Auf ein Wort
Es genügt ein Senfkornglaube
Das Kirchenrecht, 1983 herausgegeben, wiegt als Buch in lateinisch-deutscher Fassung 904 Gramm. Der Katechismus der Katholischen Kirche in deutscher Übersetzung, 1993 veröffentlicht, bringt sogar 1060 Gramm auf die Waage. Zusammen sind das 1964 Gramm. Was für eine gewichtige Glaubenslehre! Ein Senfkorn dagegen wiegt 0,0007 Gramm. Das heißt: Es braucht etwa 1 291 428 Senfkörner, um das Kirchenrecht aufzuwiegen, und 1 514 285 Senfkörner für den Katechismus. Die Glaubenslehre der katholischen Kirche und deren Umsetzung mithilfe des Kirchenrechts bringt somit 2 805 713 Senfkörner auf die Waage.
So lautete die Rechnung, die mir ein Mitbruder präsentierte, als ich noch Student war. Ich muss etwas verdutzt geschaut haben. Er wollte mir vermitteln: Es braucht kein gewichtiges Glaubenskonstrukt, um Berge zu versetzen.
Die Jünger bitten Jesus: „Stärke unseren Glauben!“ Und er antwortet ihnen: „Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, würdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Entwurzle dich und verpflanz dich ins Meer! Und er würde euch gehorchen.“ (Lk 17,5–6)
Freilich ist die Rechnung gewagt. Sowohl der Katechismus als auch das Kirchenrecht sollen im Nachgang des Zweiten Vatikanum Orientierung geben, die Grundlagen des Glaubens beschreiben und schützen sowie Rechte und Pflichte ins Wort bringen. Und doch genügt ein Glaube, groß wie ein kleines Senfkorn, um etwas tief Verwurzeltes wie einen Maulbeerbaum in Gang zu setzen. Was traut Gott uns da zu?!