Niedersächsische Landesgartenschau
Glauben unter freiem Himmel
Foto: Matthias Petersen
Gemeindereferentin Sabine Kalkmann und Pastorin Anja Sievers freuen sich auf viele Gäste der Landesgartenschau.
Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: „452“, sagt Anja Sievers. 452 Veranstaltungen sind als Beitrag der Kirchen auf der niedersächsischen Landesgartenschau (LaGa) Bad Nenndorf geplant. 452 an 173 Öffnungstagen, das sind rund drei pro Tag. Veranstaltungen, auf die sich die evangelische Pastorin freut, die von der katholischen Gemeindereferentin Sabine Kalkmann unterstützt wird. Beide Frauen haben das gleiche Ziel: Sie wollen „das freundliche Gesicht der Kirche“ zeigen, eine moderne Kirche, die vielfältig ist, die viele Menschen anspricht. Und die das Kreuz in den Fokus rückt. „Das Kreuz ist doch unser Mittelpunkt, unsere Daseinsberechtigung“, sagt Anja Sievers.
Am 29. April wird die Landesgartenschau in Bad Nenndorf, westlich von Hannover gelegen, eröffnet – mit einem ökumenischen Gottesdienst um 11 Uhr. Beteiligt sind hier nicht nur zwei Landeskirchen (Hannover und Schaumburg-Lippe), sondern auch das Bistum Hildesheim und die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen. 173 Tage dauert die LaGa, rund 600.000 Gäste werden erwartet. Viele aus der Umgebung, die per Dauerkarte mehrmals zu Besuch kommen werden, aber auch viele Tagesgäste aus der weiteren Umgebung. Sie können das Leben draußen genießen, an 1500 Veranstaltungen teilnehmen, neue Spiele kennenlernen, auf Umwelt-Entdeckungstour gehen. „Kantig und bunt“ soll die LaGa sein, so haben es die Einwohner bei einer Abstimmung den Organisatoren ins Stammbuch geschrieben.
„Besinnung auf das Kreuz, das uns trägt und Halt gibt“
An einer der Hauptachsen liegt der Bereich der Kirchen. „Glaubens(k)reise“ ist er überschrieben. Ein Zelt spannt sich über den Eingang, die Sitze und den Heiligenbereich. In der Mitte ein Kreuz, das ein süddeutscher Künstler gestaltet hat und in dem sich die Betrachter spiegeln können. Es komme selten vor, dass sich die Kirchen auf einer LaGa so zentral präsentieren können wie in Bad Nenndorf, sagt Pastorin Sievers, die darin auch einen Auftrag für sich sieht. „Als Kirchen gestalten wir viele Events, da fehlt mir aber oft die Besinnung auf das Kreuz, das uns trägt und Halt gibt.“ Angesichts der erwarteten Besucherzahl sieht sie eine „riesengroße Chance“, viele Menschen wieder neugierig zu machen. „Das ist mein missionarischer Anspruch“, sagt sie.
Dem Eröffnungsgottesdienst mit zwei Landesbischöfen (Ralf Meister und Oliver Schuegraf) folgt an jedem Tag um 14.30 Uhr ein Mittagsimpuls. Es gibt spirituelle Angebote vom Bibliolog-Gottesdienst über die katholische Messe bis zum interkulturellen Gottesdienst. Die Fachdienste der Kirchen stellen sich vor, zum Beispiel die Seelsorge für Krankenhäuser, die Polizei, das Militär oder die Senioren. Sievers und Kalkmann wollen zeigen, „wie relevant wir Kirchen für die Gesellschaft sind und wie dunkel es werden würde, wenn das Licht bei uns ausginge“. Dabei sehen die Seelsorgerinnen in den 452 Angeboten keine Rangliste: ob die Messe mit dem Hildesheimer Weihbischof Martin Marahrens, ob der Workshop und das anschließende Konzert mit der christlichen Soul-Funk-Rapperin Judy Bailey, ob das nächste Mittagsgebet – alles soll gleichermaßen gewichtet werden.
„Da liegt Segen drauf!“
Das freundliche Gesicht der Kirche zeigen: Wie kommt man mit solch einer Idee an den Besucher – einfach ein Schild aufstellen? Anja Sievers schüttelt den Kopf: „Wir wollen präsent sein. Und vor allem wollen wir Gesicht zeigen, Menschen ansprechen, die hier vorbeigehen.“ Weil das nicht zwei Frauen allein bewerkstelligen können, haben sie sich Unterstützung geholt. Rund 200 Ehrenamtliche sind im Pool, die alle an der gleichen Kleidung zu erkennen sein werden: ein Kapuzenpulli mit der Aufschrift „Ich glaub dran“. Das sorgt für ein Gemeinschaftsgefühl bei den Ehrenamtlichen, die bereits in einem Gottesdienst gesegnet und ausgesendet wurden.
Sievers und Kalkmann sind begeistert von der Möglichkeit, wie sie ihre Kirchen auf der LaGa präsentieren können. Sie freuen sich über die Unterstützung der LaGa-Verantwortlichen, über den zentralen Veranstaltungsort. „Es wird einmalig sein in meiner Dienstzeit, dass ich Kirche so bauen darf, wie ich sie mir wünsche“, sagt Anja Sievers und Sabine Kalkmann nickt zustimmend. „Ich habe einfach das Gefühl, da liegt Segen drauf.“![]()
Welche seelische Kraft von den Pflanzen und der Natur überhaupt ausgeht, lesen Sie in einem Interview mit der Gartenexpertin Silke Hirndorf aus Twist in der Ausgabe Nr. 9 des Kirchenboten.