Pilgern auf zwei Rädern
Interreligiöse Radtour im Emsland
Foto: Petra Diek-Münchow
Los geht's: Tanja Landgraf und Christoph Driever starten zur Radtour.
Tanja Landgraf zückt ihr Handy und hält es fix auf den QR-Code in der St.-Georg-Kirche in Thuine. „Das klappt, wie schön“, sagt sie und liest dann mit Christoph Driever, was die kleine Computergrafik über das Gotteshaus mit seinem romanischen Turm aus dem 12. Jahrhundert verrät. Zum Beispiel, dass St. Georg die einzige noch bestehende Simultankirche im Bistum Osnabrück ist – also von mehreren Konfessionen genutzt wird. Sie gehört zur katholischen Pfarreiengemeinschaft Freren-Thuine, aber die evangelischen Christen feiern dort noch Gottesdienste unter anderem am Karfreitag, Buß- und Bettag, gelegentlich auch bei Hochzeiten und Beerdigungen. „Das wissen sicher viele Leute so noch nicht“, meint Driever.
Christoph Driever leitet nicht nur den Pfarrgemeinderat, sondern gehört mit Tanja Landgraf aus der reformierten Kirchengemeinde Freren-Thuine auch zu einer achtköpfigen Projektgruppe. Und die hat eine interreligiöse Radtour konzipiert, bei der man alle sieben katholischen und evangelischen Kirchen der Region samt einem Kloster, dem jüdischen Friedhof und einem Gebetshaus entdecken kann. Der Rundweg führt auf 38 Kilometern von Thuine über Andervenne und Freren nach Suttrup-Lohe, Beesten und Messingen – immer entlang ausgeschilderter Radstrecken, meist abseits der Hauptstraßen durch kleine Bauernschaften entlang von Wiesen, Wäldern und Feldern. „Eine schöne Sache mal für einen Sonntagnachmittag“, meint Driever und schätzt die Zeit dafür auf gute drei Stunden ein, „wenn man sich Zeit nimmt und auch ein bisschen was erfahren will“. Wer mag, kann sich dabei an der Komoot-App orientieren, dort ist die Tour eingestellt.
Entspannte Auszeit oder Pilgertour
Die Idee dazu ist laut Driever schon in der Corona-Zeit entstanden, „da sind wir einfach mal alle Kirchen abgefahren“. Er brachte den Vorschlag für eine offizielle Radtour dann später wieder in die Gremien ein und gewann schnell weitere Engagierte dafür aus allen sechs Orten der Pfarreiengemeinschaft sowie der reformierten Kirche. Zusätzlich kooperierte der Arbeitskreis mit den Thuiner Franziskanerinnen und dem Arbeitskreis Juden-Christen. Und so können die Gäste jetzt auch eine Station einlegen bei der Klosterkirche in Thuine und dem jüdischen Gebetshaus in Freren, das in einer Dauerausstellung vom jüdischen Leben im Emsland vor 1938 erzählt. Dort, wie an allen anderen Orten, gibt es QR-Codes mit Informationen, Gebetsanregungen und Quizfragen für Kinder. „Das könnte so auch mal eine schöne Unternehmung für Familien sein“, sagt Tanja Landgraf.
Interessierte Radler können mit der Tour anfangen, wo sie wollen: ob nun bei der reformierten Kirche in Freren mit ihrem massigen Turm und dem idyllischen Areal rundherum oder bei der über 100 Jahre alten St.-Marien-Kirche in Suttrup-Lohe. Und auch die Gründe dürfen laut Tanja Landgraf gern unterschiedlich sein, „wir haben das bewusst niedrig schwellig angelegt“. Der eine mag Lust haben auf eine entspannte Auszeit mit ein paar historischen Informationen, die andere möchte daraus vielleicht eine Pilgertour machen: mit selbst gestalteten Impulsen oder sogar einer Andacht hier und da. „Jeder, so wie er oder sie möchte“, sagt Christoph Driever und kann sich das Angebot prima zum Beispiel für Frauenkreise, Kolpingsfamilien oder andere Gemeindegruppen vorstellen.
Am Ende hat er noch ein paar handfeste Informationen, die die Teilnehmer freuen mögen. Alle Strecken sind gut befahrbar – geteert, gepflastert oder geschottert. Unterwegs finden sich reichlich Schutzhütten für ein Picknick – und in mehreren Orten gibt es Cafés und Eisdielen für eine Rast. „Das ist auch nicht unwichtig“, sagt er mit einem Lächeln.
Weitere Informationen zur interreligiösen Radtour