Braunschweiger Klinikum

Raum der Stille ist wieder offen

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Eine Frau und ein Mann stehen in einer Kapelle.
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Foto: Sabine Moser

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Klinikseelsorgerin Maria Schulze und Klinikseelsorger Gregor Doege stehen im „Raum der Stille“ zwischen der goldenen Nische und der ausdrucksstarken Holzskulptur „Neige deines Herzens Ohr“ von Walter Green Foto: Sabine Moser.

Frisch renoviert präsentiert sich der „Raum der Stille“ im Klinikum am Standort Salzdahlumer Straße in Braunschweig. Es ist ein Raum zum Innehalten, Beten und Nachdenken.

Nach einer umfassenden Renovierung im vergangenen Jahr steht die Tür zum „Raum der Stille“ im Klinikum Braunschweig am Standort Salzdahlumer Straße nun wieder weit offen. „Er ist ein Ort der Ruhe mitten im Krankenhaus. Hier kann man innehalten, beten, nachdenken oder einfach mal für sich sein“, freut sich Klinikseelsorgerin Maria Schulze. „Der Raum ist gerade auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter da, damit sie einen Ort haben, wo sie Ruhe finden können“, findet Gregor Doege. Außerdem rege der Raum an, über existentielle Fragen zu sprechen. Der katholische Klinikseelsorger Doege ist neu im Team der ökumenisch aufgestellten Seelsorge im Klinikum.

Entstanden ist der neu gestaltete Raum in enger Zusammenarbeit von Architekten, den Klinikseelsorgerinnen Ulrike Krupp, Astrid Berger und Maria Schulze, Ingenieuren, einer Künstlerin und den Handwerksbetrieben. Das Ergebnis ist gelungen, die Seelsorgerinnen konnten sich schon über zahlreiche positive Rückmeldungen von Mitarbeitenden und Patientinnen und Patienten freuen.

„Materialien, Farben und Licht, der halbdurchsichtige Raumteiler und nicht zuletzt die Holzskulptur harmonieren und ergänzen sich und schaffen eine freundliche, feierliche Atmosphäre“, sagt die Architektin des Klinikums, Dagmar Giebel. Finanziert wurde die Neugestaltung gemeinsam vom Klinikum Braunschweig, der Evangelisch-lutherischen Propstei Braunschweig und dem Bistum Hildesheim.

„Gold steht in allen Religionen dafür, was mir heilig ist“

Ein Blickfang ist die goldene Nische. „Gold steht in allen Religionen dafür, was mir heilig ist“, sagt Schulze. Ebenso eindrucksvoll ist die großflächige Wandgestaltung der Braunschweiger Künstlerin Elke Wagner. Ihre „Lichtspuren“ unterstreichen neben dem Gold den spirituellen Charakter des Raumes. „Mit den Lichtspuren habe ich einen stillen Resonanzraum gestaltet. Fotografisch erzeugte Farb- und Lichtfelder verbinden sich mit algorithmischen Linien zu einer offenen Spiritualität, die Geborgenheit schenkt und individuelle innere Wege zulässt“, erzählt Wagner. Die Holzskulptur „Neige deines Herzen Ohr“ wurde vom Bildhauer Walter Green geschaffen. Sie zeigt, wonach Menschen sich sehnen: „Es schaut mich jemand an und bleibt bei mir, wenn es mir nicht gut geht“, sagt Seelsorgerin Schulze.

Der „Raum der Stille“ ist offen für Patienten, Angehörige und Mitarbeitende im Klinikum. „Es ist schön, dass sich in diesem Raum alle Menschen willkommen fühlen, ganz gleich welcher Religion oder Weltanschauung sie anhängen“, findet Seelsorgerin Astrid Berger. So gibt es hier neben Bibeln und Gesangbüchern auch Korane und Gebetsteppiche für Muslime. Daneben können Besucherinnen und Besucher eine Kerze anzünden oder ihre Gedanken und Gebete in ein Gästebuch schreiben. Eine Patientin schreibt dort: „Danke für diesen Raum, der mir nach einer schlimmen Diagnose durch die Nacht hilft. Ich fühle mich plötzlich nicht so einsam.“ Eine andere: „So ein geschützter Raum, der auf den ersten Blick keine Funktion hat, tut den Menschen im Krankenhaus gut. Da ist Platz für mehr als meine Erkrankung.“

„Was hier entstanden ist, empfinde ich als Refugium der Stille – eine Oase, die mit großer Sorgfalt erneuert wurde. Der Raum öffnet den Blick, schafft Klarheit und inspiriert“, sagt Sabine Schütz, Stationsleitung im Klinikum. Auch Mitarbeitende lädt der „Raum der Stille“ zu einer Pause ein. Sie tragen eine hohe Verantwortung für das Leben anderer. Der Umgang mit verschiedenen Menschen und Erkrankungen ist hochanspruchsvoll und braucht viel Professionalität, Empathie und Flexibilität. In Notsituationen müssen die eigenen Bedürfnisse hinter denen der Patientinnen und Patienten zurückgestellt werden. Das kann Körper und Seele belasten. „Hier im Raum der Raum der Stille können sie durchatmen, Schweres und Belastendes lassen und dann wieder weitergehen“, erklärt Klinikseelsorgerin Krupp.

Sabine Moser