Tipps für Pfarrbriefe, Online-Auftritte und Social Media
Gemeinde gut gebrieft
Foto: Anton Kensbock
Rupert Wöhrmann ist Diplom-Designer aus Bad Iburg. In seiner Agentur erstellt er das Jahresheft „profil“ für die Pfarreien am Teutoburger Wald.
Rupert Wöhrmann ist Diplom-Designer und engagiert sich seit 30 Jahren für die Pfarreiengemeinschaft Hagen am Teutoburger Wald im Dekanat Osnabrück-Süd. Er ist Mitglied im Öffentlichkeitsausschuss und die kreative Kraft hinter dem jährlich erscheinenden Jahresheft „profil“ und der Webseite der Pfarreiengemeinschaft. Sie besteht aus den Pfarreien St. Martinus Hagen und Mariä Himmelfahrt in Gellenbeck. Insgesamt leben ungefähr 7500 Katholiken in den beiden Gemeinden. Der Pfarrbrief „eins“ erscheint wöchentlich.
Wie der Pfarrbrief zum Leser kommt:
Mittlerweile liegt der Pfarrbrief in beiden Kirchen zum Mitnehmen aus. Bis 2018 gab es in Mariä Himmelfahrt noch Kinder als Austräger, doch es meldeten sich nicht mehr genug Freiwillige dafür, erklärt Pfarrsekretärin Beate Unnerstall. Gedruckt werden die Pfarrbriefe mit einem Risographen. Das ist ein sehr schnelles und kostengünstiges Verfahren, das dem Siebdruck ähnelt. Insgesamt produziert werden 600 Exemplare – also etwas weniger als ein Zehntel der Katholikenanzahl in den beiden Gemeinden. Der Pfarrbrief wird auch auf der Webseite der Pfarreiengemeinschaft eingestellt und wird dort mehr als 500-mal abgerufen – bei besonderen Anlässen wie der Erstkommunion häufiger, so die Pfarrsekretärin. Auf der Internetseite stellt die Pfarrsekretärin selbstständig den Text ein, der dann auf der Startseite zu finden ist. Auch die vorigen Ausgaben sind abrufbar. Doch er kommt auch direkt zum Leser, per E-Mail-Newsletter. Das sei zwar jede Woche viel Arbeit, sagt Beate Unnerstall, erhöhe jedoch auch die Empfängerzahl um 200 Personen. Erstellt wird der Pfarrbrief in einem gemeinsam bearbeitbaren Word-Dokument, das aus einem Mantelteil für beide Gemeinden und einem lokalen Teil besteht.
Wie man das gedruckte Heft mit einem gelungenen Online-Auftritt verbindet:
Als die Pfarreiengemeinschaft Hagen und Gellenbeck errichtet wurden, entschied man sich für einen gemeinsamen Markenauftritt mit dem Spruch „Wir sind eins“ – denn die „eins“ ist auch im Wort gemeinsam zu finden. Die damaligen separaten Internetadressen waren lang und sperrig – und www.eins.website war noch frei. „Ja, besser ging das dann gar nicht“, erinnert sich Rupert Wöhrmann. So trägt auch der Instagram- und Facebookkanal den Titel „eins.insta“ respektive „eins.facebook“. Eine einheitliche Farbgebung – ein unaufdringliches Burgunderrot – erhöht den Wiedererkennungswert. Die Webseite ist eng mit den sozialen Medien verzahnt. Werden Beiträge auf dem Instagram-Kanal mit dem Hashtag, also dem Schlagwort #Schaukasten veröffentlicht, werden sie automatisch auch auf der Internetseite angezeigt. Das eignet sich für Terminankündigungen – wie eine digitale Vitrine. Denn rein informative Social-Media-Beiträge ohne Unterhaltungswert laufen nicht gut, weiß Rupert Wöhrmann. Beiträge für die sozialen Medien werden koordiniert und veröffentlicht, indem sie in eine Chatgruppe, bestehend aus Ehren- und Hauptamtlichen, geschickt werden. Der erste Hauptamtliche, der das Video oder Bild sieht, lädt es hoch. Veröffentlicht wird nur durch Hauptamtliche, damit die Verantwortung geklärt ist. „Wenn da ein Shitstorm kommt, muss jemand antworten können, der auf der Gehaltsliste vom Pastor steht“, sagt Wöhrmann.
