenbilanz mit der derzeitigen Äbtissin Petra Articus.

„Der Handyempfang ist schlecht“, hat Mutter Petra vorgewarnt. Wer ins Kloster St. Marienthal in Ostritz fährt, malerisch an der Neiße gelegen, direkt an der polnischen Grenze, kann viel Ruhe finden. Schwester Petra Articus schätzt den Ort inzwischen, aber betont: „Wir liegen abseits.“ Das erschwere, dass Besucher ins Kloster kommen, und sich an der Ruhe, dem Raum für Gebet und Einkehr, aber auch an der geistlichen Stärkung erfreuen können.

Dass Besucher kommen, ist aber einer der Grundpfeiler, auf den die Äbtissin auf Zeit hier setzt. Denn ihre Aufgabe sei es, in den drei Jahren, die sie den Konvent leitet, die Finanzen so zu sichern, dass das fast 800-jährige Klosterleben bestehen bleibt. Die langjährige Äbtissin aus dem Kloster Seligenthal in Landshut kannte die sächsischen Schwestern bereits von zwei Visitationen, sie wusste auch von den finanziellen Sorgen, die durch Hochwasserschäden, den kleiner werdenden Konvent und den Verkauf von Wirtschaftsflächen (unter anderem Wald) entstanden sind. Deshalb machte sie zur Bedingung, dass sie in ihrer Aufgabe von einem Geschäftsführer unterstützt wird. Richard Nobis, ehemaliger Direktor der Pax Bank Köln, hat sich im letzten Jahr einen Überblick über die Finanzen und bestehenden Verträge verschafft. „Wie es in der Realität wirklich steht, wird uns erst nach und nach bewusst“, sagt Mutter Petra. Zwar sollen die Ausgaben im großen Umfang reduziert werden, aber allein die Betriebskosten für den Klosterkomplex sind extrem hoch. Trotz der Renovierungen nach dem Hochwasserschaden von 2010 sind außerdem weitere Erneuerungen dringend notwendig, beispielsweise braucht der Konventbau ein neues Dach.

Sparen und neue Einnahmequellen

Nobis und Mutter Petra haben bildlich gesprochen die Ärmel hochgekrempelt und notwendige Veränderungen angestoßen. Die Wichtigste: Sparmaßnahmen bei den Betriebskosten. Dafür wurde die eigene, bislang kaputte, Wasserkraftanlage repariert. Nun werden Strom- und Heizkosten gespart. Trotzdem sind durch Fernwärmeverträge Verpflichtungen bis 2028 entstanden, die nicht gekündigt werden können.

Mutter Petra habe versucht, den Schwestern die Dringlichkeit der Lage bewusst zu machen, denn auch ihnen sei das Ausmaß der Kosten nicht bewusst gewesen. Seitdem haben sie neue Einnahmequellen erschlossen, bieten selbst mehr Kurse und Besuche im Kloster an, wie Fastenwochen oder Besinnungstage, aber auch Handarbeitskurse verbunden mit Gebet. Einige Angestellte mussten entlassen werden. Die Schwestern betreuen den Klosterladen nun selbst. Und: Die Bibliothek innerhalb der Klausur ist seit letztem Jahr für Besucherführungen geöffnet. Der Verkauf wertvoller mittelalterlicher Schriften aus der Klosterbibliothek hatte 2022 für negative Schlagzeilen gesorgt. Am Ende hat der Freistaat Sachsen die Schriften erworben.

Auch mit dem Internationalen Begegnungszentrum St. Marienthal (SBZ) sind die Schwestern wieder enger zusammengerückt: Die Klosterschenke wurde ans IBZ verpachtet. „Wir sind aber am Umsatz beteiligt“, erklärt Mutter Petra. Außerdem wird die Gästepforte nun gemeinsam betreut.

Für den Pater-Kolbe-Hof, Werkstatt und Wohnheim für behinderte Menschen, wurde mit der Diakonie Herrnhut ein neuer Träger gefunden. „Darüber sind wir sehr froh“, sagt Petra Articus und erklärt lachend, dass die katholische Vorabendmesse trotz des evangelisches Trägers weitergeführt werde.

