Was uns diese Woche bewegt

Raus aus der Komfortzone

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Die Autoproduktion im VW-Werk Osnabrück endet im nächsten Jahr. Stattdessen sollen dort künftig Rüstungsgüter produziert werden. Die Aufregung ist groß. Scharfe Kritik kommt von der katholischen Friedensbewegung Pax Christi, Regionalverband für die Bistümer Osnabrück und Hamburg: Dies sei ein weiteres trauriges Kapitel der Friedensstadt, „kriegstüchtig“ zu werden, heißt es. 

Vorweg: Ein Rüstungsbetrieb in meiner unmittelbaren Nachbarschaft – dieser Gedanke behagt auch mir nicht. Ich wünschte mir weiterhin eine Autoproduktion oder eine andere zivile Nutzung. Ich wünschte mir außerdem, die Komfortzone der friedlichen Jahre nicht verlassen zu müssen. Die Realität ist leider eine andere. Die schrecklichen Bilder und Berichte aus der Ukraine, aus Israel und Gaza machen deutlich: Krieg ist eine Katastrophe. Immer. Für alle Menschen.

Und dann kommt Verteidigungsminister Boris Pistorius und sagt: Damit uns das nicht passiert, muss Deutschland „kriegstüchtig“ werden. Ein drastisches Wort. Gerade für uns Deutsche, die wir die eigene Kriegsgeschichte als Verpflichtung für den Frieden begreifen. Aber es ist nur scheinbar ein Widerspruch.

Pistorius hätte auch das leichter verdauliche „verteidigungsfähig“ wählen können. Denn nichts anderes meint kriegstüchtig: auf einen bewaffneten Konflikt oder militärischen Angriff vorbereitet zu sein und sich im Ernstfall erfolgreich verteidigen zu können. Längst leben wir wieder in Zeiten eines neuen Kalten Krieges. Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat gezeigt, dass die Friedensdividende der vergangenen Jahrzehnte nur ein Friedensdarlehen war. 

Ich schätze Pax Christi schätze sehr, seitdem ich vor vielen Jahren die deutsche Vizepräsidentin Gisela Wiese und ihre Versöhnungsarbeit kennenlernen durfte. Wir brauchen pazifistische Positionen, die mäßigend wirken und zum Nachdenken anregen. Auch Kritik an einem möglichen Rüstungsstandort im Osnabrücker Stadtteil Fledder ist legitim. 

Was mich enttäuscht, ist ein gewisser Realitätsverlust der Friedensbewegung heute. Man wird nicht müde, dem eigenen Land, das sich in einer nie dagewesenen Bedrohungslage befindet, Kriegslüsternheit vorzuwerfen. Man lädt beispielsweise die ehemalige Moskau-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz ein, die fragwürdige, nicht faktenbasierte Thesen zu Russland und der Ukraine verbreitet. 

Wenn es um den Frieden in Europa geht: Wie wäre es mit einem anhaltenden Pax-Christi-Protest gegen den Kriegstreiber Putin? Mit der Forderung, dass Russland zurückkehrt in seine Grenzen von vor dem Überfall auf die Ukraine. Das hätte meinen Respekt.

Anja Sabel