Was uns diese Woche bewegt

Kirche auf Seite der Armen

Image
kolhoff_editorial_kibo

Zu meinen Kindheitserinnerungen gehören die Besuche bei den reicheren Verwandten, wenn meine Tante ihre schicken Röcke oder Jacken vorführte. Es saß immer was Neues drin in den Wohlstandszeiten der siebziger Jahre. Ein schlechtes Gewissen brauchte man nicht zu haben: „Die alten Sachen geben wir Pater Beda“, sagte sie. Lange Zeit dachte ich als Kind, dass der Ausdruck, „etwas Pater Beda geben“ ein Synonym für „Altkleider wegbringen“ ist. Dass sich hinter diesem Pater Beda kein Service für meine Tante, sondern eine christliche Bewegung für die Armen Brasiliens verbarg, habe ich erst später erfahren.

Pater Beda, ein Franziskaner des Klosters Bardel, hat mit den Altkleideraktionen sehr viel mehr erreicht als Konsumenten ihre alte Kleidung abzunehmen. Weil er unermüdlich in Informationsveranstaltungen von den Lebensumständen in Brasilien berichtete, hat er ein Bewusstsein dafür geweckt, dass wir von den Früchten unseres Wohlstands abgeben können und sollten. Aus Gründen der Solidarität, aus christlicher Nächstenliebe, aus dem Wissen um die Verantwortung für die Menschen im globalen Süden.

Pater Beda ist vor zehn Jahren, am 16. August, im Alter von 80 Jahren gestorben. Der Verein „Aktionskreis Pater Beda für Entwicklungsarbeit“ setzt seine Arbeit fort, sammelt Spenden und unterstützt in Brasilien Bildungszentren, Frauenprojekte, Gemeinschaftsgärten und Solidarküchen und stärkt indigene Gemeinschaften. Nach wie vor gilt: Die Kirche ist auf der Seite der Armen.  

Andrea Kolhoff