Bremer Priester betreibt Extremsport

„Bin ich verrückt?“

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Pawel Nowak, Radrennen
Nachweis

Foto: privat

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Endlose Weite: Pawel Nowak, allein auf dem Rad, noch weit vom Ziel entfernt 

Der Bremer Priester Pawel Nowak hat eines der härtesten Radrennen der Welt geschafft, einmal quer durch die USA. Er hat mit Hitze, Wind und Bergen gekämpft, kaum geschlafen – und die Strapazen genossen. Auch, weil sein Ziel mehr als nur sportlicher Art war.

11 Tage, 13 Stunden und 45 Minuten – mit dieser Zeit überquerte Pawel Nowak Ende Juni die Ziellinie in Atlantic City im US-Bundesstaat New Jersey. Erschöpft, müde, aber überglücklich, dass er gesund angekommen ist. „Bei einem Ultrarennen muss man nicht siegen, um zu gewinnen“, sagt er. „Ich wollte einfach nur dabei sein und die Strecke schaffen.“

Nowak (40) ist kein professioneller Rennradfahrer, der hauptberuflich Wettkämpfe bestreitet. Der gebürtige Pole ist katholischer Priester in der Bremer Pfarrei St. Marien. Im Juni hat er am Race Across America teilgenommen, einem der härtesten Radrennen der Welt. Die Teilnehmer fuhren vom kalifornischen Oceanside an der Westküste nach Atlantic City an der Ostküste: knapp 5000 Kilometer, 13 Bundesstaaten, über 52 000 Höhenmeter. Was für viele nach ungeheuren Strapazen klingt, ist für Nowak ein erfüllter Traum.

Extra vorbereitet hat er sich auf das Rennen nicht. „Ich mache kein Intervalltraining oder so etwas“, sagt Nowak. „Ich fahre einfach mit dem Rad.“ Seit gut zehn Jahren ist er regelmäßig rund um Bremen unterwegs. Zunächst kürzere Strecken, dann immer längere. Mittlerweile fährt er oft mehr als 100 Kilometer pro Tag. „Wenn ich Zeit habe, auch noch mehr“, sagt Nowak. „Ich liebe die Momente von Ruhe und Stille auf dem Rad.“

Pawel Nowak, Pause
Kurze Pause: Pawel Nowak in einem seiner Begleitfahrzeuge. Foto: privat

Davon hatte er während des Rennens durch die USA nur wenige. „In der ersten Nacht habe ich nicht geschlafen. Ich bin einfach nur gefahren“, sagt Nowak. Im Schnitt musste er jeden Tag rund 420 Kilometer schaffen – sonst hätte er Atlantic City nicht in den vorgeschriebenen zwölf Tagen erreicht. Doch Hitze, Gewitter und Gegenwind warfen ihn schnell zurück. „Schon zur Hälfte des Rennens war klar, dass ich knapp am Zeitlimit bin“, sagt Nowak. Er reduzierte seine Pausen. Nur noch zwei Stunden am Tag schlief er in einem seiner Begleitfahrzeuge. Auch für die Mahlzeiten gönnte er sich nun keine Pause mehr: Energieriegel und Gummibärchen, Tortillas und Omeletts aß er auf dem Rad. „Zum Schluss mochte ich Donuts auch ganz gerne“, sagt Nowak. Sein siebenköpfiges Team versorgte ihn mit allem, was er brauchte.

„Ich musste mich mit Eiswürfeln kühlen“

Auf der Straße aber war er allein. „Die Gegner trifft man zum Start und am Ende. Dazwischen teilt sich jeder sein Rennen selbst ein“, sagt Nowak. Auch mit Hindernissen musste er allein zurechtkommen. Drei Mal musste er Berge von über 3000 Metern erklimmen. Am zweiten Tag des Rennens fuhr er durch eineglühend heiße Wüste: „Da musste ich mich mit Eiswürfeln kühlen. Das war sehr schwierig.“ Mental sei die Strecke durch den Bundesstaat Kansas besonders herausfordernd gewesen, sagt Nowak: „Da ist alles flach. Ich sah nur Felder – und über hundert Kilometer geradeaus die Straße, die ich noch fahren musste.“ Er kämpfte mit dem Gegenwind und sah beim Blick auf den Tacho, dass die Zahl der Kilometer, die er noch schaffen musste, einfach nicht kleiner werden wollte: „Da habe ich mich schon gefragt: Warum mache ich das hier? Bin ich verrückt?“

Die Antwort fand er schnell: „Ich wollte dieses Rennen fahren. Ich wollte die Herausforderung und ich wollte es schaffen.“ Er habe seine Grenzen testen wollen, sagt Nowak: „Und vom Charakter bin ich so: Wer A sagt, muss auch B sagen.“

Er erlebte unterwegs auch schöne Momente – wenn er ein selbstgestecktes Tagesziel erreichte, wenn er doch einmal andere Fahrer traf, wenn Menschen am Straßenrand ihn anfeuerten. „Das hat wirklich Kraft gegeben“, sagt er. Auch sein Glaube half ihm: „Das ist für mich eine zusätzliche Motivation, meine innere Stärke. Ich habe einen an meiner Seite, der mit mir unterwegs ist. Ich habe eine Person mehr im Team, die zu mir steht.“

Letztlich hat er bei dem Rennen mit 18 Startern den siebten Platz erreicht. Damit ist er zufrieden. Zumal er mit seiner Teilnahme ein höheres Ziel verfolgt: Spenden sammeln für den Bremer Verein Trauerland. 9000 Euro sind inzwischen zusammengekommen. Damit werden Kinder und Jugendliche unterstützt, die um einen Freund oder Angehörigen trauern. „Durch meine Aktionen möchte ich solchen Projekten Aufmerksamkeit schenken“, sagt Nowak. Und er will andere Menschen motivieren, ebenfalls Gutes zu tun. 

Wann das nächste Rennen ansteht? Noch sei nichts konkret, sagt Nowak, und die Termine für Radrennen im nächsten Jahr seien noch nicht veröffentlicht: „Ich habe aber auch selbst einige Ideen für Touren, die ich gerne mal angehen möchte.“ Klar ist für ihn jedenfalls: „Ich höre nicht auf.“

Kerstin Ostendorf