Ostern in Zeiten der Kriege
Papst ruft zu Frieden auf
Foto: Vatican Media/Romano Siciliani/KNA
Viele Blumen bei der Ostermesse mit Papst Leo XIV. am 5. April 2026 im Vatikan.
Mit Aufrufen zu Hoffnung und Frieden haben Christen in aller Welt am Sonntag das Osterfest begangen. Sowohl der Konflikt im Nahen Osten als auch der fortdauernde Krieg in der Ukraine waren dabei Thema in den diesjährigen Osterbotschaften.
Papst Leo XIV. ermunterte bei seinem ersten Osterfest als Kirchenoberhaupt zu Hoffnung. Die Abgründe des Todes lauerten überall, man begegne ihnen in der Gewalt, in den Wunden der Welt, in dem Schmerzensschrei, der von überall her aufsteige, angesichts der Kriegsgewalt und der Profitgier, so Leo XIV. in seiner Predigt vor tausenden Menschen auf dem Petersplatz. "Es ist aber auch gewiss, dass mitten in der Dunkelheit immer etwas Neues aufkeimt, das früher oder später Frucht bringt." Das Osterfest lade dazu ein, den Blick zu erheben und die Herzen zu öffnen.
Papst Leo XVI.: "Legt die Waffen nieder!"
Im Anschluss an die feierliche Messe spendete Leo den Papstsegen "Urbi et orbi" (Der Stadt und dem Erdkreis) und äußerte Ostergrüße in verschiedenen Sprachen. Dabei rief er eindringlich zu Frieden auf. "Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder! Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden! Nicht für einen Frieden, der mit Gewalt erzwungen wird, sondern durch Dialog!"
Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, mahnte mit Blick auf die Situation im Heiligen Land, dass "zu viele Gräber durch Hass, Gewalt und Vergeltung erneut ausgehoben" würden. Aktuell scheine es, als würde Jesus jedes Mal wieder in ein Grab gelegt, "wenn wir glauben, dass der Tod das letzte Wort über die Geschichte hat, jedes Mal, wenn wir uns der Logik des Feindes fügen, jedes Mal, wenn wir einen bewaffneten Waffenstillstand 'Frieden' und die Berechnung von Schäden 'Gerechtigkeit' nennen", so der italienische Franziskaner laut Manuskript in seiner Osterpredigt in der Grabeskirche. Die zentrale Auferstehungsmesse fand aufgrund kriegsbedingter behördlicher Einschränkungen hinter verschlossenen Türen im Kreis der in der Kirche lebenden Ordensleute statt.
Wilmer: Ostern ist "Rebellion gegen Tod."
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, sieht im Osterfest "eine Rebellion gegen den Tod". Die Auferstehung sei eine "skandalöse Idee; man muss schon ein wenig verrückt sein, um das zu behaupten." Sie stelle eine bewusste Gegenposition zu Hoffnungslosigkeit dar, so der Hildesheimer Bischof in seiner Osterpredigt. Die christliche Botschaft widerspreche der Vorstellung, dass das Leben mit dem Tod ende. Wilmer, der im Juni als Bischof nach Münster wechselt, ermutigte die Christen, auch in schwierigen Lebenslagen an dieser Hoffnung festzuhalten.
Der Münchner Kardinal Reinhard Marx kritisierte den Missbrauch von Religion zur Rechtfertigung von Gewalt und Krieg scharf. Es sei eine "schamlose Gotteslästerung", wenn der sogenannte US-Kriegsminister Pete Hegseth dafür bete, dass jede Kugel im Iran-Krieg ihr Ziel treffe, sagte der Erzbischof in seiner Predigt am Ostersonntag. Gleiches gelte für die Aussage von Kyrill I., dem orthodoxen Patriarchen von Moskau, der den von Russland begonnenen Angriffskrieg gegen die Ukraine als einen "Heiligen Krieg" bezeichne.
Auch der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hob die Friedensbotschaft von Ostern hervor. Das Leiden in der Ukraine, im Libanon, in Palästina und andernorts sei unübersehbar. In dieser Situation sei Ostern, mit der Auferstehung Jesu als Friedenssieg, hochaktuell, so der Erzbischof.
Die neue Erzbischöfin von Canterbury, Sarah Mullally, stellte den Nahostkonflikt ins Zentrum ihrer Osterbotschaft. Christen sollten "beten und mit erneuter Dringlichkeit für ein Ende der Gewalt und Zerstörung im Mittleren Osten und am Golf aufrufen", sagte das geistliche Oberhaupt der Church of England in ihrer Osterpredigt. Mullally wurde erst in der vergangenen Woche als 106. Erzbischöfin von Canterbury eingeführt. Sie ist die erste Frau in diesem Amt.