Platt inne Kärke: Teil 4 über die Weidenkirche in Börger
Kärke unner freien Himmel
Fotos: Doris Brinker
Ein Dach aus grünen Blättern: die Weidenkirche in Börger.
Sei is aopen, naturnaoh un spirituell: Dei Weidenkärke in Börger. Dei „Macher“, dei düsse Kärke unner freien Himmel in‘t Läben roppt häbbt, könnt mit Stolt taurügge kieken, wat sück hier entwickelt häff.
Eine Stäe för Ruhe un Besinnung
Dei Idee entstünd vör twintig Joahren. Hermann Wintering, eine van dei „Macher“ van denn Hümmlinger Pilgerweg, was up eine Busreise mit dei Pfarrgemeinde up denn Weg naoh Santiage de Compostella. Hier sammelde hei Ideen för einen Pilgerweg up denn Hümmling. Hei woll eine Stäe för Ruhe un Besinnung schaffen. Wat laoter, up eine Pigerreise in’t Altmühltal, söch hei dann dät erste Maol eine Weidenkärke. So wat will wi an denn Hümmlinger Pilgerweg bauen, wassen siene ersten Gedanken. Ein Arbeitskreis „Hümmlinger Pilgerweg“ för düsse Aktion wör drock aowertügt. As erstes möss eine passende Stäe funnen weern. Denn Platz dei utsöch wörde, was tau dei Tiet noch eine Halde mit Müll, Strücker un Bauschutt. Doch nettakraot hier söll dei Weidenkärke stoahn.
Ein Glücksfall was dei Hölpe dör eine 72-Stunden-Aktion van dei Landjugend. Düsse kreg, ohne dät sei wüssen, wat ehr verwochtete, dei Order: eine Weidenkärke möss baut weern. Mit väl Einsatz un ein geschweißtet Gestell ut denn Metallbetrieb van dei Caritas-Wärkstäe- Börger, un väle ehrenamtliche Hölper, stönd in drei Daoge dät Grundgerüst.
Sietdem häff sück väl daon. Ein Arbeitskreis - dei Mitglieder (Hermann Wintering, Uli Geers, Hermann Plaggenborg, Rudi Schmitz, Alfons Kleine un Gerd Lübbers) kennt sück väle Joahrn -trefft sück jeden tweiden Freidag in dei Moante un pflegt dei Anlage.
Twei Krüse staoht unner dät Weidengeflecht
Besünners is, dat väle „Elemente“ in dei Weidenkärke eine eigene Geschichte vertellt. Dei ersten Fichtenbänke bünt döer Eickenbänke – herstellt van denn Arbeiskreis – uttusket woarn. Dei Böme häbbt Buren ut Börger un Dörpen spendet. Twei Krüse staoht unner dät Weidengeflecht: Dät eine ruht up einen Eikenstamm, funnen an einen Wägesrand, dät aonnere wörde inspiriert van ein Krüss an dei Ostsee un mit eine Dörnenkrone ergänzt. Dei Weltkugel, ähnlich as dät berühmte „Cruz de Ferro“ up denn Jacobsweg, laodt dei Besäüker un Pilger in, hier tau seggen, wat ehr up Hätte ligg. Denn Altar, ein groten Findling, stönd vörher up einen Burnhoff. Up dei Froage: “Wat wuss du doormit?“ segg Hermann Winterring schlicht: „Ick will üm tau’n Altar maoken.“ Dei Antwort: „Dann kanns du üm häm.“
Vandaoge is dei Weidenkärke nich bloss eine „spirituelle“ Stäe, nee, uck vör besünnere Anlässe. Immer mehr Paare laodt sück hier unner freien Himmel trauen (2025 veier Paare, 2026 bis nu drei Paare). Uck Lüe, dei in Trur bünt, könnt hier in dei Stille Trost finnen. Nett so, wi väle Pilger up denn Hümmlinger Pilgerweg, dei dei Weidenkärke anstürt. Besünners an Maria Himmelfoahrt is dei Weidenkärke för denn „Hümmlinger Wallfoahrtsverein“ faste verankert. Dei Börger Weidenkärke is all lange wiet oawer Börger bekannt. Süms usen ehemoaligen Bischof Franz-Josef Bode is dor wän un wass heller beeindruckt. „Dei Lüe maokt mit, wenn dät eine gaude Saoke is“, so segg denn Arbeitskreis.
Dei Weidenkärke steiht vandaoge as Symbol för Gemeinskup un Globen midden up denn Hümmling, ut eine Idee geborn, dör väle Hände wassen un van Hätten droagen.
Die Übersetzung auf Hochdeutsch:
Sie ist offen, naturnah und spirituell: die Weidenkirche in Börger. Die „Macher“, die diese Kirche unter freiem Himmel ins Leben gerufen haben, können mit Stolz zurückblicken auf das, was sich hier entwickelt hat.