Vor einigen Wochen, so berichtet Wöhrmann, ist ein Video „über Nacht völlig viral gegangen“, hat sich also innerhalb kurzer Zeit weit verbreitet. Abends schickte er seinen Videobeitrag wie gewohnt in die Chatgruppe und sieht am folgenden Morgen, dass dieser mehr als 85 000 Aufrufe auf Instagram erzielt hat. Mittlerweile sind es mehr als 350 000 – dabei zeigt das Video nur „eine ganz normale Messe“, sagt Wöhrmann und ist ratlos, warum genau dieses Video so erfolgreich ist. Für ihn steht fest: „Allein deswegen hat sich der Aufwand gelohnt.“ Er zeigt auf einen anderen Beitrag und sagt: „Aber selbst das, 150 Herzchen, macht Freude und begeistert.“ Mit einem „Like“, einem Herz, drücken Nutzer aus, dass ihnen der Beitrag gefallen hat. „Das macht einfach Spaß.“
Auf der Internetseite ist auch ein digitaler Terminkalender, in dem Veranstaltungen veröffentlicht werden. Über einen RSS-Feed, eine Art digitalen Briefträger für aktuelle Nachrichten, werden automatisiert Beiträge von der Webseite des Bistums Osnabrück übernommen, um mit wenig Aufwand zu informieren. Auch Audiomitschnitte der Predigten werden auf die Internetseite hochgeladen. „Das ist schon ein Mordsaufwand, den wir da treiben“, erzählt er, „aber es gibt Leute, die sich das Anhören.“ So ergebe der Aufwand Sinn.
Wie man ein ansprechendes Jahresheft gestaltet:
Einmal im Jahr gestaltet Designer Wöhrmann das Jahresheft „profil“ für die Pfarreiengemeinschaft. Es erscheint zum Ende des Kirchenjahres und blickt auf das zurückliegende Kalenderjahr zurück. Es zeigt die vielen engagierten Menschen – und auch die Pfarreiengemeinschaft. Zielgruppe sind auch die, die den Pfarrbrief nicht regelmäßig lesen oder in der Gemeinde aktiv sind, aber Mitglied sind. Wöhrmann visualisiert das mit einer Handbewegung: Er tippt mit dem Zeigefinger links auf die Tischplatte und dann weit rechts davon. „Für manche ist die Kirche hier und ich bin da“, sagt er, während sein Blick zwischen den beiden weit auseinanderliegenden Punkten wandert. „Und dazwischen ist vielleicht doch noch ein bisschen was“, beschreibt er. Das Jahresheft wird allen Gemeindemitgliedern in den Briefkasten zugestellt. Kernauftrag ist das Motto „Da steckt Leben drin“.
Das Vollfarbheft mit vielfältigen redaktionellen Texten entsteht im Laufe des Jahres im Team mit einem Trello-Board, einem Programm zum parallelen Arbeiten an derselben Tabelle. Spalten wie „Themensammlung“ bis „Fertig gesetzt“ zeigen den Stand des Hefts auf den ersten Blick. „Was da alles im Kopf rumschwirrt, und im Chaos ist, kann man da in eine strukturierte Form bringen“, erläutert Wöhrmann. Zehn Personen haben Zugang und können jederzeit Ideen, Fotos und Texte hinzufügen.
Beim Layout positioniert sich Wöhrmann eindeutig gegen das Textverarbeitungsprogramm Word: „Von oben links bis unten rechts nur die Seiten vollzumachen reicht nicht. Dann sieht’s aus wie eine Doktorarbeit, nicht wie ein Gemeindeheft“. Er empfiehlt Rahmenlayoutprogramme wie das kostenpflichtige „InDesign“ oder kostenfreie Alternativen wie „Affinity“ oder „Scribus“. Konkrete Gestaltungstipps kann der Designer auch geben: Weniger ist mehr. Nicht fünf Schriftgrößen, sondern eine für Fließtext und maximal zwei für Überschriften. Zu Beginn sollte einmal das Grundlayout angelegt – Satzspiegel, Ränder, Spalten – und das konsequent durchgehalten werden. Lieber ein einziges gutes Foto als mehrere schlechte. Und: echte Bilder aus der Gemeinde und keine Symbolbilder, denn: „Das muss schon unser Leben sein“.
Wenn das gedruckte Jahresheft am Ende auf den Wohnzimmertischen der Menschen liegen bleibt, hat sich die Arbeit gelohnt. Denn dann ist die Botschaft angekommen: Da steckt wirklich Leben drin.