Laurenz Theinert zu Gast bei den EVI Lichtungen in Hildesheim

Begeisterndes Spiel aus Licht und Töne

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Lichtperformance im Mariendom
Nachweis

Fotos: Edmund Deppe

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Beeindruckend und faszinierend ist die farbenprächtige Lichtperformance von Laurenz Theinert im Dom.

Bereits zum dritten Mal war Laurenz Theinert zu Gast bei den EVI Lichtungen in Hildesheim. Im Zusammenspiel mit Dommusikdirektor Thomas Viezens und Domkantor Michael Čulo brachte er diesmal ein faszinierendes Farbenspiel in
den Mariendom.

Mit Licht-Performance hat sich Laurenz Theinert einen Namen gemacht. Doch mit Licht und Lichteffekten hat der Künstler nicht begonnen. „Ich habe mit abstrakter Fotogrfie angefangen. Doch irgendwann war mir das zu materiell. Ich habe gemerkt, mich reizt das Licht, das ja auch mit Fotografie zu tun hat“, sagt Theinert und begann damit Lichtinstallationen zu schaffen mit LEDs und Lichtilluminenzkabeln. „Und irgendwann kam mir die Idee, abstrakte Videos wie ein schwingendes Telefonkabel im Wind zu filmen und mit Musik zu unterlegen. Das hat ein Freund gesehen und gesagt, dass müssen wir mit Livemusik machen“, erinnert sich Theinert. Doch er ärgerte sich darüber, dass die Musiker in ihrem Spiel variieren konnten: laut, leise, schnell, langsam. „Ich aber stand neben meinem Laptop und das Video lief ab und ich konnte nicht interagieren. Da fiel mein Blick auf das Midi-Kabel und mir kam die Idee, dass man das Midi-Signal auch für etwas anderes nutzen kann, als nur Musik zu erzeugen“, erklärt Theinert. Zusammen mit einem Freund erfand er  das Visual-Piano. Ein anderer Programmierer sah dies auf einem Festival, hat diese Miditastatur nachgebaut und mit Theinert zusammen über fünf, sechs Jahre weiterentwickelt. 

Laurenz Theinert
Auf dem Visual-Piano erzeugt Laurenz Theinert visuelle Töne, die als 
Lichtbilder zu sehen sind. 
Im Zusammenspiel mit 
der Orgel entsteht so ein 
„Licht-Raum-Klang“.

Wenn er nun die weißen und schwarzen Tasten seiner speziellen Klaviatur drückt, erzeugt der Lichtkünstler keine hörbaren Töne, sondern Bilder, sichtbare Töne – und zusammen mit der Musik Licht-Klang-Räume. 
Im Dom performt Theinert im Zusammenspiel mit Dommusikdirektor Thomas Viezens und Domkantor Michael Čulo. Während bei der alten Kinoorgel die Organisten Musik zu den Stummfilmen gemacht haben, lässt sich Theinert von den Klängen der Domorgel inspirieren. „Ich gehe nicht auf die Struktur der Musik ein, sondern auf mein Empfinden. Ich kann dies mit dem Visual-Piano so spontan umsetzen, dass ich wirklich das, was ich bei der Musik empfinde, visualisiere, also meine Gefühle in der Lichtperformance sichtbar mache.“ 
Theinert hört auf die Klänge der Dom- orgel, lässt sie auf sich wirken und setzt sie gleichzeitig um. In ihm entstehen aus den Tönen Bilder. Mal sind es Punkte, dann wieder geometrische Figuren oder Striche, mal sind die Bilder schwarz-weiß, dann folgen voluminöse, farbenprächtige und raumfüllende Lichteffekte, alles spontan von ihm gesteuert und über mehrere Beamer in den Kirchenraum hineingeworfen. 
Egal wie oft die Organisten die gleichen Stücke spielen, jede Performance ist einzigartig und kann so nicht wiederholt werden. „Denn die Empfindungen, die das Orgelspiel in mir auslöst, sind nie genau identisch, vielleicht mal ähnlich, aber nie gleich“, betont Theinert. Sowie die Orgel den Kirchenraum erfüllt, „so füllen auch meine abstrakten Bilder den Raum aus“. 
Im Gegensatz zu anderen Künstlern hat Theinert keine Botschaft an die Zuschauer und Zuhörer. „Ich will ihnen keine Botschaft mit auf den Weg geben, sondern ich möchte Begegnungsräume schaffen, wo Menschen einfach, ungezwungen zusammenkommen. Und das schaffen wir nicht, wenn wir versuchen, uns immer von irgendetwas überzeugen zu wollen. Ich halte es mit dem persischen Philosphen Rumi, der einmal gesagt hat: Jenseits von Richtig und Falsch gibt es einen Raum, da treffen wir uns. Wir sollten nicht versuchen, immer Recht zu haben. Und durch die Abstraktion gibt es kein richtig oder falsch“, betont Theinert. 

Lichtpunkte
Mal sind es bunte Lichtpunkte, ...

Seine Lichtperformance macht der Lichtkünstler nicht nur mit Orgeln, sondern mit jeder Musik, die ihm gefällt. „Das geht von Technowave, über Radiosymphonieorchester bis zur Orgel. Und ich finde immer einen Weg der Zusammenarbeit“, erklärt er. 

...mal schwarz-weiße Formen, die sich mit den farbenprächtigen „Raum-Klängen“ abwechseln.

Besonders gern ist Theinert mit seiner Lichtperformance in alten Kirchen zu Gast, denn das sind keine sterilen Räume. „Mich reizt hier besonders die Interaktion des Lichts mit der Architektur. Das ist eigentlich das Spannende.“

Laurenz Theinert selbst hat keine kirchliche Bindung und ist, wie er sagt, „unchristlich aufgewachsen und erzogen worden“. Doch Kunst hat für ihn etwas mit Spiritualität zu tun, ist sinnlich erlebbare Spiritualität. „Das ist mit ein Grund, warum ich sehr gern in Kirchen spiele, und weil auch das Publikum sich in einer Kirche anders benimmt und offener ist“, sagt er.
Dem Publikum  hat Theinerts Lichtperformance im Dom gefallen. 13 Mal hat er mit den Domorganisten performt und 13 Mal war der Dom bis auf den letzten Platz gefüllt. 

Edmund Deppe