Harry Potters christliche Botschaft
Die Macht der Liebe
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Seit vielen Jahren fasziniert Harry Potter die Massen.
Sieben Bände umfasst die Harry-Potter-Saga. Alle kann man auf eine Idee reduzieren. Auf den Kampf der Guten gegen den Bösen. Die Guten, das sind Harry und fast alle an der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei: die Schülerinnen und Schüler, die Professorinnen und Professoren, die Angestellten und Hausgeister. Gut, ein paar haben dunkle Züge, aber wenn es drauf ankommt, entscheiden sie sich für die richtige Seite.
Der Böse ist ein Mann, der wahrhaft teuflische Züge trägt. Er ist quasi ein gefallener Engel. Einst der herausragende Schüler Tom Riddle, später Lord Voldemort, dem es nur um eines geht: um Macht. Dafür geht er über Leichen und räumt Gegner und Unschuldige aus dem Weg.
Interessant ist, dass es Voldemort nicht nur um weltliche Macht oder gar Reichtum geht. Er will das haben, was niemand hat: die Macht über den Tod. Christen bekennen über Jesus: „Er hat den Tod besiegt.“ Genau das will Voldemort. Vol de Mort – Flug des Todes – so kann man seinen Namen aus dem Französischen übersetzen. Dem Tod für immer zu entfliehen, dafür setzt er all sein Können und all seine Brutalität ein. Und er verführt andere, ihm zu folgen. Verführer – schon in der Bibel ein Name für den Teufel.
Es gibt nur eine Schwäche, die der Teufel hat: Er versteht nichts von der Liebe, hält sie für dumm, für weichlich. Professor Dumbledore, Schulleiter in Hogwarts und optisch wie Gottvater gezeichnet, erklärt Harry einmal: „Voldemort hat niemals verstanden, was Liebe ist. Er hat nicht erkannt, dass Liebe eine Macht ist, die stärker ist als jede andere.“
Harry hingegen weiß das. Er lebt nur wegen der Macht der Liebe. Denn seine Mutter Lily hat sich für ihn geopfert: Sie warf sich dazwischen, als Voldemort den einjährigen Harry töten wollte. Er hatte gehört, dass ein Konkurrent geboren worden sei – ähnlich wie in der biblischen Kindermordgeschichte.
Lilys besonderer Schutz
Obwohl Lily bei dem Angriff starb, lebt sie in einer geistigen Welt weiter, hält Verbindung mit ihrem Sohn – und ist sein besonderer Schutz. Dumbledore erklärt Harry schon im ersten Band: „Deine Mutter starb, um dich zu retten. Wenn jemand aus Liebe für einen stirbt, hinterlässt das eine Spur. Diese Art von Schutz ist sehr stark.“
Erstaunlich stark, denn nach seinem ersten Geburtstag – dem Tag, an dem seine Eltern starben – hat Harry wenig Liebe erfahren. Dennoch liebt er: seine Freunde, aber auch die Freunde seiner Freunde, deren Familien, die Nahen und die Fernen und eigentlich alle, die seine Hilfe brauchen. Das macht ihn stark. Im fünften Band bereitet Dumbledore Harry auf den Kampf mit Voldemort vor und sagt: „Es ist deine Fähigkeit zu lieben, die dich auszeichnet. Trotz allem, was du erlitten hast, trotz allem Leid bleibst du fähig zu lieben. Das ist eine Macht, die Voldemort nie besaß.“
Im siebten Band kommt es zum Showdown. Voldemort hat alle Bösen der Welt um sich versammelt; alle, die zu feige sind, um dagegenzuhalten; alle, die ihre Seele verkaufen, um vom Glanz der Mächtigen etwas abzubekommen. Gemeinsam greifen sie Hogwarts an, den letzten Zufluchtsort der Guten. Wenn Hogwarts fällt, das ist klar, beherrscht der Teufel die Welt.
Der nächtliche Kampf ist blutig und erscheint aussichtslos. Harry geht an der Reihe derer vorbei, die gefallen sind: Freunde, Familie, Lehrer. Da macht Voldemort ein letztes Angebot: eine Stunde Waffenstillstand, um die Opfer zu bergen – und um Harry Potter auszuliefern. Dann würden alle anderen verschont. Keiner will diesen Deal. Nur Harry. So wie in der Bibel. „Wenn ihr mich sucht, dann lasst diese gehen“, heißt es bei der Gefangennahme Jesu.
Harrys Weg der Erlösung
Harry schleicht sich aus dem Schloss, dorthin, wo die gegnerische Armee lagert. Just in dem Moment, als die Stunde um ist, tritt er in den Feuerschein vor Voldemorts Angesicht. Unbewaffnet liefert er sich aus. Wehrlos. Voldemort feuert auf ihn. Ein grüner, tödlicher Blitz. Harry bricht zusammen. Um mit der Bibel zu sprechen: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh 15,13)
Harry findet sich im Jenseits wieder. Bei Dumbledore, der sich schon in Band sechs töten ließ, um andere zu retten. „Bin ich tot?“, fragt Harry verwirrt. „Das kannst du selbst entscheiden“, antwortet Dumbledore. Und erklärt, dass Harry die Wahl hat: Er kann es sich leicht machen und in dieser anderen Welt bleiben – oder den harten Weg zurückgehen zu seinen Freunden.
Natürlich geht Harry den Weg der Liebe und der Erlösung. Den Weg, den nur diejenigen gehen können, die sich selbst hingeben. Nur sie können das Böse besiegen. Folgerichtig wird der letzte Kampf ohne Waffen entschieden. Denn Liebe siegt nicht mit Gewalt. Sie siegt, weil der Hass sich selbst zerstört. Und weil der Teufel eben nicht Herr ist über das ewige Leben. Das ist Gott allein.
Nein, Harry Potter ist nicht Jesus und Joanne K. Rowling keine Evangelistin. Aber wenn junge Menschen aus den Büchern lernen, dass Liebe stärker ist als Hass, Freundschaft wichtiger als Ehrgeiz, Hingabe wichtiger als Eigennutz – dann ist das ein guter Grund, sie auch nach 25 Jahren zu empfehlen.