Impuls zur Sonntagslesung am 1. Februar
Papst Franziskus sah in Seligpreisungen Weg zum Glück
Foto: kna/Cristian Gennari/Romano Siciliani
Papst Franziskus bei einer Generalaudienz im September 2020.
Selig ist ein unmodernes Wort. In manchen Bibeln steht deshalb „glücklich“. Papst Franziskus mochte das. Die Seligpreisungen, sagte er, seien nicht Gebote für die Superfrommen, sondern „ein Weg zum Glück“ für alle. Auch wenn sie nicht so klingen.
Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich
In unserer Welt, sagt Franziskus, muss man Erfolg haben, jemand sein. Das aber mache nicht glücklich. „Wenn ich jemand sein muss, dann stehe ich im Wettbewerb mit anderen und lebe in übertriebener Sorge um mein Ego. Dann hasse ich alles, was mir meine Schwäche in Erinnerung ruft.“ Das sei Stress pur. Glücklich hingegen seien die, die sich davon befreien können. Die wissen, dass sie vor Gott immer arm sein werden. Die das Gegenteil sind zu den stolzen Pharisäern mit ihrer zur Schau getragenen Frömmigkeit. Die nicht auf andere herabschauen, sondern zu Gott hinauf. Gehören Sie dazu?
Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden
Viele denken bei dieser Seligpreisung an die, die um einen lieben Menschen weinen. Franziskus rückt jedoch einen anderen Aspekt in den Mittelpunkt: die Tränen über sich selbst. „Wenn das Herz blutet über den Schmerz, Gott und den Nächsten verletzt zu haben.“
Ein Beispiel sei Petrus, der nach seiner Verleugnung Jesu bittere Tränen weinte. „Diese Trauer reinigt, sein Herz wurde erneuert.“ Denn: „Gott vergibt immer, auch die schlimmsten Sünden. Vergessen wir das nicht!“ Tröstlich sei, zur eigenen Schuld zu stehen und Vergebung zu finden. Diese Menschen werden glücklich. Gehören Sie dazu?
Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben
Sanftmütig, sagt Franziskus, seien die, die „freundlich, gütig, liebenswürdig, gewaltlos“ sind. So werde man glücklicher als durch Kampf und Streit. Das Land, das die Sanftmütigen erben werden, versteht er bildlich. Jesus sei es nicht um Geografie gegangen, sondern um das praktische Miteinander. So sagt Franziskus: „Es gibt kein schöneres Land als das Herz des anderen, es gibt kein schöneres Gebiet zu gewinnen als den Frieden mit einem Bruder. Und das ist das Land, das nur mit Sanftmut zu erben ist!“ Haben Sie so eine Erbschaft schon gemacht?
Selig, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden
Natürlich ist es gut und richtig, nach Gerechtigkeit zu hungern und zu dürsten. Aber Franziskus findet, dazu passe der Satz „… sie werden gesättigt werden“ nur eingeschränkt. Denn der sei passiv, für Gerechtigkeit auf Erden müsse man sich aktiv einsetzen. Franziskus bezieht Hungern und Dürsten auf Gott, über den es heißt: „Dich suche ich, es dürstet nach dir meine Seele“ (Psalm 63). Und auf den Hunger „nach Liebe, nach Zärtlichkeit, nach Annahme“, ohne die ein glückliches Leben nicht möglich ist. Franziskus sagt: „Jesus verkündigt in dieser Seligpreisung, dass es einen Durst gibt, der nicht ungestillt bleiben wird; einen Durst, der, wenn man ihm nachkommt, gestillt werden und immer zu einem guten Ende kommen wird.“ Haben Sie diesen Durst?
Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden
Nett zu sein, ist immer auch ein bisschen Eigennutz: Wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es eben wieder heraus. Auch die Evangelien durchzieht die Wechselseitigkeit des Guten, sagt Franziskus. „Jesus sagt: Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden! Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden! Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden!“ Und im Vaterunser steht: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern (Matthäus 6,12).
Nötig, sagt Franziskus, haben wir das Erbarmen unserer Mitmenschen alle. „Jeder Mensch weiß, dass er nicht der Vater oder die Mutter ist, der oder die er sein sollte, der Ehemann oder die Ehefrau, der Bruder oder die Schwester, der oder die er sein sollte. Wir alle stehen im Defizit. Und wir brauchen Barmherzigkeit.“ Glücklich sind die, die sie schenken und geschenkt bekommen. Gehören Sie dazu?
Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen
Gott schauen macht glücklich. Und Franziskus meint: Das kann man auch im Hier und Jetzt. Voraussetzung: sein Herz aufräumen. Reinigen von allerlei Müll und Kram und „Platz für Gott schaffen“. Auf Erleuchtung oder Ekstase warten muss man dann nicht. Gott zu schauen, geht viel irdischer: „Gott zu sehen, bedeutet, seine Gegenwart in unseren Brüdern und Schwestern, besonders in den Armen und Leidenden, zu erkennen.“ Haben Sie das schon mal?
Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden
„Wenn man auf Hebräisch ‚Shalom‘ wünscht“, sagt Franziskus, „dann wünscht man ein schönes, erfülltes Leben im Wohlergehen, aber auch in Wahrheit und Gerechtigkeit.“ Das bedeutet nicht, dass es keine Auseinandersetzungen gibt, der Frieden ist kein billiger, manchmal ist er sogar hart erkämpft. Und er kommt nur mit Gottes Hilfe. „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“, sagt Jesus in den Abschiedsreden. So betont Franziskus: „Friede ist ein Zeichen der von Christus empfangenen Gnade: Er ist unser Friede und hat uns zu Kindern Gottes gemacht.“ Fühlen Sie sich wie eines?
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; ihnen gehört das Himmelreich
Nein, verfolgt zu werden, ist kein Weg ins Glück. Andererseits, so sagt Papst Franziskus, ist es auch nicht unwahrscheinlich: „Die Welt mit ihren Götzenbildern, ihren Kompromissen und ihren Prioritäten kann die Armut, die Sanftmut oder die Reinheit nur ablehnen und das evangeliumsgemäße Leben nur zum Irrtum oder Problem erklären, zu etwas, das an den Rand gedrängt werden muss.“ Das muss nicht Verfolgung bis aufs Blut sein – Ablehnung und Verachtung sind auch schwer zu ertragen. Aber, zitiert Franziskus: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?“ (Markus 8,36) „Viel!“, würden viele sagen. Was sagen Sie?