Kirchweihjubiläum

Im Geiste „Stockis“

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Eine Frau steht in einer Menschenmasse mit einem Strauß Blumen in den Händen.
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Foto: privat

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Der Besuch von Nobelpreisträgerin Mutter Teresa 1989 war ein herausragendes Ereignis in der Gemeinde.

Vor 70 Jahren wurde die Kirche St. Wilhelm im Stadtteil Bramfeld geweiht. Das Jubiläum, das am 6. Juni mit einem Fest gefeiert wird, fällt in eine Zeit, in der der Standort um seine Existenz kämpfen muss. Aber Zuversicht überwiegt.

Die Kirche St. Wilhelm im Hamburger Stadtteil Bramfeld. Foto: Matthias Schatz

„Geld galt ihm nicht viel“, sagt Klaus Lutterbüse mit seiner bedächtig leisen Stimme. „Er sagte auch immer: Geld hat man nicht, um es zu behalten, sondern um es weiterzugeben“, ergänzt Regina Kittel, die seit mehr als 70 Jahren der Gemeinde St. Wilhelm im Hamburger Stadtteil Bramfeld angehört. „Wir fühlen uns ihm immer noch verpflichtet“, sagt Carsten Tonn, der wie Regina Kittel dem Kirchenvorstand der Pfarrei Seliger Johannes Prassek angehört, zu der die Gemeinde heute zählt. Die Rede ist von Joachim von Stockhausen, den die drei Altvorderen der Gemeinde liebevoll „Stocki“ nennen. Er kam 1965 als Kaplan nach Bramfeld, wurde dort 1970 Pfarrer. Bis zu seinem frühen Tod mit nur 60 Jahren initiierte von Stockhausen Projekte, die die Gemeinde heute noch, wo sie ihr 70. Kirchweihjubiläum am 6. Juni von 13 Uhr an feiert, prägen.

Zum einen ist es Haus Emmaus, ein Ausflugsort insbesondere für Jugendliche in Schleswig-Holstein. Bis heute bietet es 28 Schlafplätze sowie eine Küche und Kapelle. Jedes Jahr am Ostermontag lädt die Gemeinde zum Emmaus-Tag, an dem vom nahen Kloster Nütschau aus zu dem Haus gewandert wird – in Erinnerung an das Emmaus-Erlebnis zweier Jünger, zu denen sich laut Evangelium nach Lukas Jesus am Tag der Auferstehung gesellte.

Ein weiteres Vermächtnis von „Stocki“ ist der Kreuzweg bei Kapelle 13 auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Dieser größte Parkfriedhof der Welt hat seinen östlichen Eingang nur einen viertelstündigen Spaziergang entfernt von St. Wilhelm. Geschaffen wurde er von dem Bildhauer Enigo Weinert, der zahlreiche sakrale Kunstwerke schuf, unter anderem für den Vatikan. Auch in St. Wilhelm sind mehrere Werke von ihm zu sehen, darunter eine Pietà. „Die katholische Symbolik sollte auf dem Friedhof greifbar werden“, erklärt Klaus Lutterbüse das damalige Anliegen.

Der „König von St. Pauli“ vermittelt

Ein drittes bleibendes Zeugnis Joachims von Stockhausen ist der Verein „Haus Betlehem“, der eine Stätte für Bedürftige und Obdachlose im Rotlichtviertel von St. Pauli unterhält. Ende der 1980er Jahre habe von Stockhausen Mutter Teresa in Rom getroffen, damit sie Schwestern ihres Ordens für solch eine Einrichtung entsenden möge, erinnert sich Regina Kittel. Daraufhin sei die Friedensnobelpreisträgerin am 4. April 1989 nach Bramfeld gekommen. Bei einer Autofahrt mit der Ordensgründerin durch die Stadt wurde schließlich St. Pauli als Ort für so eine Stätte auserkoren. „Von Stockhausen setzte sich danach mit Willi Bartels in Verbindung“, berichtet Klaus Lutterbüse, der damals mit im Wagen saß. Durch Vermittlung des „Königs von St. Pauli“ wurde eine Immobilie an der Budapester Straße 23 gefunden. Es war aber noch eine weitere Reise des Pfarrers und Lutterbüses nach Rom zu Mutter Teresa nötig, damit sie auch Schwestern ihres Ordens für das Haus abstellte.

Carsten Tonn (li.), Regina Kittel und Klaus Lutterbüse. Foto: Matthias Schatz

Vorausgegangen war dieser Blütezeit eine Aufbauperiode, die keineswegs erst mit der Kirchweihe am 4. Juni 1956 durch Weihbischof Johannes von Rudloff begann. Bereits 1938 hatte das Bistum Osnabrück das Grundstück am Hohnerkamp einer Gärtnerei abgekauft, um dort eine Kirche zu errichten. Durch den Zweiten Weltkrieg verzögerte sich dieses Vorhaben. Als Behelf wurde 1940 eine Kapelle in dem Wohnhaus der ehemaligen Gärtnerei eingerichtet. Erster Seelsorger war von 1941 an Pastor Gerhard Hawighorst. Der Standort zählte aber zur benachbarten Gemeinde St. Franziskus im Stadtteil Barmbek. Hamburger, die ihre Wohnungen durch Bombenangriffe verloren hatten, und später viele Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten strömten in den Folgejahren in Randbezirke der Millionenstadt, so auch nach Bramfeld. Dadurch stieg auch die Zahl der Katholiken.

Förderverein stärkt Zuversicht

Pfarrer Paul Alberti, seit 1951 für Bramfeld zuständig, wollte die Kirche „Heilig Geist“ nennen. Doch Prälat Msgr. Bernard Wintermann entschied, sie nach dem Namenspatron von Bischof Wilhelm Berning zu benennen. „Wintermann hatte ein schlechtes Gewissen“, sagt Klaus Lütterbüse. Denn er habe zuvor eine neue Kirche im benachbarten Stadtteil Poppenbüttel nach seinem eigenen Namenspatron benannt und nicht nach seinem Chef. So wurde schließlich die 1970 gegründete Pfarrei im angrenzenden Farmsen „Heilig Geist“ benannt. Sie ist aus einem Seelsorgebezirk St. Wilhelms hervorgegangen, also ein „Kind“ der Gemeinde.

Pfarradministrator Bernd Wichert, der in Nachfolge Joachims von Stockhausen bis 2003 Pfarrer in Bramfeld war, erlebt das Jubiläum in einer Zeit, in der St. Wilhelm um seine Existenz kämpfen muss. Denn wie die Standorte in Volksdorf und Rahlstedt ist die Kirche als Sekundärimmobilie eingestuft worden, muss also mit Ausnahme der pastoralen Dienste selbst für ihren Unterhalt aufkommen. „Wir sind aber ganz zuversichtlich“, sagt Carsten Tonn. Der Gottesdienst sei gut besucht, die Kita laufe gut. Zudem generiere die Gemeinde Einnahmen aus der Vermietung von Wohnungen und des Gemeindesaals. Im Kirchturm seien zudem Antennen von Telefongesellschaften montiert, für die ebenfalls eine Gebühr an die Gemeinde gezahlt werde.

Überdies hat die Gemeinde bereits seit 2003 einen Förderverein, der Spenden einwirbt. Mit dessen Hilfe konnte unter anderem die Pfarrwohnung hergerichtet und Haus Emmaus unterstützt werden. Es sei nicht das erste Mal, dass St. Wilhelm vor so einer existenziellen Herausforderung stehe, sagt Regina Kittel. „Aber wir haben es immer wieder hinbekommen, weiter zu existieren.“

Matthias Schatz