Ausstellung im Museum Telgte
Kunst und Tierwelt
Foto: Stefan Branahl
Überraschung: Die komplette Geschichte von Biliam und seinem Esel, eine Lieblingsszene von Jutta Desel, entdecken Besucher erst, wenn sie ein Tuch zur Seite nehmen.
Die Taube gehört zu den bekanntesten Tieren der Bibel. Nach der Sintflut kehrt sie mit einem Olivenzweig zur Arche Noah zurück – das Zeichen für neues Leben und den Frieden zwischen Gott und den Menschen. Doch die Ausstellung „Tierische Abenteuer – Die Welt der biblischen Tiergeschichten“ im Telgter Museum RELiGIO beginnt mit einer überraschenden Korrektur dieses vertrauten Bildes: Noch vor der Taube schickt Noah einen Raben aus, um zu prüfen, ob die Wasser sinken.
Dass der Rabe heute weitgehend im Schatten der Taube steht, ist nur eine der Entdeckungen, die der Rundgang bereithält. Zwar richten sich viele Mitmach-Stationen an Kinder, doch auch Erwachsene finden hier weit mehr als ein Begleitprogramm. Die Ausstellung verbindet spielerische Elemente mit fundierten Informationen und einem leisen, immer wieder aufblitzenden Humor.
Schon die Vielfalt der Exponate weckt Neugier. Kunstwerke aus der eigenen Sammlung treffen auf Tierpräparate – vom schillernden Kugelfisch bis zum unerwarteten Pinguin. So entsteht ein farbiges Panorama, das biblische Überlieferungen mit heutigen Fragen nach dem Verhältnis von Mensch und Tier verknüpft. Ergänzende Tafeln erschließen die Tierwelt des Alten und Neuen Testaments und zeigen, wie selbstverständlich Tiere zur religiösen Vorstellungswelt gehörten.
Von wegen dummer Esel
Manche Beispiele überraschen. Im Buch der Sprüche gilt die Ameise als Lehrmeisterin der Klugheit: „Geh hin zur Ameise, du Fauler.“ Das Buch Hiob wiederum schildert mit dem Behemoth ein Geschöpf gewaltiger Kraft, hinter dem Forscher heute ein Flusspferd vermuten. Im selben Zusammenhang erscheint auch der Leviathan, ein geheimnisvolles Seeungeheuer – Sinnbild ungezähmter Natur.
Kuratiert wurde die Ausstellung von Jutta Desel, die eine Szene besonders schätzt. Auf einem farbenprächtigen Bild schlägt der Prophet Bileam zornig auf seinen Esel ein. Erst wer die verdeckte Bildhälfte aufdeckt, erkennt den Grund: Ein Engel versperrt den Weg und bewahrt Bileam vor dem Verderben. „Von wegen dummer Esel“, sagt Desel schmunzelnd, „laut Bibel erkennt er den Boten Gottes und kann sogar sprechen.“
Der Löwe begegnet den Besuchern gleich mehrfach – als Gegner Samsons oder in der Erzählung von Daniel in der Löwengrube. Auf Mutige wartet sogar eine begehbare „Höhle des Löwen“, hinter deren schwarzem Vorhang eine Überraschung wartet.
Am Ende wird deutlich: Die Tiere der Bibel sind weit mehr als dekorative Begleiter menschlicher Geschichten. Rund 120 bis 150 Arten werden namentlich erwähnt – von vertrauten Nutztieren bis zu exotischen Bewohnern der Wüstenlandschaften. Die Ausstellung macht sichtbar, wie eng religiöse Erfahrung und Naturbeobachtung einst verbunden waren. Sie lädt dazu ein, Tiere nicht nur als Ressource zu betrachten, sondern als Mitgeschöpfe in einer gemeinsamen Welt.
Die Ausstellung ist bis zum 30. August 2026 zu sehen und wird durch ein umfangreiches Begleitprogramm ergänzt. Telgte liegt zwischen Osnabrück und Münster. Informationen: museum-telgte.de