Mit Zuversicht und Gottvertrauen
Ein Nachmittag mit Paul Gerhardt
Foto: Paul-Gerhardt-Gesellschaft
Zum 350. Todestag von Paul Gerhardt im Jahr 2026 gab und gibt es viele Aktionen – nun auch in Meppen.
Fast 140 vor allem geistliche Lieder hat Paul Gerhardt geschrieben. Über 20 davon stehen im evangelischen Gesangbuch, fast zehn im gemeinsamen Gotteslob für das Erzbistum Hamburg sowie die Bistümer Hildesheim und Osnabrück. „Ich glaube, vielen Leuten ist gar nicht klar, wie oft wir im Kirchenjahr etwas von ihm singen“, sagt Wilfried Hagemann. Und dann nennt der Kirchenmusiker an der St.-Vitus-Gemeinde in Meppen nur einige, die er besonders schätzt. Angefangen zu Weihnachten mit „Ich steh an deiner Krippe hier“ über die Passionszeit mit „O Haupt voll Blut und Wunden“ bis in die Sommerzeit mit „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“. Und zumindest die ersten Strophen von „Nun danket all und bringt Ehr“ können viele Christen sicher noch auswendig.
Ein Nachmittag mit Texten und Liedern
Nicht nur das war Grund für die „Kirche in Meppen“ (KIM), die katholische Stadtpastoral, dem Theologen und Dichter in Erinnerung an seinen 350. Todestag in diesem Jahr einen Themennachmittag zu widmen. Mit seinen Liedern, mit passenden Texten und Impulsen sollen die Gäste in der Propsteikirche St. Vitus mehr von seinem Leben und Glauben erfahren – welches beides stets geprägt war von einer zeitlosen Hoffnung. „Da spiegelt sich ganz viel Zuversicht und Gottvertrauen wider“, sagt KIM-Leiterin Simone Paura, die mit ihrer Kollegin Schwester Ulrike Diekmann, mit Wilfried Hagemann sowie den Ehrenamtlichen Dietmar Schäfer und Martha Ortmann das Projekt vorbereitet hat.
An dem Sonntag werden die Gäste auch viel Biografisches hören. Paul Gerhardt wird 1607 in Gräfenhainichen (heute Sachsen-Anhalt) geboren. Er studiert Theologie und arbeitet später als lutherischer Pfarrer in Berlin, in Mittenwalde im heutigen Brandenburg und in Lübben im Spreewald, wo er 1676 stirbt und beerdigt wird. Schon vor Ende seines Studiums verfasst er sein erstes Gedicht. Später folgen zahlreiche Liedtexte, die viele Experten wegen ihrer Gefühlswärme und bildhaften Sprache würdigen. Gerade bei evangelischen Christen gelten sie als Ausdruck von tiefer Frömmigkeit und Dichtkunst.
Aber Simone Paura und Wilfried Hagemann finden seine Texte – mögen sie in unseren Ohren auch vielleicht etwas altmodisch klingen – für die Menschen von heute noch vielsagend. „Vieles darin ist absolut aktuell“, sagt Hagemann. Er nennt als Beispiel das Sommerlied „Geh aus, mein Herz“, das die Schöpfung in fast franziskanischem Sinne preist und diese Haltung mit der Hoffnung auf eine Zukunft bei Gott nach dieser Welt verbindet. Hoffnung ist nach Ansicht der KIM-Arbeitsgruppe ohnehin ein wichtiges Stichwort bei Paul Gerhardt – und das, obwohl er unmittelbar das furchtbare Leid des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) miterlebt hat. Seine Geburtsstadt wird zerstört, schon in jungen Jahren verliert er die Eltern und später den Bruder. Und in vielen Städten sieht er, wie unzählige Menschen an den Folgen des Konfliktes sterben.
„Das ist unsere Botschaft“
Das prägt ihn und sein Werk. Seinen Zeitgenossen will Gerhardt mit seinen Liedern und Gedichten Mut machen, will ihnen die Zuversicht geben, dass sie in all ihrem Leid immer auf Gott bauen und vertrauen können. Und diese Haltung, so glauben Paura und Hagemann, passt gut auch in die Gegenwart, die vielen Menschen als fragil, verwundbar und gespalten erscheint. „Natürlich ist nicht alles gut“, sagt Simone Paura. „Aber wir als Kirche können und müssen doch Hoffnung geben. Das ist unsere Botschaft.“
Das Team hofft, dass die Gäste am 27. September etwas von dieser Gerhardt’schen Hoffnung spüren und mit nach Hause nehmen. Und vielleicht bleibt dann manches Lied vom eigens gebildeten Projektchor oder selbst kräftig mitgesungen noch besser im Gedächtnis.
Der Nachmittag „Wenn Glaube singt“ beginnt am Sonntag, 27. September, um 16 Uhr in der Propsteikirche St. Vitus in Meppen (Am Domhof) und dauert eine knappe Stunde. Der Eintritt ist frei.