Loriot-Ausstellung in Hannover

Hochkomisch und tiefsinnig

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Loriot Ausstellung Hannover
Nachweis

Foto: epd-bild/Nancy Heusel

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Typisch für Loriot ist das Männchen mit der Knollennase.

„Sagen Sie jetzt nichts – Loriot ist gestorben“, titelte die Hannoversche Allgemeine Zeitung, als sie den Tod Vicco von Bülows meldete. In einer Ausstellung in Hannover wird jetzt so manche Erinnerung an einen unglaublichen Könner wieder lebendig.

Sie sind alle hier versammelt: Opa Hoppenstedt ebenso wie die „Herren im Bad“ oder der Verehrer mit der Nudel. Wer die Ausstellung „Ach was – 103 Jahre Loriot“ besucht, die seit Anfang Juli im Wilhelm-Busch-Museum in Hannover läuft, begegnet vielen alten Bekannten aus dem umfangreichen Universum des deutschen Humorkünstlers und hat ein Déjà-vu-Erlebnis nach dem anderen. „Loriot ist der größte deutsche Humorist, den es je gab“, sagt Museumsdirektorin Eva Jandl-Jörg. Und schränkt dann mit Rücksicht auf den Namensgeber ihres Museums gleich wieder etwas ein: „Naja, einer der größten.“

Die Sonderausstellung, die bis zum 14. März 2027 geöffnet ist, entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Caricatura-Museum in Frankfurt am Main und wurde dort bereits zum 100. Geburtstag von Loriot (1923-2011) gezeigt. Für die Neuauflage in Hannover wurde sie aus Platzgründen leicht gekürzt und dafür an anderer Stelle erweitert. So erhalten die Besucher nun etwa Einblicke in Loriots enge Freundschaft mit dem Zeichner Manfred Schmidt (1913-1999), dem Erfinder des Comic-Detektivs Nick Knatterton.

Loriot, der mit bürgerlichem Namen Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow hieß und aus brandenburgischem Adel stammte, wäre am 12. November 103 Jahre alt geworden. Die Ausstellung, konzipiert und kuratiert von Till Kaposty-Bliss und Thomas Kronenberg, folgt seiner Autobiografie „Möpse und Menschen“, die der Künstler 1983 vorlegte. Zu sehen sind 260 Exponate: Zeichnungen, Objekte, Plakate, Fotografien, Filmausschnitte und Modelle für Bühnenbilder – manches eher unbekannt. Präsentiert wird unter anderem das Original-Atomkraftwerk aus Loriots Fernseh-Sketch „Weihnachten bei den Hoppenstedts“ aus dem Jahr 1978.

Sein Humor ist zeitlos.

Herren im Bad Loriot
Loriot, Herren im Bad 1, 1978. © Studio Loriot, Frankfurt/Main

Dabei will das Museum dem Erfolgsgeheimnis auf die Spur kommen, das Loriots Kunst bis heute über die Generationen hinweg so ansprechend macht. „Loriot nimmt die Grundmuster des deutschen Verhaltens ins Visier“, sagt Jandl-Jörg, eine gebürtige Österreicherin. „Sein Humor ist zeitlos, solange die Deutschen so bleiben, wie sie sind: ernst, steif, regelfixiert und mit wenig Ironie ausgestattet.“ So wie der Tollpatsch im Restaurant, der seiner verehrten Hildegard endlich seine Zuneigung gestehen will und nicht merkt, dass ihm ein Stück Spaghetti an der Lippe klebt. Oder wie die beiden nackten Männer, die im Hotel zufällig in dieselbe Badewanne geraten sind und sich nun dort mit Männlichkeitsgesten und Dominanzgehabe gegenseitig überbieten – wie im Büro.

Die Ausstellung beleuchtet Loriots Studium von 1947 bis 1949 an der Landeskunstschule in Hamburg und zeigt seine frühen Werbegrafiken, mit denen er sich anfangs finanziell über Wasser hielt. Eines von zwei Stockwerken ist seinen Karikaturen gewidmet. Schon ab 1951 zeichnete Loriot für das Magazin „Stern“. Seine Cartoons über Hunde und Menschen sorgten damals für scharfe Proteste bei der Leserschaft, weil Loriot die Rollen vertauschte: Riesengroße Hunde führen dort Menschen an der Leine.

Später persiflierte Loriot die Ratgeber-Literatur der 1950er Jahre, indem er ihre gedrechselte Sprache imitierte und sie mit absurden Szenen verband. Und schon damals legte er mit diebischer Freude die Missverständnisse zwischen Männern und Frauen offen.

Lange bevor er zum Fernsehstar wurde, sei Loriot ein präziser Beobachter der Nachkriegsgesellschaft in Deutschland gewesen, erläutert Jandl-Jörg. „Seine Figuren erzählen von Menschen, die alles richtig machen wollen und gerade deshalb grandios scheitern.“ Loriot habe das genau beobachtet und dabei nie den Respekt vor seinen Figuren verloren.

Michael Grau