Eine Stätte der Ruhe und Besinnung
Die Idee entstand vor über zwanzig Jahren. Hermann Wintering, einer der „Macher“ des Hümmlinger Pilgerweges, war auf einer Busreise mit der Pfarrgemeinde auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Hier sammelte er Ideen für einen Pilgerweg auf dem Hümmling. Er wollte eine Stätte der Ruhe und Besinnung schaffen.
Etwas später, auf einer Radtour ins Altmühltal, sah er dann das erste Mal eine Weidenkirche. So etwas an dem Hümmlinger Pilgerweg zu bauen, waren seine Gedanken. Ein Arbeitskreis „Hümmlinger Pilgerweg“ war schnell überzeugt. Als Erstes musste eine passende Stelle gefunden werden. Der gewählte Platz war zu der Zeit noch eine Halde mit Müll, Sträuchern und Bauschutt. Genau hier jedoch sollte die Weidenkirche stehen.
Ein Glücksfall war die Hilfe von einer 72-Stunden-Aktion der Landjugend in Börger. Sie bekam, ohne zu wissen, was sie erwartete, den Auftrag, eine Weidenkirche zu bauen. Mit viel Einsatz und einem geschweißten Gestell aus dem Metallbetrieb der Caritas-Werkstatt-Börger, und vielen ehrenamtlichen Helfern, stand in drei Tagen das Grundgerüst.
Seitdem hat sich viel getan. Ein Arbeitskreis Weidenkirche – die Mitglieder (Hermann Wintering, Uli Geers, Hermann Plaggenborg, Rudi Schmitz, Alfons Kleine und Gerd Lübbers) kennen sich seit vielen Jahren. Sie treffen sich jeden zweiten Freitag im Monat und pflegen die Anlage.
Zwei Kreuze stehen unter dem Weidengeflecht
Besonders ist es, dass viele „Elemente“ der Weidenkirche eine eigene Geschichte haben. Die ersten Fichtenbänke sind durch Eichenbänke ersetzt worden, hergestellt vom Arbeitskreis. Das Holz dazu wurde von Bauern aus Börger und Dörpen gespendet. Zwei Kreuze stehen unter dem Weidengeflecht: Das eine Kreuz ruht auf einem Eichenstamm, der am Wegesrand gefunden wurde. Das andere Kreuz wurde inspiriert von einem Kreuz an der Ostsee, es wurde mit einer Dornenkrone ergänzt. Die Weltkugel, ähnlich der berühmten „Cruz de Ferro“ auf dem Jakobsweg, lädt die Besucher und Pilger ein, ihre Herzensangelegenheiten hier niederzulegen. Der Altar, ein großer Findling, stand vorher auf einem Bauernhof. Auf die Frage: „Was willst du damit machen?“, sagte Hermann Wintering: „Ich will daraus einen Altar bauen.“ Die Antwort war: „Dann kannst du ihn haben.“
Symbol für Gemeinschaft und Glauben
Heute ist die Weidenkirche nicht nur eine „spirituelle“ Stätte, nein, auch für besondere Anlässe ist sie da. Immer mehr Paare lassen sich hier unter freiem Himmel trauen. (2025 waren es vier, 2026 bis jetzt schon sechs Paare.) Auch Menschen, die trauern, können hier Stille und Ruhe finden, genauso wie die Pilger auf dem Hümmlinger Pilgerweg, die die Weidenkirche besuchen. Besonders an Maria Himmelfahrt ist die Weidenkirche für den Verein „Hümmlinger Pilgerweg“ ein fester Bestandteil. Die Börger Weidenkirche ist schon lange, weit über Börger hinaus, bekannt. Selbst unser ehemaliger Bischof Franz-Josef Bode ist schon da gewesen und war beeindruckt. „Die Leute machen mit, wenn es eine gute Sache ist“, sagt der Arbeitskreis.
Die Weidenkirche steht heute als Symbol für Gemeinschaft und Glauben mitten auf dem Hümmling: Aus einer Idee geboren, durch viele Hände gewachsen und von Herzen getragen.
Bernd Büter
Maria Mönch-Tegeder, Bernd Büter, Hildegard Pool und Renate Fuest bilden mit Til Beckers den Arbeitskreis Platt inne Kärke. Seit vielen Jahren engagiert sich die Gruppe unter dem Dach des Emsländischen Heimatbundes dafür, der plattdeutschen Sprache im Kirchenraum mehr Gewicht zu verleihen. Lange schon schreiben die Mitglieder auch plattdeutsche Beiträge für die Kirchenzeitung. https://www.emslaendischer-heimatbund.de/projekte-und-taetigkeiten.html