Jugendarbeit

Abschied und Neuanfang

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Drei lächelnde Personen gestikulieren.
Nachweis

Foto: Marco Heinen

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Schlüsselübergabe: Stefan Götting und Antje Rahlf (re.) übernehmen die Leitung von Birgit Brauer.

Birgit Brauer gibt die Leitung des Kinder- und Jugendhauses St. Josef in Bad Oldesloe ab. Zugleich wird bekannt, das voraussichtlich ein Betreiberwechsel zur Caritas bevorsteht.

21 Jahre an der Spitze einer Einrichtung, in der es um Lebenswege junger Menschen geht, die nicht immer auf ein funktionierendes Elternhaus setzen können, die Orientierung suchen und mit Unterstützung auch finden können. Heimkinder, so hieß das früher, Stigmatisierung inbegriffen: Birgit Brauer (66), die Ende September als Leiterin des Kinder- und Jugenhauses St. Josef in Bad Oldesloe in den Ruhestand verabschiedet wurde, hat sich dafür eingesetzt, diesen benachteiligten Kindern und Jugendlichen gute Startchancen im Leben zu ermöglichen.

Zum offiziellen Abschied – tags zuvor hatten Bewohner und das Betreuerteam intern Tschüß gesagt – kamen rund 80 Wegbegleiter und Gäste aus Kirche und Jugendarbeit. Erzbischof Stefan Heße hielt die Andacht in der Kapelle. Später sprach Michael Focke, der als Vertreter des Erzbischöflichen Stuhls – seit 1995 Träger der Einrichtung – für St. Josef zuständig ist. Birgit Brauer habe seinerzeit nicht einfach „einen Job angetreteten“, sondern „eine Mission übernommen“, so Focke. „Sie haben diesen Ort mit Leben, Struktur und vor allem mit spürbarer Herzenswärme gefüllt und damit unsere christlichen Werte nie nur auf dem Papier verwaltet, sondern Tag für Tag vorgelebt.“

Erste „weltliche Leiterin“ von St. Josef

Birgit Brauer ist seit 37 Jahren in der katholischen Jugendarbeit tätig. Sie fing als Teamerin in der Gemeinde St. Gabriel in Hamburg-Eidelstedt an und arbeitete nach ihrem Studium in der Jugendsozialarbeit bei der mit dem BDKJ verbundenen Landesstelle der Katholischen Jugend Hamburg, die sie später auch leitete. Anfang 2006 übernahm sie im Kinder- und Jugendhaus die Leitung von Schwester Magda von den Thuiner Franziskanerinnen – als erste „weltliche Leiterin“. Die Schwestern hatten das Haus vor 124 Jahren gegründet und es in den 1950er Jahren wiedereröffnet. Missbrauchsvorwürfe gegen einen Priester und Vorwürfe des Fehlverhaltens von Schwestern während der 1960er Jahre wurden 2010 publik – für Birgit Brauer ein harter Schlag.

Michael Focke gratuliert Birgit Brauer zum Ruhestand. Foto: Marco Heinen

Denn es hatte sich längst viel verändert in der täglichen Heimpraxis. Lebten die Ordensschwestern in früheren Jahrzehnten noch rund um die Uhr im Haus, arbeitet das pädagogische Personal mittlerweile im Schichtbetrieb – und mit einem ganz anderen Blick auf Erziehungsmethoden. Änderungen brachte außerdem 1991 ein neues Kinder- und Jugenhilfegesetz, das etwa mehr Eigenverantwortung in den Wohngruppen und Mitsprachemöglichkeiten bei Tagesablauf und Freizeitangeboten zur Folge hatte. Und: „Die Beschwerdemöglichkeiten sind in den vergangenen zehn Jahren auf jeden Fall größer geworden“, so Brauer. Das gilt nicht nur in der Einrichtung selbst. Auch bei der Heimaufsicht und beim Land gibt es entsprechende Stellen. Prävention und Partizipation gehören zum Selbstverständnis.

Zurück zur Feier, zu einer symbolischen Schlüsselübergabe: Stefan Götting, seit 2016 Pädagogischer Leiter, und  Antje Rahlf, neue Kaufmännische Leiterin, agieren künftig als Doppelspitze. Andreas Meindl, Vorstand der Caritas im Norden, die mit St. Josef ohnehin auf Fachebene längst verbunden ist, kündigte an, was seit 2018 zwischen Caritas und Erzbischöflichem Stuhl im Gespräch ist: „Die Caritas hat beschlossen, spätestens zum 1.1. 2028 St. Josef unter seine Fittiche zu nehmen.“ Allerdings gebe es noch bürokratische Hürden zu überwinden. Ebenso sei die Übernahme des Kinder- und Jugendhauses St. Elisabeth in Hamburg-Bergedorf durch die Caritas geplant, so Meindl.

Marco Heinen