Aktion „Lichter für den Frieden“

„Nicht an den Krieg gewöhnen“

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Zeichen der Solidarität: Bischof Heiner Wilmer besucht die ukrainische Gemeinde St. Wolodymyr und 1000 Menschen versammeln sich auf Einladung unter anderem der Kirchen vor dem Rathaus in Hannover.


Lichter für den Frieden brennen auf dem Trammplatz in
Hannover. Ministerpräsident Stephan Weil spricht sich bei
der Veranstaltung für Waffenlieferungen an die Ukraine aus.

Es ist der Vorabend des Jahrestages des Angriffskrieges aus der Ukraine. Mit nachdenklichen Worten tritt Bischof Heiner Wilmer an den Ambo in St. Wolodymyr, der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche in Hannover-Misburg: „Ein furchtbares Jahr liegt hinter Ihnen, liegt hinter uns.“ Mehr noch, ein Ende der Kämpfe ist im Moment nicht abzusehen. „Sie alle sind von diesem menschlichen Grauen unmittelbar betroffen“, sagt Wilmer: „Viele kämpfen, andere sind geflohen.“  

Sehnsucht nach Frieden hat gewaltige Kraft

Einige haben in Hannover und Umgebung Schutz gefunden, „doch sind Sie fern der Heimat, fern von den Lieben.“ In der Heimat aber wird gekämpft, müssen Menschen in Bunkern ausharren, fallen Bomben, werden Babys geboren: „Immer noch fällt der Strom aus, immer noch gibt es manchmal nicht genügend Lebensmittel oder Wasser.“ Immer noch leben Menschen in Todesangst. Immer noch herrscht das Grauen.

Trotzdem wagt Wilmer einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft: „Weil die Sehnsucht nach Frieden eine gewaltige Kraft hat.“ Das mag naiv, vielleicht zynisch klingen. Aber da, wo Geflüchtete Schutz finden, werden Pläne für den Frieden geschmiedet: „Das heißt nicht, am Leid der vielen vorbeizusehen.“ Menschen im Krieg brauchen weiterhin Schutz und Hilfe jeder Art: „Darin dürfen wir nicht nachlassen.“

Aber gleichzeitig müssen alle diplomatischen Wege genutzt werden (siehe unten). Das gilt für die Verhandlungsmöglichkeiten der Politik: „Wir dürfen nicht bei den Waffen stehen bleiben, wir brauchen gute Worte und gute Gesten, damit das Töten endlich ein Ende hat.“

Diese Hoffnung kommt auch am Jahrestag des Angriffskrieges zur Sprache – bei einer Kundgebung, zu der der Deutsche Gewerkschaftsbund, der Freundeskreis Hannover, der evangelisch-lutherische Stadtkirchenverband und die Katholische Kirche in der Region Hannover aufgerufen haben. Der Leitgedanke: „Lichter für den Frieden“. Rund 1000 Menschen, darunter viele aus der Ukraine, versammeln sich vor dem Trammplatz vor dem Rathaus der Landeshauptstadt.

Solidarität schließt Waffenlieferungen ein

Für Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil darf sich niemand an diesen völkerrechtswidrigen Krieg gewöhnen: „Das ist ein Verbrechen, und in dem Moment, wo wir uns an diesen Krieg gewöhnen, gewöhnen wir uns an ein Verbrechen.“ Solidarität mit der Ukraine schließt für den Sozialdemokraten aber auch Waffenlieferungen ein. „Die Alternative dazu, keine Waffen zu liefern, ist ein Sieg Russlands“, sagt Weil: „Frieden kann es niemals geben in einer besetzten Zone.“
 


Bischof Heiner Wilmer gedachte in St. Wolodymyr der
Opfer des Krieges und forderte zu Friedensbemühungen
auf.

„Die Bilder des Krieges gehören nach einem Jahr zum schrecklichen Alltag“, unterstreicht Oksana Janzen vom Ukrainischen Verein Niedersachsen: „Schonungslos und grausam werden die Ukrainer von Russen getötet.“ Die Ukraine macht von ihrem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch: „Ein Jahr des Mutes des ukrainischen Volkes.“ Dieser Mut sei auch möglich durch die große Unterstützung für die Ukraine. Denn: „Gerechtigkeit für die Ukraine bedeutet Gerechtigkeit für die ganze Welt“, sagt Oksana Janzen, „die freie Welt wird siegen.“

Stadt und Region stehen an der Seite der Ukraine

Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) und Regionspräsident Steffen Krach (SPD) sagen den Geflüchteten weiter die ungebrochene Solidarität von Stadt und Region zu: „Wir stehen weiter an der Seite der Ukraine“, betonen beide. „Wir dürfen unsere Unterstützung nicht einstellen, nicht hier, nicht in anderen Bundesländern, nicht in Deutschland, nicht in Europa“, hebt Krach hervor.
Der evangelische Landesbischof Ralf Meister mahnt zu einem Moment des Innehaltens: „Wir haben keine Worte, wie man Frieden macht mit einem Diktator, der keinen Frieden will, sondern nur Zerstörung.“ Dennoch bleibe das Ziel ein gerechter Friede für die Menschen in der Ukraine.

Rüdiger Wala