Trauerseelsorge und gute Gespräche

Kaffeepause auf dem Friedhof

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Frauen an Stehtischen unterhalten sich in fröhlicher Runde
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Foto: Andrea Kolhoff

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In Alfhausen bieten Ehrenamtliche die "Kleine Pause auf dem Friedhof" an, zur Freude der Besucherinnen.

Der Friedhof als Treffpunkt bringt Menschen zusammen - manchmal zum Trauergespräch, oft zum gemeinsamen Kaffeetrinken. Und dabei entstehen gute Unterhaltungen.

Einmal im Monat lädt Cilly Buschermöhle zum Friedhofskaffee in Bersenbrück ein. Der Termin, montags um 10.30 Uhr, wird im Pfarrbrief angekündigt. Die meisten der Besucherinnen bringen ihre eigene Tasse mit, für neue Gäste hat Cilly Buschermöhle nicht nur Kaffee, sondern auch Tassen im Korb.  

Der Friedhofskaffee in Bersenbrück ist vor einigen Jahren aus einer Laune heraus entstanden. Cilly Buschermöhle, deren Mann vor über sechs Jahren verstorben ist, traf bei der Grabpflege stets dieselben Menschen auf dem Friedhof. Sie unterhielten sich gut, und irgendwann sagte jemand: Mensch, hast du nicht einen Kaffee dabei? Das brachte Buschermöhle auf die Idee, tatsächlich Kaffeerunden auf dem Friedhof anzubieten. Im Pfarrgemeinderat stellte sie ihr Vorhaben vor und fand eine Mitstreiterin in Ulla Mecklenfeld. Jede bringt eine Thermoskanne Kaffee von zu Hause mit. Mecklenfeld schenkt dann den starken Kaffee aus, Cilly Buschermöhle den koffeinfreien. 

Zwei Frauen halten Kaffeetassen in der Hand.. Beim Friedhofskaffee wird über vieles gesprochen, die erwachsenen Kinder, den jüngsten Urlaub oder den Sonntag, an dem manch einer die Decke auf den Kopf fiel. Viele der Anwesenden sind Witwen, so wie Carola Lohmann. Zum Friedhofskaffee geht sie gerne, „weil es nett ist, mit den anderen zu sprechen.“ Ihr Mann ist damals ganz plötzlich gestorben. Mit den Frauen aus dieser Runde kann sie sich darüber austauschen. Alle kommen zwanglos miteinander ins Gespräch. Cilly Buschermöhle bezeichnet ihren Friedhofskaffee als „allgemeines Angebot, das die Menschen zusammenbringt.“ Und sie sagt: „Es ist keine Trauerseelsorge. Es ist etwas gegen Einsamkeit.“

Um Geselligkeit geht es auch in Alfhausen, wenn Mitglieder des Pastoralausschusses sonntags auf dem Friedhof Kaffee und Tee anbieten. In den Monaten April bis Oktober laden sie alle vier Wochen zur „Kleinen Pause auf dem Friedhof“ ein. Die fröhliche Gruppe ist gleich zu sehen, wenn man den Friedhof betritt. Sie haben ihre Stehtische in der Nähe der Friedhofskapelle aufgebaut und sind für einige Alfhausener schon eine feste Anlaufstelle für einen Sonntagnachmittag geworden, den sie sonst allein verbringen würden. Hier gibt es die Gelegenheit zum Gespräch und ein Gebäckstück dazu. Wer für den Kuchen sorgt, macht das Organisationsteam vorher unter sich aus; an diesem Nachmittag hat Ulla Arlinghaus Muffins mitgebracht. 

Es kommen immer wieder auch Leute vorbei, die die kleine Pause auf dem Friedhof in Alfhausen noch nicht kennen. „Was macht Ihr denn hier?“ fragen zwei Frauen. Sie bleiben stehen, lassen sich einladen und eine von ihnen sagt: „Das ist aber schön!“ Über solch positive Resonanz freut sich Marion Schröder aus dem Vorbereitungsteam. Als Ehrenamtliche werde man durch positive Rückmeldungen belohnt. Manche der Gäste, die eigentlich nur kurz nach ihrem Grab schauen wollten, kommen untereinander gut ins Gespräch. Das freut die Organisatoren. Die Treffen dienten der Geselligkeit, so Marion Schröder. „Es geht nicht um Trauerseelsorge.“ 

Das ist in Quakenbrück anders. Hier gibt es auf dem katholischen Friedhof von St. Marien die „Bank der Begegnung“ und diese Bank ist tatsächlich für Trauergespräche vorgesehen. Es sind Einzelgespräche, die sehr intensiv sein können. Die InitiatiZwei Frauen sitzen auf einer Bank.ve zur „Bank der Begegnung“ kam 2021 von Gabriele Kuhlmann, die früher als Krankenhausseelsorgerin im Christlichen Krankenhaus Quakenbrück tätig war. Sie kennt viele derjenigen persönlich, die zur Grabpflege zum Friedhof kommen und sich auf der „Bank der Begegnung“ aussprechen möchten - darüber, wie sehr man seinen Mann vermisst; darüber, dass man seine Frau nicht vergessen kann oder darüber, wie schwer es ist, Menschen zu finden, die bei diesem Thema zuhören - auch nach Monaten oder Jahren noch, ohne dass es heißt: Du musst doch mal nach vorne schauen. Manche Trauernde möchten ihren Kummer lieber mit einer neutralen Person besprechen statt mit den Verwandten. 

Inzwischen befindet sich Gabriele Kuhlmann in der Freizeitphase ihrer Altersteilzeit, auf der Bank der Begegnung hat sie nun als Ehrenamtliche, als Mitglied des Hospizvereins, ein offenes Ohr für Trauernde. Seit 2023 wechseln sich die Trauerbegleiterinnen des Hospizvereins als Zuhörerinnen ab. Das Angebot besteht von Mai bis Oktober, jeweils freitags, und fällt nur bei starkem Regen aus.  

Die 92-jährige Christa Zöpfgen ist eine derjenigen, die stets nachschaut, ob die Bank der Begegnung besetzt ist. „Bis 11 Uhr sind die hier, ich gucke immer, ob jemand da ist, wenn ich auf dem Friedhof bin“, erzählt Zöpfgen. An diesem sonnigen Freitag setzt sie sich zu Gabriele Kuhlmann auf die Bank. Zöpfgen erzählt, dass ihr Mann hier auf dem Friedhof liegt. Er ist schon vor zehn Jahren verstorben. Sie vermisst ihn sehr. Mit Gabriele Kuhlmann kann sie darüber sprechen. 

Eine Frau sitzt draußen an einem gedeckten Kaffeetisch.Auf dem Friedhof in Schwagstorf bei Fürstenau wird schon seit acht Jahren ein Friedhofskaffee angeboten, als eine Einladung zur Begegnung. Zurzeit ist Barbara Middendorf diejenige, die den Friedhofskaffee  einzige im Team, spannt dann aber schnell ihren Mann mit ein, der dabei hilft, Bänke und Tische ins Freie zu schleppen.  Barbara Middendorf macht es Freude, eine richtige Kaffeetafel aufzubauen. Sie bringt einen selbst gebackenen Kuchen mit und legt Gedecke auf. Wieviele Menschen dann wirklich kommen, ist jedes Mal eine Überraschung.  „Einmal waren 14 Leute da“, erzählt die 59-Jährige. Der Friedhofskaffee findet oft an einem Montag statt, ab 14.30 Uhr. Es kommen auch viele Alleinstehende – an der Kaffeetafel entsteht Begegnung.  

 

Andrea Kolhoff