Propsteigebäude des Klosters St. Marienthal
Die Propstei, links von der Kirche, ist ein kleineres, zur Zeit leer stehendes Gebäude. Es wäre eine Möglichkeit, wie der Konvent sich verkleinern könnte. Allerdings muss die Propstei renoviert werden, damit sie genutzt werden kann.

All diese Anstrengungen werden aber nicht ausreichen, das Klosterleben langfristig zu sichern. Die weniger und älter werdenden Zisterzienserinnen in St. Marienthal können die hohen Betriebskosten nach wie vor nicht stemmen. Eine sich anbietende Lösung ist, den Konvent räumlich zu verkleinern. „Es gibt sehr viele Gedanken und Ideen“, so Mutter Petra. Eine ist, dass die Schwestern aus dem großen Konventgebäude ausziehen in die benachbarte Propstei. Das Haus, gleich links neben der St. Marienthaler Kirche, ist wesentlich kleiner, aber ausreichend groß für die derzeitigen Schwestern. Das Dach wurde bereits nach dem Hochwasser saniert, allerdings sei im Innenbau noch einiges zu leisten, vor allem für den Brandschutz. Allein die Bausitzungen seien kräfte- und zeitraubend – auch wegen der Denkmalschutzvorgaben, so die Äbtissin.

„Wir sind auf Hilfe von Außen angewiesen“

Eine andere Idee: Man könnte Abteiräume für Hochzeits-events oder betreutes Wohnen vermieten, auch Ausstellungen könnten hier zu sehen sein, aber dazu müssen die Räumlichkeiten erst saniert werden. Die Äbtissin versteht sich als Vertreterin des Klosters nach Außen und setzt sich für den Erhalt des Klosterlebens ein. Mit den Bischöfen aus Dresden und dem nahe gelegenen Görlitz ist sie in Kontakt, auch den Freistaat Sachsen versucht sie ins Boot zu holen. Immerhin geht es hier auch um ein wertvolles Kulturgut. Der Chef der sächsischen Staatskanzlei, Andreas Handschuh, besuchte kürzlich das Kloster. Ebenso spricht Petra Articus Bildungseinrichtungen und Wissenschaftler an, etwa von der Hochschule Zittau/Görlitz. „Wir sind auf Hilfe von Außen angewiesen“, ist ihr Fazit. „Alle Gesprächspartner sind sehr wohlwollend und am Erhalt des Klosters interessiert. Aber es bleibt dabei, dass wir unsere Betriebskosten selbst decken müssen.“ Denn die kann der Staat nicht übernehmen. Es könnten Baumaßnahmen gefördert werden, aber auch dabei müssen Eigenanteile gezahlt werden.

Und Sorgen machen sich die verbliebenen fünf Schwestern des Konvents auch, weil sie nicht mehr jung sind. Mutter Petra ist 77 Jahre alt, die bisherige Äbtissin, Elisabeth Vaterodt, verlängert ihre Auszeit. Auch, wenn im kommenden Jahr die zwei Schwestern mit einfacher Profess sich ganz für den Orden entscheiden, dauert es weitere fünf Jahre, bis eine den Konvent leiten könnte. Was Mutter Petra bestärkt, ist, dass Besucher – auch ohne christlichen Hintergrund – sehr dankbar sind für ihre Auszeiten oder Kurse im Kloster. Auch die Mitschwestern hätten sich für die neuen Wege geöffnet. „Marienthal ist eine Gebetsstätte – sowohl von den Schwestern her, als auch von den Gästen. Im religiösen Bereich würde etwas fehlen, wenn es das Kloster nicht mehr gibt.“

Ruth Weinhold-Heße

Die nächsten Fastentage im Kloster finden vom 10. bis 17. April statt. Weitere Kurse und Informationen zu Einkehrtagen sowie Kloster auf Zeit: www.kloster-marienthal.de