Unterwegs im Bistum Limburg
Sternsinger bringen den Segen
Foto: Christa Kaddar
Die Kinder in Erbach verzieren ihre Sternsinger-Kronen.
„Das sind streng limitierte Sternsinger-Kronen“, versichert der achtjährige Lio aus Eltville-Erbach, während er seine Krone mit Glitzersteinchen dekoriert. Hier im katholischen Pfarrzentrum St. Markus haben sich die Kinder zu einem Vorbereitungstreffen mit Julia Wissig getroffen. In kleinen Gruppen basteln die Kinder Kronen, die Wissig beim Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ bestellt hat. Die Kinder probieren Gewänder an, lernen Lieder und lesen Segenssprüche, die sie an den Haustüren aufsagen und singen werden. Die Vorfreude, als Könige durch Erbach zu ziehen, ist vielen Kindern schon anzumerken.
Für die Sternsingeraktion, die an den ersten beiden Januar-Wochenenden stattfindet, haben sich rund 30 Kinder angemeldet. Der Stadtteil Erbach hat etwa 3400 Einwohner. „Wir haben genug Kinder, um jedem Haus den Segen zu bringen“, sagt Julia Wissig, die in Erbach aufgewachsen ist. Mit einer kurzen Unterbrechung leitet sie seit ihrer Jugendzeit die Sternsinger-Aktion in Erbach ehrenamtlich und wird dabei seit ein paar Jahren von ihrer inzwischen 21-jährigen Tochter Johanna unterstützt. „Das ist mir eine Herzensangelegenheit. Es ist einfach schön, dass wir selbst Freude daran haben, den Segen zu den Menschen zu bringen. Auch Menschen, die nichts mit der Kirche am Hut haben, freuen sich darüber“, sagt Julia Wissig. „Für die Kinder ist es zwar anstrengend, aber es macht ihnen auch Freude, und sie wissen, dass sie mit dem gesammelten Geld anderen Kindern Gutes tun.“ Die Süßigkeiten, die sie an den Türen erhalten, sind natürlich eine zusätzliche Belohnung.
Johanna Wissig macht mit, seit sie acht Jahre alt ist. Das ist das übliche Einstiegsalter bei den Sternsingern. Immer mal wieder sind auch jüngere Geschwisterkinder dabei. Die Konfession spielt keine Rolle. „Manchmal werden wir von den Leuten mit Essen und Trinken empfangen“, sagt sie. „Die meisten freuen sich, wenn wir kommen. Nur wenige schicken uns weg. Das ist dann traurig für die Kinder.“ Sie findet es super, dass Hannah Fillmann, die auch bereits im Alter von acht Jahren als Sternsingerin unterwegs war, heute mit 16 Jahren als Betreuerin bei den Vorbereitungen mit anpackt und die Gruppen beim Dreikönigssingen begleitet. „Es wäre gut, wenn sich noch ein paar mehr Jugendliche als Gruppenbetreuerinnen und -betreuer finden würden“, sagt Johanna Wissig.
Ehrenamtliche in den Gemeinden organisieren das Sternsingen
Eine solche Fülle wie in Erbach gibt es nur noch in wenigen der zwölf Kirchorte der Pfarrei St. Peter und Paul Rheingau. Es gibt keine hauptamtlichen Koordinatoren für die Sternsinger. In einzelnen Orten fehlen die Sternsinger, was auch darauf zurückzuführen ist, dass sich die hessischen Winterferien über die ganze zweite Januarwoche erstrecken und Eltern deshalb häufiger als früher mit ihren Kindern verreisen können. Alle Kirchorte versuchen jedoch, sich nach vorheriger Anmeldung um den Segen an den Haustüren zu kümmern, und legen Anfang Januar auch gesegnete Aufkleber zum Mitnehmen in den Kirchen aus.
In der Pfarrei Heilig Kreuz Rheingau ist Pastoralreferentin Beate Hollingshaus die hauptamtliche Ansprechpartnerin für alle 13 Kirchorte. „Manche bringen den Segen schon ab dem 27. Dezember an die Haustüren. Das Dreikönigssingen erstreckt sich in unserer Pfarrei bis zum 18. Januar“, sagt sie. Ihr ist es wichtig, für alle da zu sein. Zum Auftakt der Sternsingeraktion hatte Hollingshaus gemeinsam mit Julia Wissig Kinder und Erwachsene aus beiden Rheingauer Pfarreien in den Kirchort Eibingen eingeladen. „Wir haben uns den Film ‚Willi in Bangladesch‘ angeschaut, der das Motto ‚Schule statt Fabrik‘ anschaulich macht“, erklärt Hollingshaus. Mit diesem Film wird den Kindern am Beispiel Bangladesch nahegebracht, dass sie mit den gesammelten Spenden etwas bewirken können.
Im Rheingau ist es noch relativ neu, dass sich Interessierte in Listen registrieren müssen, um den Segen der Sternsinger zu bekommen. Im Raum Frankfurt ist das schon seit Jahrzehnten üblich. „Ich bin 50 Jahre alt und bin als Kind schon in Oberursel nach Listen gelaufen“, erinnert sich Stefanie Seubert. Weil sie selbst eine begeisterte Sternsingerin war, liegt ihr dieses Thema auch jetzt als Gemeindereferentin in Frankfurt Nied am Herzen. „Wir haben rund 20 Sternsinger ab dem Grundschulalter bis 16 Jahre, mit denen wir am 3. Januar in drei bis vier Gruppen den Segen zu den Häusern bringen, die sich dafür angemeldet haben“, erklärt sie und fügt hinzu: „Wir schreiben den Segen mit Kreide an die Türen und haben auch Aufkleber dabei, je nachdem, was die Leute wünschen.“
Spendensumme ist in den vergangenen Jahren gestiegen
Seubert erlebt oft, dass sie unterwegs von Passanten um den Segen der Sternsinger gebeten wird. „Es ist immer eine tolle Aktion, und es kommt auch immer viel Geld zusammen“, sagt sie. „Und es macht etwas mit den Kindern, wenn sie sich mit der Armut von Kindern beschäftigen, die arbeiten müssen, statt zur Schule zu gehen.“ In diesem Jahr organisiert sie mit der Jugendkirche JONA und zwei Kollegen den Sternsinger-Gottesdienst am 6. Januar im Frankfurter Dom für die Pfarrei St. Hildegard.
Ronja Röhr, die ehrenamtliche Diözesanvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Diözesanverband Limburg, sieht den BDKJ im guten Austausch mit vielen Kirchorten und Pfarreien des Bistums. „Viele der mitmachenden Kinder bereiten sich aktuell auf die Erstkommunion vor. Gleichzeitig merken wir immer wieder, wie viel Freude die Kinder am Sternsingen haben – oft melden sie sich auch in den folgenden Jahren erneut an. Das spricht klar für eine anhaltende Identifikation mit dem Sternsingen“, sagt Röhr. „Herausfordernd ist allerdings die personelle Situation in einigen Pfarreien. Früher wurde die Aktion oft von hauptberuflichen Mitarbeitenden getragen, heute liegt viel Verantwortung bei Ehrenamtlichen. Das hängt auch damit zusammen, dass die Zahl der Gemeindereferenten und Pastoralreferentinnen in den letzten Jahren gesunken ist.“ Trotz dieser Herausforderungen sei eine positive Entwicklung bei den Spendenergebnissen festzustellen. „In den letzten Jahren sind die Sammelergebnisse gestiegen, und auch für die Zukunft wird eine weitere Steigerung erwartet.“