Auf ein Wort

Gebet hat viele Facetten

Gebet hat viele Facetten - davon berichtet unser Autor. Das Anzünden einer Kerze, das gemeinsame Schweigen bei einer öffentlichen Veranstaltung, der Spaziergang in der Natur.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International bereitet jeden Monat „Briefe gegen das Vergessen“ vor, die an Regierungen auf der ganzen Welt verschickt werden können. Täglich werden Menschen weltweit festgenommen, gefoltert und getötet. Sie brauchen unseren Schutz, unsere Solidarität und unser Gebet.

Seit Jahrzehnten versende ich Protestbriefe als mein Gebet, ganz im Sinne der Lesung aus der Apostelgeschichte: „Die Gemeinde aber betete inständig für ihn zu Gott.“ Sie beteten für Petrus, der zu Unrecht im Gefängnis war.

Gebet hat viele Facetten. Wenn ich eine Kirche betrete, zünde ich immer wieder Vertrauenskerzen an für Bekannte, die mit einer schweren Krankheit unterwegs sind, und für so viele Menschen in Not. Wenn ich staunend in der Schöpfung verweile, so werden die Bäume, die Vögel und der Himmel zu meinem Gebet. Mit anderen auf einem öffentlichen Platz für den Frieden zu schweigen, stärkt mein Vertrauen, dass auch ein schweigendes Innehalten weltweit die Friedenskraft verstärkt. Im Gottesdienst für-bittend unser Mitgefühl auszudrücken, ist eine Kraftquelle.

In der Apostelgeschichte wird auch erzählt, dass Jakobus hingerichtet und Petrus gerettet wurde – eine harte Realität. All unser Beten bewirkt vieles und es konfrontiert uns auch mit unserer Begrenztheit. Miteinander diese Spannung aushalten und zugleich eine unerwartete Begleitung der Engel nicht aus dem Blick zu verlieren, lässt uns hoffend-zweifelnd im Gebet verbunden bleiben.

Pierre Stutz