Glaubensgespräche

Wie Menschen der Kirche im Alltag begegnen

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Zwei Frauen unterhalten sich.
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Foto: Mira Enders

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Gemeindereferentin Ursula Ros bietet beim Projekt „Zwei Stühle“ einen Platz zur Begegnung an.

„Zwei Stühle – Nehmen Sie gerne Platz“ steht auf dem Schild, daneben ein Rollwagen mit einer LED-Kerze und einem Weihrauchgefäß. Auf einem der Stühle sitzt Gemeindereferentin Ursula Ros in liturgischem Gewand und wartet auf Menschen, mit denen sie ins Gespräch kommen kann.

Wie begegnen die Menschen der Kirche im Alltag? Das will die Gemeindereferentin in der Hamburger Pfarrei St. Maria mit ihrem Projekt „Zwei Stühle“ herausfinden. „Für das Projekt braucht es nicht viel“, erklärt sie. Ursula Ros ist in diesem Sommer in der Hansestadt unterwegs und sucht sich immer wieder neue Orte, an denen sie Menschen einen Platz anbietet und zum Gespräch einlädt.

Das liturgische Gewand, das sie trägt, hat sie bewusst gewählt, damit sie als Frau der Kirche erkennbar ist. Sie falle auf, fühle sich aber nicht angestarrt, sagt sie. „Ich glaube, dass ich so ungewöhnlich aussehe, das weckt das Interesse. Und wer sich traut, mich anzusprechen, der fragt als erstes: Darf ich mal fragen, was Sie hier machen?“, erzählt Ursula Ros.

Kirche muss aus den geschlossenen Mauern herauskommen

Für Ursula Ros gibt es zwei Anlässe für das Projekt. „Einerseits habe ich oft das Gefühl, dass wir zu viel hinter geschlossenen Mauern arbeiten. Das Pfarrhaus und das Büro sind weit weg von den Menschen. Und das passt nicht dazu, dass ich gerne für Menschen da bin“, sagt sie.

Der zweite Anstoß für das Projekt sei die Lektüre des Buches „Wenn nichts fehlt, wo Gott fehlt“ von Jan Loffeld gewesen. Darin beschreibt der Autor, dass die Gleichgültigkeit der Religion gegenüber in der Gesellschaft immer größer wird. „Ich wollte gerne wissen, ob das so ist. Deshalb habe ich beschlossen, mich in die Situation zu begeben, rauszugehen und mich erkennbar zu machen als Frau der Kirche und offen abzuwarten, was geschieht.“ Was sie erlebt, unterscheidet sich von Tag zu Tag. „Manchmal warte ich länger bis sich jemand traut, mich anzusprechen. Einmal hatte ich noch gar nicht aufgebaut, da hat mich schon der erste angesprochen. Das ist unterschiedlich“, erzählt Ursula Ros.

Das Projekt „Zwei Stühle ist ein Projekt der Begegnungen und lebt vom Austausch mit den Menschen. „In den Gesprächen geht es um das, was die Leute in dem Moment mitbringen. Nicht alle reden über Gott, aber manche“, so die Erfahrung von Ursula Ros. Und der Bedarf für Gespräche scheint da zu sein: Einmal hat sie sich zwei Stunden mit einer Frau unterhalten.

Das Projekt von Ursula Ros wurde vom Innovationsfonds des Erzbistums gefördert. Damit gehört es zu insgesamt zwölf Projekten, die das Erzbistum Hamburg in der aktuellen Vergaberunde mit einer Gesamtsumme von knapp 143 000 Euro ausgestattet hat. Die bewilligten Projekte erhalten jeweils Fördersummen von 300 bis 30 000 Euro.

Das Projekt lebt von den Begegnungen mit den Menschen

Das Projekt „Zwei Stühle“ ließ sich mit 300 Euro und damit mit der geringsten Fördersumme realisieren. Mit der finanziellen Unterstützung konnten der Rollwagen für den Transport, zwei Stühle und ein Ruhelicht gekauft werden.

Mit dem Innovationsfonds ermöglicht das Erzbistum Hamburg neue pastorale und soziale Initiativen. Die geförderten Projekte reichen von Bildungs- und Sozialprojekten über geistliche Formate bis hin zu kulturellen und digitalen Initiativen.

Katja Plümäkers

Informationen zu den Förderungen des Innovationsfonds gibt es unter www.innovationsfonds-erzbistum-hamburg.de im Internet. Kontakt Ursula Ros: ursula.ros@kathhw.de